Forstexperte Eberhard Aldinger in der Halle in Horb-Altheim. ER ist der ehemalige Leiter der Abteilung Waldökologie der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg. Foto: Juergen Lueck

Bei der letzten Info-Veranstaltung zum Horber Bürgerbegehren redet Forstexperte Eberhard Aldinger Klartext. Wie riskant ist Windkraft im Wald?

Der Horber Gemeinderat lehnte die Verschonung des Großen Hau in Rexingen von Windkraft ab mit dem Argument: Wir können nicht beurteilen, welcher Wald wertvoll ist. Das sollen die Experten machen.

 

Eberhard Aldinger ist ehemaliger Leiter der Abteilung Waldökologie der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg. Er redet aus seiner Perspektive Klartext auf der letzten Info-Veranstaltung der Vertrauensleute des Bürgerentscheids in der Turn- und Festhalle Altheim.

Erste Statistik des Experten: Die Durchschnittstemperatur im Waldbezirk der Raumschaft ist um 1,2 Grad gestiegen, der Niederschlag zurückgegangen.

Experte: Durch Windkraft sinkt der Wert von Wald Aldinger: „Durch Windkraft wird der Wert von Wald sinken. Wenn wir Löcher im Wald haben, wird das für Erwärmung sorgen. Dazu kommen Arten, die von Windkraft betroffen sind. Rotmilan, Frösche, Lurche, Haselmäuse, Fledermäuse. Wenn man das zusammennimmt, ist klar, dass man keine Windkraft im Wald haben will.“

Forstexperte Eberhard Aldinger analysiert die Qualität des Waldes in Obertalheim. Foto: Juergen Lueck

Dann analysiert er die Standorte. WF 15 (bei Betra). Aldinger: „Ein sehr schön geschlossener Wald.“ WF 3 (Wald Obertalheim). Aldinger: „Das ist ein guter Buchenstandort. Mit den Hanglagen und dem Lehm gehört der zu den besseren Standorten.“ Spricht hier von einer höheren Wasserspeicherungsfähigkeit der Böden.

Waldachtal/Grünmettstetten: „Der beste Mix an Böden“ WF 9 (Waldachtal/Grünmettstetten). Aldinger: „Hier sind sehr gute Standorte mit dabei. Hier gibt es – im Vergleich mit den anderen Standorten – den besten Mix an Böden. Ein ökologisch sehr wertvoller Standort.“

Förster Ferdinand Schorpp, zuständig auch für Waldachtal, schlägt vor, die Windkraft-Pacht für die Umgestaltung der Wälder zu nehmen. Foto: Juergen Lueck

Ferdinand Schorpp, dafür zuständiger Förster: „Wir haben jetzt schon durch Klimawandel geschädigte Wälder. Mein Vorschlag: Auf schlechte, vorgeschädigte Wälder ein Windrad stellen – die Pacht für die Umgestaltung des Waldes nehmen.“ Nennt als Beispiele den oberen Burberg oder den Linsenberg.

Ist Landratsamt Freudenstadt letzte Rettung für Wald? Aldinger sagt hinterher: „Das kann man schon so sehen. Förster haben aber meistens nur den Wuchs im Auge. Auch scheinbar schlechte forstliche Flächen können eine hohen ökologischen Wert haben.“

Der Forstexperte betont, dass im Zweifelsfall das Landratsamt Freudenstadt die letzte Instanz ist. Aldinger: „Derzeit kann das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde noch ökologische Aspekte prüfen und muss sie genehmigen. Ich hoffe, dass diese Prüfungen tatsächlich noch kommen, falls Windkraft im Wald kommen sollte.“

Forst-Experte: Großer Hau ist wertvollster Bestand Der Große Hau (Wf 14) bei Rexingen sei forstlich und ökologisch der „wertvollste Bestand“. Dazu komme noch die Artenvielfalt. Aldinger: „An Vögeln fliegt da alles, was der Ökologe sehen will.“

Horbs Nabu-Vorstand Lambert Straub neben Eberhard Aldinger (links): Er hatte mit dem Forstexperten die Waldflächen vor der Info-Veranstaltung besucht. Foto: Juergen Lueck

Aldingers Fazit: Bei einer Entscheidung für Windkraft im Wald muss die Prüfung und Genehmigung des einzelnen Standorts nicht nur unter dem forstlichen Aspekt des ökonomischen Nutzens, sondern auch unter ökologischen Aspekten bewertet werden.

Der Forstexperte: „Nicht umsonst hat das Bundesverfassungsgericht Standorte von Windkraft im Wald als letztmöglich Alternative zu Infrastruktur und artenarme Offenlandschaften benannt.“

Das ist das Fazit von Nabu-Vorstand Lambert Straub Horbs Nabu-Vorstand Lambert Straub: „Wir haben versucht, im Gemeinderat das Bewusstsein für die Waldökologie zu wecken. Die Ergebnisse der beiden Abstimmungen zeigen: Wir werden keinen naturverträglichen Ausbau der Windkraft haben, weil der Gemeinderat nicht differenziert, was für Horb gut und verträglich ist. Wer den Wald schützen will, muss mit Nein beim Bürgerbegehren stimmen.“