Direkt hinter der Kirche liegt das Areal, das zum Baugebiet Mühlacker IV werden soll. Die Vertrauensleute des Bürgerentscheids (von links) Klaus Weingärtner, Juliane Kautzsch und Michael Ginter erklären, welche Einwände sie gegen die Pläne haben. Foto: Angelika Bachmann

Die Vertrauensleute für den Bürgerentscheid gegen das Sulzauer Baugebiet Mühlacker IV erklären, welche Bedenken sie gegen die Planungen haben.

Knapp zwei Hektar groß ist das freie Gelände hinter der Sulzauer Kirche, das zum Wohngebiet werden soll. Als „Mühlacker IV“ ist es schon lange als Entwicklungsfläche für Wohnbebauung vorgesehen. Mit den Plänen des Stuttgarter Investors „Königskinder“ sind jedoch viele Starzacher nicht einverstanden. Am 8. März, dem Tag der Landtagswahl, wird es deshalb einen Bürgerentscheid zu der Frage geben, ob für das Gelände, wie vom Gemeinderat im Juli 2025 beschlossen, ein Bebauungsplan aufgestellt wird. In einem Pressegespräch erläutern die drei Vertrauensleute der Bürger-Initiative, Klaus Weingärtner, Juliane Kautzsch und Michael Ginter, ihre Motive und Bedenken.

 

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein Baugebiet Mühlacker IV“, sagt Klaus Weingärtner. Er kritisiert, dass der Bürgerinitiative immer wieder unterstellt werde, sie wolle die Bebauung dort gänzlich verhindern. „Tatsächlich haben wir stets auf die Verhältnismäßigkeit, die Dimension des Vorhabens sowie auf die erheblichen Folgekosten hingewiesen“, so schreibt die Bürgerinitiative in einem Statement. Was dort gebaut werde, müsse zum dörflichen Charakter passen. Das Areal liege „direkt im Ortskern“ und sei ein „Filetstück“, das „besonderer Sensibilität“ bedürfe. Was jetzt geplant werde, sei zu übermächtig und passe nicht zum Ort.

Wie viele zusätzliche Einwohner mit einem neuen Baugebiet Mühlacker IV nach Sulzau ziehen würden, ist schwer vorherzusagen. In einer ersten Planung, vorgestellt im Juli 2025 im Gemeinderat, sprach Architekt Thomas Schwarztrauber vom Stuttgarter Investor „Königskinder“ von 47 Wohneinheiten in Ein-, Doppel- und drei Mehrfamilienhäusern – wobei das nur ein Vorschlag sei und die tatsächliche Bestückung des Baugeländes erst noch durch den Bebauungsplan geregelt werden müsse. In jener Sitzung im Juli war von gut 100 zusätzlichen Einwohnern die Rede.

Die Bürgerinitiative geht jedoch von deutlich höheren Zahlen aus. Sie rechnet mit 150 bis 200 zusätzlichen Einwohnern: Familien mit ein oder zwei Kindern. Selbst ein Zuwachs um 100 Personen sei schon „zu viel“ für einen Ort von der Größe Sulzaus, findet Klaus Weingärtner. Sulzau hat derzeit rund 325 Einwohner.

Baulücken schließen

Die Bürgerinitiative plädiert dafür, erstmal die bereits erschlossenen Bauplätze in Mühlacker III zu vermarkten. Dort gibt es noch drei Plätze, die der Gemeinde gehören. Außerdem gebe es drei weitere Bauplätze in Neckarnähe, die von einer Privatperson erschlossen und ebenfalls im Verkauf seien. Zudem sollte man versuchen, die Baulücken im Ort zu schließen. Danach könne man sehen, wie man Mühlacker IV weiterentwickle, sagt Juliane Kautzsch. Für sie wäre ein Baugebiet der Größe von Mühlacker III angemessen. Dort gibt es elf Bauplätze für Einfamilienhäuser.

Für ein großes Baugebiet bräuchte man zudem die passende Infrastruktur im Ort, argumentiert Kautzsch. Die Sulzauerin rechnet mit 200 zusätzlichen Einwohnern – Familien mit zwei Kindern. Man bräuchte Kita-Plätze und Personal für die Kitas, sowie Platz in der Grundschule. Sulzau habe aber derzeit nicht mal eine eigene Kita. Die Kinder werden von ihren Eltern mit dem Auto nach Börstingen gebracht. Und die dortige Kita sei baulich nicht gerade in gutem Zustand und müsste eigentlich dringend saniert werden.

Mittelfristig plant die Gemeinde zwei zentrale Kita-Standorte in Wachendorf und Bierlingen. Auch die Vorstellung, dass die Eltern durchs Eulental auf die Höhe kutschieren müssen, ist für Kautzsch keine attraktive Werbung, um junge Familien nach Sulzau zu locken.

Die weiteren Themen

Schon jetzt
seien an den Wochenenden die Straßen im Ortskern völlig zugeparkt, Autos stünden zum Teil auf den Gehwegen, sagt Michael Ginter. Die Bürgerinitiative befürchtet zusätzlich geparkte Autos im öffentlichen Raum. Zufahrten zum Baugebiet soll es zum einen am Dorfplatz vorbei aber auch durch die Eulentalstraße geben, die im unteren Bereich sehr eng sei.

Bedenken hat die Bürgerinitiative
zudem wegen der Kanalisation. Sie verweist dabei auf ein Gutachten der Firma Gauss + Lörcher bei der Planung des Gebiets Mühlacker III, in dem „Problempunkte bei der Abwasserbeseitigung“ angesprochen worden seien. Die Sulzauer befürchten, dass die Abwasser-Kanäle nicht ausreichend groß sind. Kämen dann auf die Gemeinde ein Kanalausbau und damit weitere Kosten zu? „Wir denken ja nicht nur an Sulzau, sondern an die Gesamtgemeinde Starzach“, sagt Weingärtner.

„Wir sind der Meinung,
der Bürgerentscheid hätte durch einen frühzeitigen Dialog verhindert werden können“ schreibt die Bürgerinitiative in einer Stellungnahme. Gleichzeitig sei durch die Entscheidung für die Aufstellung des Bebauungsplans Ende Juli ein gewisser Zeitdruck entstanden. Ein Bürgerbegehren gegen einen Gemeinderatsbeschluss muss spätestens drei Monate nach dessen Bekanntgabe eingereicht werden.

Selbst wenn
es nun weitere Gespräche über eine Verkleinerung des Baugebiets oder über eine weniger dichte Bebauung gäbe, ist „der Prozess für den Bürgerentscheid nun angelaufen und kann nicht mehr gestoppt werden“, so Klaus Weingärtner, einer der drei Vertrauensleute.

Die Bürgerinitiative
beklagt zudem, dass sie nicht im Vorfeld bei der Organisation, beim Konzept und den Terminen der Bürgerbeteiligung durch die Servicestelle des Landes eingebunden wurde. Auch sei von der Gemeinde gegenüber der Servicestelle kommuniziert worden, dass die BI grundsätzlich gegen das Baugebiet sei – was nicht der Wahrheit entspreche. Die BI spricht deshalb von einem „klaren Vertrauensbruch“.