Die Anwesenden hören den Vortrag von Michael Thorwart zum Thema „Energiewende gescheitert? Mit Windkraft in die Stromkrise“. Foto: Schneider

Einen kostenintensiven Ausbau der Stromnetze und mangelnde Speichermöglichkeiten hat Michael Thorwart als Kritikpunkte der Energiewende formuliert. Die Bürgerinitiative Gegenwind hatte zu einem Vortrag in die Stadthalle in Sulz geladen.

„Spätestens in fünf Jahren werden wir wieder über Kernkraftwerke im Land diskutieren“, erklärt Michael Thorwart.

 

Dabei bezieht sich der Physiker auch auf Rafael Grossi, den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Dieser hatte gesagt, die Rückkehr Deutschlands zur Kernkraft sei nur „logisch und rational“.

Deutscher Strom ist teuer

Man sollte sich gemeinsam mit den europäischen Partnern verständigen, um so mit neuen Atomkraftwerken Wohlstand und Klimaschutz zu verbinden, appelliert Thorwart.

Vergleiche man die weltweiten Strompreise auf Portalen wie Verivox, stehe die Bundesrepublik global gesehen 2024 an neunter Stelle im Strompreis-Ranking, innerhalb der G20-Staaten sogar nach Italien mit den zweithöchsten Preisen.

Leitungen kosten

„Unsere Unternehmen klagen über hohe Energiepreise“, erläutert er die Konsequenzen. So komme es, dass Produkte, die mit niedrigeren Stromkosten im Ausland produziert würden, oftmals billiger seien als die deutsche Konkurrenz.

Einen Grund für die Teuerung macht der Professor im Ausbau der Stromnetze aus. „Bisher hatten wir eine zentralisierte Energieversorgung mit großen Kraftwerken“, blickt er zurück. Der dezentrale Ansatz, der zahlreiche Photovoltaik-Flächen und Windparks einschließe, führe dazu, dass viel mehr Leitungen gelegt werden müssten.

Wasserstoff nicht serienreif

Den Ausstieg aus fossilen Energien wie Öl, Kohle und Gas sieht Thorwart als unumgänglich an. „Es ist notwendig, dass wir diese Energieträger zurückfahren“, stellt er klar.

Susanne Sailer von der Bürgerinitiative Gegenwind Kraftgruppe Sulz-Dornhan-Vöhringen begrüßt die Anwesenden. /Schneider

Doch sei aus den Vereinigten Staaten importiertes Flüssiggas (LNG) keine echte Alternative, um CO₂-neutral zu werden. Wasserstoff sei zwar vielversprechend, doch Herstellung und Stromproduktion zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgereift.

Es braucht noch viele Speicher

Seine Kritik an Solar- und Windenergie ist deren tagesabhängige Produktion, so dass es keine konstante Energieversorgung, sondern Über- oder Unterproduktion gebe.Und die Überkapazitäten zu sonnigen und windreichen Zeiten zu speichern, sei eine technische Herausforderung.

„Die bisher existierenden Energiespeicher können elf Minuten lang den Strombedarf der Bundesrepublik decken“, gibt er eine Studie des Frauenhofer Instituts zum Thema wider. Somit gestalte sich die Energiewende in der jetzigen Form als sehr kostenintensiv.

Wird aufgeforstet?

„Die Bundesnetzagentur schreibt, dass die Kosten der Energiewende bis 2030 bei rund einer Billion Euro liegen“, erwähnt er ein entsprechendes Papier vom Januar 2024.

Alexander Edele von der Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern kritisierte die Zerstörung des Waldes, da nach seiner Aussage Flächen, etwa als Standort eines Kranes, nicht wieder aufgeforstet werden würden.

Ebenfalls warnte er vor Chemikalien wie Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS). Diese sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und befinden sich als Kunststoffverbindungen in Rotorblättern sowie in zahlreichen Textilien, Lebensmittelverpackungen, Kochgeschirr oder Kosmetika.

Strom und Endlager

Strommix
Im ersten Quartal 2024 stammten 38,5 Prozent der Stromerzeugung aus Windkraft, 6,6 aus Photovoltaik, 6 Prozent aus Biogas und 4,5 Prozent aus Wasserkraft. Zusammen sind das 58,4 Prozent. 23 Prozent stammen aus Kohle und 15,8 Prozent aus Erdgas.

Endlager
Die Planungen für ein Endlager für hochradioaktiven Müll befinden sich noch in einer sehr frühen Phase. Derzeit wird in einem Auswahlverfahren nach einem geeigneten Standort gesucht.