Die Mehrheit der Schopfheimer lehnt einen Umbau zum Naturbad ab. Foto: Anja Bertsch

Dass das Naturbad derart baden gegangen ist, haben sich die Akteure zum guten Teil selbst zuzuschreiben.

Naturbad oder technisches Bad? Für beide Varianten gibt es gute Argumente, und die Mehrheit der Bürger hätte sich vielleicht durchaus erwärmen können fürs naturnahe Badeerlebnis – wenn sie nicht zu Beginn der (Nicht-)Diskussion derart ins kalte Wasser gestoßen worden wären. Verwaltung und Gemeinderat mögen die Idee einer Sanierung in Richtung Naturbad schon länger intensiv gewälzt haben – für die Bürgerschaft kam sie aus heiterem Himmel und sollte im Schweinsgalopp innerhalb weniger Tage per Gemeinderatsbeschluss in trockene Tücher gebracht werden.

 

Dass das nicht gutgehen konnte, war absehbar. Angesichts eines offenbar urmenschlichen Abwehrreflexes gegen alles Neue. Angesichts einer bekanntermaßen streitbaren Schopfheimer Bürgerschaft. Und dazu bei einem Thema, das den meisten doch mehr unter, beziehungsweise an die Haut geht als ein historisches Gemäuer wie die Hebelschule – Streitpunkt des letzten Schopfheimer Bürgerentscheids vor drei Jahren.

Dass Rathausspitze und die Fraktionen von SPD, Grünen und Freien Wählern das ausgerechnet hier nicht haben kommen sehen, müssen sie sich vorwerfen lassen. Und ebenso, dass „Durchziehen“ die Devise war trotz einer sich in der Bürgerschaft im Nu hochschaukelnden Empörungswelle.

Dieses „Forsch-Voran“ geschah sicherlich in der Überzeugung, die besseren Argumente auf der eigenen Seite zu haben. Das mag sogar sein – nützt allerdings nichts, wenn diese nicht angemessen und zur rechten Zeit kommuniziert werden – Stichwort Bürgerbeteiligung. Dafür aber, und für eine ausgewogene Diskussion war nach diesem Fehlstart kein Raum mehr. Die Fronten verhärteten sich zusehends, und vor allem manch ein mit Haubentauchern, Koli-Kollaps oder gar Toten argumentierender Naturbad-Gegner fischte dabei arg im Trüben und vertiefte die Gräben unnötig.

Die Ansage von Bürgermeisters Dirk Harscher noch am Wahlabend – „Wir setzen die Emotionen zurück auf Null“ – ist der richtige Ansatz, um sich aus dieser verkorksten Situation freizuschwimmen. Auf dass den Schopfheimer Bürgern ihr Schwimmbad bestmöglich für die Zukunft erhalten werden kann. Denn das ist das deutlichste Signal, das die immense Wahlbeteiligung der insgesamt 9000 Bürger sendet, die sich an der Abstimmung auf der einen und der anderen Seite beteiligt haben: Den Schopfheimern liegt ihr Bad am Herzen.