Gut besucht war die Infoveranstaltung in der Schönbronner Halle zum Foto: Priestersbach

An der Standortfrage für eine neue Kindertagesstätte in Effringen scheiden sich nach wie vor die Geister. Und so sind am Sonntag, 4. Dezember, alle Wildberger Wahlberechtigten aufgerufen, in einem Bürgerentscheid über den Erhalt des Effringer Bolzplatzes abzustimmen – und damit auch über den Standort des evangelischen Kindergartens.

Wildberg-Effringen - Bei einer Informationsveranstaltung in der Schönbronner Halle hatten die Konfliktparteien in dieser Woche noch einmal die Gelegenheit, ihre unterschiedlichen Standpunkte darzustellen. Aber auch die Bürger kamen an diesem Abend zu Wort. Im Kern geht es um die Frage, ob der Effringer Kindergarten auf dem bisherigen Bolzplatzgelände neu errichtet wird, ob einer Erweiterung am bisherigen Standort "Werre" der Vorzug gegeben werden soll – oder ob es doch ein ganz neuer Standort sein sollte.

Nach einer Pattsituation im Ortschaftsrat hatte der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Bildungs- und Betreuungsstandort Effringen" gefasst. Mehrheitsmeinung im Gremium ist, dass beim Standort Schule/Bolzplatz Synergieeffekte mit der benachbarten Grundschule möglich sind. In Effringen regte sich jedoch Widerstand gegen diese Entscheidung, worauf sich um die Vertrauenspersonen Benjamin Seeger, Frank Dengler und Heiko Bürkle eine Bürgerinitiative bildete. Deren Ziel ist es, den Effringer Bolzplatz am jetzigen Standort zu erhalten und per Bürgerentscheid die Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses zu erwirken. Für ein entsprechendes Bürgerbegehren legte die Initiative die notwendige Zahl an Unterschriften vor, worauf der Gemeinderat die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens festgestellt hatte.

BI: "Bolzplatz ist kein zukunftsorientierter Standort"

Wie die drei Sprecher der Bürgerinitiative jetzt bei der gut besuchten Informationsveranstaltung deutlich machten, richte sich das Bürgerbegehren nicht gegen einen Kindergartenneubau – doch der Bolzplatz ist in ihren Augen kein zukunftsorientierter Standort. So seien hier die entstehenden Verkehrsprobleme nicht lösbar, und zudem werde befürchtet, dass der geplante fünfgruppige Kindergarten nicht ausreichend sein wird für künftige Kinderzahlen. Für einen Kindergartenneubau sei daher ein Grundstück mit Erweiterungsmöglichkeiten notwendig – und die erforderliche Fläche könne durch eine Bebauungsplanung mit Umlegung und Zukauf von Flächen vor allem am bisherigen Standort "Werre" am Effringer Ortsrand realisiert werden.

Im Statement der Gemeinderatsfraktionen wiederholte der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Ostertag seine Vermutung, dass es im Bürgerbegehren im Grunde genommen nicht um den Erhalt des Bolzplatzes gehe, sondern um die Verhinderung eines Kindergartens an diesem Standort. Die Verkehrssituation sei zwar in der Tat nicht unproblematisch, "aber bei gutem Willen aller lösbar".

Schaffung eines gemeinsamen Bildungsstandortes für Räte entscheidend

Maßgeblich für die Entscheidung des Gemeinderats war die Suche nach der besten Lösung für Effringen durch die Schaffung eines gemeinsamen Betreuungs- und Bildungsstandortes mit Mensa oder Mehrzweckraum. Nicht unerwähnt ließ Gerhard Ostertag, dass der Gemeinderat von den Stellungnahmen der Evangelischen Kirchengemeinde als Träger, dem Kindergartenpersonal und der Schulleitung in seiner Entscheidung bestärkt wurde.

Für Bürgermeister Ulrich Bünger sind bei der ganzen Standort-Diskussion die Vorteile der "sinnvollen und zukunftsfähigen" Bolzplatzlösung aus dem Blick geraten. Zudem habe man Reserven eingebaut und könne hier eine Kapazität von bis zu 135 Kindergartenplätzen schaffen. 111 Kinder sind bis Herbst 2024 prognostiziert – und bis zu diesem Zeitpunkt sollte der neue Kindergarten eigentlich fertiggestellt sein. Mit Blick auf das notwendige Verkehrskonzept ist der Bürgermeister überzeugt, "das kann man hier zum Funktionieren bringen". Die Frage sei allerdings, ob man die Kinder direkt vor die Schule oder den Kindergarten bringen muss. In seinen Augen ist jetzt bereits ein misslicher Zeitverlust eigentreten – und je nach Ergebnis des Bürgerentscheids "fangen wir wieder bei Null an".

Auch die Bürger kamen zu Wort

Anschließend hatten die Bürger das Wort. Den Anfang machte Helmut Stepper, der "nichts gehört hat, was eine Bebauung des Bolzplatzes rechtfertigt" – zumal man im Rathaus die Nachteile dieser Lösung nicht sehen wolle. Aus seiner Sicht sollte man es noch einmal versuchen, die Grundstücke neben dem Kindergarten Werre zu erwerben. Im Bereich des Bolzplatzes wäre für ihn "eine neue Ortsmitte mit Bürgerhaus" denkbar. Wie Bürgermeister Bünger erwiderte, war es mitentscheidend, dass der Bolzplatz im städtischen Eigentum steht – und er fragte: "Warum sollen wir ein fremdes Grundstück kaufen, wenn wir ein eigenes haben".

Einen doch etwas abenteuerlichen Vorschlag äußerte Kurt Schaible mit dem Hinweis, einen Kindergarten im Bereich des Regenüberlaufbeckens im Baugebiet "Bergsteig" auf Säulen zu stellen und den Kindergarten Werre auf Vordermann zu bringen.

Taschke: "Wir brauchen zeitnah einen neuen Kindergarten"

Für Evelyn Taschke ist der bestehende Kindergarten baufällig, wobei sie es schade fand, "wie das Thema Synergien hier abgefertigt wird". Die Mutter aus Effringen betonte: "Wir brauchen zeitnah einen neuen Kindergarten."

In diese Richtung tendierte ebenfalls Hartmut Diehl als Mitglied des Kirchengemeinderats – denn hier gehe es um "unsere Kinder und die Erzieherinnen, von denen die Kinder super betreuet werden". Gleichzeitig lautete sein Appell an die Effringer, sich von diesem Thema nicht entzweien zu lassen.

Wie Werner Dengler feststellte, müsse das Ergebnis des Bürgerentscheids anschließend auch akzeptiert werden. "Wir dürfen keinen Unfrieden in den Ort tragen, sonst werden die Kinder die Leidtragenden sein", befürchtet Dengler.