Beim Bürgerentscheid stimmte am Sonntag eine deutliche Mehrheit der Starzacher gegen die Pläne, in Sulzau das 2 Hektar große Baugebiet Mühlacker IV zu entwickeln.
Im Gegensatz zur Landtagswahl, bei der die Zitterpartie bis in die Nacht ging, war beim Bürgerentscheid in Starzach relativ schnell klar, in welche Richtung der Hase lief – auch wenn die Bürgerinitiative lieber mal noch nicht jubeln wollte, als bereits kurz nach 20 Uhr das Quorum von 707 Stimmen geknackt war.
Am Ende ging der Sieg klar an die Initiatoren des Bürgerentscheids: Es wird kein Baugebiet Mühläcker IV geben – zumindest nicht in den kommenden drei Jahren. Der Vorsprung war deutlich: 1410 Starzacher (59,6 Prozent der gültigen Stimmen) votierten dagegen, dass ein Bebauungsplan für das rund 2 Hektar große Gelände südlich der Sulzauer Kirche erstellt wird.
Ergebnisse am Smartphone verfolgt Die Vertreter der Bürgerinitiative mit ihren Vertrauensleuten Juliane Kautzsch, Klaus Weingärtner und Michael Ginter waren schon um 19.30 Uhr im Bürgerhaus in Bierlingen. Im Saal wurde zu dem Zeitpunkt noch die Landtagswahl ausgezählt. Über Smartphones verfolgten sie, wie dann laufend auch die Ergebnisse des Bürgerentscheids online gestellt wurden.
Dann wird tatsächlich gejubelt
„Wir haben es geschafft“, jubelte Juliane Kautzsch kurz nach 20 Uhr. Klaus Weingärtner riet da noch zur Zurückhaltung. Das Quorum war geschafft, reichte es aber auch zur Mehrheit? Um 21 Uhr gab es Gewissheit und kurz darauf das Endergebnis. Wenig später kam Andreas Scholz von der Gemeindeverwaltung in den Bürgersaal und bestätigte der Bürgerinitiative: „Sie sind erfolgreich.“ Da wurde dann tatsächlich gejubelt, die Vertreter der Bürgerinitiative im Saal umarmten sich.
Zuletzt hatten sowohl die Bürgerinitiative als auch die Investoren von „Königskinder“ mit Flyern und Info-Ständen beim Netto-Markt um die Stimmen der Starzacher gerungen. „Die Leute haben kritisch nachgefragt, sowohl bei uns als auch bei den anderen“, sagte Juliane Kautzsch und bedankte sich bei den Wählern für das „tolle Ergebnis“.
„Das Ergebnis trifft uns hart“ Mit diesem machte die Mehrheit der Wähler dem Stuttgarter Investor „Königskinder“ einen Strich durch die Rechnung. „Das Ergebnis trifft uns hart – nach Monaten intensiver Arbeit, unzähligen Gesprächen und einem fairen Prozess ist alles umsonst gewesen“, so Architekt Thomas Schwarztrauber gegenüber unserer Redaktion. „Wir haben gehofft, dass die Bürgerinnen und Bürger die Chance erkennen: bezahlbarer Wohnraum für junge Familien, Zuzügler und Einheimische, die in Starzach bleiben wollen, finanzielle Entlastung für die Gemeinde und vor allem eine echte Mitgestaltung in den nächsten Planungsphasen.“
Noé: Wähler müssen jetzt die Konsequenzen tragen Starzachs Bürgermeister Thomas Noé zeigte sich von dem Ergebnis wenig überrascht. „Die Starzacher sind eher gegen etwas als für etwas“, sagte Noé am Sonntagabend. „Und Baugebiete kriegen wir nie ohne Ärger hin“, so Noé. Wenigstens sei es ein „klares Ergebnis“.
Die Wähler müssten jetzt aber auch die Konsequenzen tragen. Das Ergebnis sei für ihn ein weiteres Beispiel dafür, wie man Entwicklung verhindern könne.Am deutlichsten war die Ablehnung gegen das Baugebiet erwartungsgemäß in Sulzau (72,2 Prozent). Aber auch in den großen Höhen-Teilorten Bierlingen und Wachendorf überwogen die Stimmen, die mit dem Bürgerentscheid das neue Baugebiet kippen wollten.
Neu-Bürger-Debatte wichtiger Grund
In der Auseinandersetzung spielte vor allem eine Rolle, wie viele (Neu-)Bürger mit dem Baugebiet nach Sulzau ziehen würden. Das neue Baugebiet würde 100 bis 120 neue Bürger bringen, sagten die Investoren. Die Bürgerinitiative dagegen sprach von 150 bis 200 Neu-Bürgern. Wie viele es tatsächlich geworden wären, wird man nicht erfahren. Denn der Stuttgarter Investor „Königskinder“ hat angekündigt, die Pläne für Sulzau zu versenken.
„Selbstverständlich akzeptieren wir das Ergebnis der Abstimmung, auch wenn es uns enttäuscht. Unsere Tätigkeiten zur Schaffung von Baurecht für Mühlacker IV stellen wir daher umgehend ein. In den nächsten Wochen werden wir uns zusammensetzen und über alternative Nutzungsmöglichkeiten für das Gebiet nachdenken“, so Schwarztrauber. Das Ergebnis bremse die dringend nötige Entwicklung von Sulzau und Starzach massiv, und das in Zeiten von Wohnraummangel.