In Vöhringen wird gewählt. Neben der Europa- und Kommunalwahl steht auch der Bürgerentscheid zur Windkraft an. Foto: Schneider

Es ist entschieden: 66,45 Prozent der Vöhringer sind dagegen, gemeindeeigene Flächen an Betreiber von Windkraftanlagen zu verpachten. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,82 Prozent.

Insgesamt haben 2366 der 3541 Wahlberechtigten abgestimmt, was 66,82 Prozent der Bevölkerung entspricht.

 

Davon entschieden sich 66,45 Prozent (1567 Wähler) für Nein, 33,55 Prozent (791 Wähler) sprachen sich für eine Verpachtung der Gemeindeflächen aus. Damit wurde das Quorum erfüllt. Erforderlich für die Gültigkeit des Entscheids war, dass mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten hinter der mehrheitlich getroffenen Entscheidung stehen.

Viele wollen abstimmen

Der Bürgerentscheid hat die Wirkung eines Gemeinderatsbeschlusses, ist für drei Jahre bindend und kann in dieser Zeit nur durch einen neuen Bürgerentscheid wieder geändert werden.

Am Sonntagvormittag war deutlich spürbar, dass die Wahl etwas ist, was die Bevölkerung packt. Bis vor die Türschwelle reichte die Reihe derer, die ihre Stimme abgeben wollten. „Ich bin gestern extra früh ins Bett gegangen, damit ich heute zeitig zur Wahl kann“, sagte ein Mann schmunzelnd.

Bürgerentscheid bewegt Menschen

Dass die Wahl Breitenwirkung hat, sah man auch an den Personen selbst. So konnte man eine Mutter mit Tochter ebenso entdecken wie ältere Bürger und junge Pärchen.

Ein Grund, dass in Vöhringen ein so großer Andrang herrschte, war die zusätzliche Wahl. Denn die Bürger gaben nicht nur ihre Stimme für das Europäische Parlament, den Kreistag oder den Gemeinderat. Mit einem Bürgerentscheid entschieden sie über die Frage, ob gemeindeeigene Grundstücke in Waldgebieten für Windkraftbetreiber zur Verfügung gestellt werden sollen.

Die Frage polarisiert

Gemeint sind damit die Höhenzüge – sowohl nördlich als auch südlich des so genannten Beuremer Tals (L 409). Ein mehrheitliches Ja der Bevölkerung hätte für Verwaltung und Gemeinderat den Auftrag bedeutet, die Planung von Windkraftanlagen voranzubringen.

Dass das Votum des Bürgerentscheids hingegen negativ ausgefallen ist, bedeutet, dass die Gemeinde die Planung solcher Anlagen nicht weiterverfolgen wird.

Dass die Frage polarisiert, konnte man in den vergangenen Monaten gut verfolgen. So positionierte sich die Bürgerinitiative Gegenwind-Kraftgruppe Sulz-Dornhan-Vöhringen klar dagegen und appellierte Anfang Mai bei einer Veranstaltung in der Tonauhalle, mit Nein zu stimmen.

Veranstaltungen und Exkursion

Mitte Mai fand ein Infomarkt der Gemeinde Vöhringen statt, bei dem Behörden, Naturschutzverbände sowie Windkraft-Gegner und -Befürworter ihre jeweiligen Positionen darlegen konnten.

Damals hatten die meisten der Anwesenden bereits für sich entschieden, welche Position sie in der Frage Pro oder Contra Windkraft einnehmen würden, wie eine Umfrage der Moderatorin Christiane Freitag vom Forum Energie-Dialog ergeben hatte.

Eine weitere Aktion stellte schließlich die Exkursion der Initiative Pro Windkraft nach Tengen-Wiechs dar. Dort drehen sich seit 2017 die Windräder der Betreibergesellschaft Hegauwind GmbH und Co.KG-Verenafohren.

Jede Menge Leserbriefe

Zahlreiche Leserbriefe thematisierten zudem in den vergangenen Wochen Gründe für und gegen die Verpachtung der gemeindeeigenen Flächen.

Nun ist die Entscheidung gefallen. Dass Vöhringen mit dem Thema Windkraft gar nichts mehr zu tun haben wird, wäre allerdings ein Trugschluss. Denn, wie Bürgermeister Stefan Hammer im Vorfeld erklärte, hat der Bürgerentscheid keine Auswirkungen auf Projekte der Nachbarkommunen entlang der Vöhringer Gemarkungsgrenzen.

Außerdem könnten jederzeit private Flächen auf Vöhringer Gemarkung für Windkraftprojekte zur Verfügung gestellt werden.