Fast 74 Prozent aller Wahlberechtigten der Gäugemeinde haben sich am Bürgerentscheid zur Windkraft beteiligt.
Es ist Punkt 21.30 Uhr, als Bürgermeister Stefan Feigl mit dem Glockenschlag der neben dem Rathaus stehenden Dreifaltigkeitskirche am Sonntagabend die Sitzung des Gemeindewahlausschusses eröffnet. Anlass: die Feststellung des Bürgerentscheid-Ergebnisses zur Zukunft der Windkraft im Simmozheim.
Wie bei der Landtagswahl ist das Ergebnis knapp. 44 Stimmen von Windkraft-Befürwortern geben am Ende den Ausschlag. Als das Ergebnis von Bürgermeister Stefan Feigl sachlich und ohne alle Emotionen verkündet wird, ist neben den Mitgliedern des Ausschusses und Rathausbeschäftigten nur ein Pressevertreter sowie mit dem einstigen Grünen-Gemeinderat Gerhard Schneider ein interessierter Bürger anwesend. „Ich hätte mit mehr Interessierten gerechnet“, wundert sich Schneider, der mit dem Ausgang nicht unzufrieden ist.
So manche Freundschaft auf die Probe gestellt
In Simmozheim sind sich die Lager der Windkraftbefürworter und -gegner in den vergangenen Monaten nicht unbedingt grün gewesen. Es wurde heftig diskutiert und auch so manche Freundschaft auf die Probe gestellt. Davon ist bei der Verkündung des Ergebnisses im Rathaus nichts zu spüren. Dass sich die Mehrheit der stimmberechtigten Simmozheimer für eine mögliche Errichtung von Windrädern auf Simmozheimer Gemeindegebiet ausgesprochen haben, ist schnell verkündet – und das Ergebnis dann auch vom Rathauschef sowie Lorenz Auwärter, Tobias Mohr und Andrea Martinez-Perez offiziell festgestellt.
13 ungültige Stimmzettel
Insgesamt 2220 Bürger der Gäugemeinde seien stimmberechtigt gewesen, 1639 hätten von diesem Recht Gebrauch gemacht, so Feigl. 576 Simmozheimer hätten Briefwahlunterlagen angefordert, 555 davon hätten ihre Stimme dann auch abgegeben. 19 davon mussten laut Feigl aber zurückgewiesen werden, weil diese nicht korrekt bei der Kommune gelandet waren. „Da gibt es sehr klare Vorgaben, an die wir uns halten müssen“, erläutert Feigl. Insgesamt seien 13 der 1639 abgegebenen Stimmzettel ungültig gewesen.
835 Bürger und damit 51,35 Prozent haben sich letztlich dafür ausgesprochen, dass auf Simmozheimer Gemeindegebiet Windkraftanlagen aufgestellt werden dürfen. 791, also 48,65 Prozent, stimmten mit einem Nein auf die Frage: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Simmozheim in ihrem Eigentum befindliche Flächen im Windvorranggebiet WC4 für die Entwicklung von Windenergieanlagen zur Verfügung stellt?“
„Tolle Wahlbeteiligung“
Es sei eine „tolle Wahlbeteiligung“ gewesen sagt Stefan Feigl. Dass der bindende Bürgerentscheid auch das nötige Quorum hatte, liegt angesichts der Zahlen auf der Hand: Mehr als 444 Bürgerinnen und Bürger „also 20 Prozent der Stimmberechtigten“ hätten sich beteiligen müssen. Mit einer Wahlbeteiligung von 73,8 Prozent lag die Beteiligung deutlich darüber.
Einige der Windkraftgegner, die sich im Mönchswasen versammelt hatten, mochten den Ausgang kaum glauben. „Das muss ich jetzt erst einmal verdauen“, so eine Windkraftgegnerin, die auf einen anderen Ausgang gehofft hatte. Dass zudem nur 44 Stimmen den Ausschlag gegeben hätten, will ein anderer nicht fassen. Er habe die Stimmung anders wahrgenommen.
Glücksfall für Simmozheim
Klemens Schmiederer, Vorsitzender des Simmozheimer Vereins WaldErhalt, hatte mit einem knappen Ausgang gerechnet. „Wir waren aber von Anfang an in einer schwächeren Position“, sagt er. „Wir hatten in Simmozheim aber das Glück, einen Bürgerentscheid haben zu dürfen“, so Schmiederer. Das sei in vielen anderen Kommune nicht der Fall gewesen.
Verein WaldErhalt wird nicht überflüssig
Mit dem Bürgerentscheid wird der Verein laut Schmiederer aber nicht überflüssig. Man wolle den weiteren Prozess beim Thema Windkraft aufmerksam und kritisch begleiten und den Beteiligten „auf die Finger schauen“. Insgesamt ärgere es einen natürlich, wenn man acht Monate für etwas gekämpft habe und es dann knapp ausgeht, aber: „Jetzt ist es halt so entschieden. Die Bürger wollen es so.“ Das müsse man akzeptieren.