Das schreibt unser Leser Andreas Schlageter aus Schopfheim zum bevorstehenden Bürgerentscheid über die Zukunft des Freibads.
Die Gemeindehaushaltsverordnung fordert bei Investitionen „einen Wirtschaftlichkeitsvergleich unter Einbeziehung der Folgekosten“ (GemHVO §12 Abs. 1). Die Folgekosten betreffen die Auswirkungen der Investitionen auf den Haushalt. Bei einem Bad handelt es sich dabei um die Betriebskosten, nicht um die ursprünglichen Bausummen. Dies ist darin begründet, dass die Investitionssumme gemäß der Nutzungsdauer auf die entsprechenden Haushaltsjahre verteilt wird.
Für die konventionelle Sanierungsvariante des Schopfheimer Schwimmbads hat die Stadt eine Nutzungsdauer von 40 Jahren und für das Naturbad von 25 Jahren angesetzt. Dementsprechend darf das konventionelle Bad deutlich höhere Baukosten aufweisen, um dieselben Betriebskosten wie das Naturbad zu verursachen und denselben Effekt in den folgenden Haushaltsjahren zu erzielen. Die Stadt hat nun aber für beide Varianten einen „Kostendeckel“ in Höhe von 7 Millionen Euro festgelegt, was finanzwirtschaftlich keinen Sinn macht und zu Fehlentscheidungen führen kann!
Außerdem werden die Kosten für das Naturbad viel zu niedrig dargestellt. Neben den klaren Fachargumenten kann man zum Vergleich auch das von der Stadt gerne als Referenz benannte Naturbad in Herrenberg heranziehen: Wie soll in Schopfheim für 3,4 Millionen Euro ein Naturbad realisiert werden können, wenn das etwas kleinere Bad in Herrenberg vor mehr als zehn Jahren schon 5,7 Millionen Euro (plus etliche Nachbesserungen) gekostet hat? Dazu kommt einnahmenseitig noch, dass es in Herrenberg seit der Eröffnung fast 150 ungeplante Schließtage gegeben hat und die Besucherzahlen um die Hälfte zurückgegangen sind. Realistische Rechnungen weisen die konventionelle Sanierung des Schopfheimer Schwimmbads klar als die gemäß der Gemeindehaushaltsverordnung wirtschaftlichere Variante aus.
Schopfheim kann sich kein weiteres Projekt wie den Schulcampus leisten, das in der Umsetzung ständig teurer wird als anfänglich behauptet und den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt für alle anderen Aufgaben über die nächsten Jahrzehnte einengt.
Andreas Schlageter, SchopfheimSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.