Hans-Ulrich Händel und Tamara Alich vom Bürgerengagement haben mit der Quartiersentwicklung für Sulz ein volles Programm vor sich. Foto: Daniel Schneider

Gemeinsam den Zusammenhalt in der Gemeinschaft stärken und verschiedene Generationen im Blick haben. Mit einer Finanzspritze vom Land geht man in Sulz neue Wege.

„Jung und Alt sollen sich mehr im Blick haben und unterstützen“, benennt Hans-Ulrich Händel das Ziel des Projekts „Sorgende Gemeinschaft“. Und um das in der Kernstadt und den Teilorten weiterzuverfolgen, hat die Stadt eine Förderung in Höhe von rund 74.000 Euro aus dem Landesprogramm „Quartiersimpulse“ erhalten.

 

In den kommenden zwei Jahren wird damit das Projekt „Drei Täler – eine Gemeinschaft. Mitdenken. Mitreden. Mitgestalten.“ umgesetzt. Das beinhaltet sowohl Sachkosten wie etwa Flyer, Plakate oder Info-Stände als auch die Begleitung des gesamten Prozesses durch Händel. „Das mache ich jetzt freiberuflich“, erklärt er.

„Vom Ich zum Wir“

Seit neun Jahren war Händel, eigentlich gelernter Altenpfleger und studierter Diakoniewissenschaftler, als Beauftragter für Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement in Sulz – im Rahmen einer 60-Prozent-Stelle – tätig gewesen. Im Sommer 2025 ging er in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin im Amt ist nun Tamara Alich.

„Wir sehen ältere Menschen als Personen mit viel Ressourcen und Kompetenzen“, blickt er auf die vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration fokussierte Zielgruppe. Denn dieses hat Menschen ab 60 Jahren als aktive Gestalter des Gemeinwesens in den Mittelpunkt gestellt. „Gemeinsam soll das Miteinander in den Ortsteilen weiter gestärkt werden: Vom Ich zum Wir“, erläutert Händel.

Einweihung in Renfrizhausen

Und wie das vonstatten gehen kann, dazu haben sich schon viele Sulzer Gedanken gemacht. In Renfrizhausen soll unter Federführung des dortigen Fördervereins „Dorfgemeinschaft Renfrizhausen“ ein Dorfgemeinschaftshaus als wichtiger Treffpunkt für den Flecken entstehen. „Es könnte ein gemeinsames Mittagessen geben und Hausaufgabenbetreuung, aber auch gemeinsames Stricken oder Erste-Hilfe-Kurse“, hatte Dagmar Bernauer, die im Vorstand des Vereins ist, im vergangenen Jahr verschiedene Ideen angesprochen.

Aber auch Einführungskurse zu digitalen Angeboten für ältere Menschen, beispielsweise Hilfe beim Wasserstand-Ablesen mittels QR-Code, seien denkbar. Die Einweihung des neu renovierten Gebäudes ist für das Wochenende 18./19. Juli geplant. Aber auch im benachbarten Mühlheim ist das Engagement spürbar.

Krabbelgruppe im Entstehen

Denn hier sollen – auch im Zuge der Neugestaltung der Dorfmitte – ein Bücherschrank aufgestellt sowie ein Neubürger-Empfang initiiert werden. Nach der Sanierung des Kirchenvorplatzes, des Rathausvorplatzes sowie die Straße „Bei der Kirche“ soll die Lebensqualität durch deutlich mehr aufgewertet sein. Dann können sich die Bürger über Pflanz-Inseln, Spalierobst und aller Voraussicht nach auch eine neue Hainbuchen-Hecke freuen.

„In Sigmarswangen entsteht eine Initiative für ein generationenübergreifendes Wohnkonzept“, spricht er eine weitere Akteursgruppe an. Und da in der Kernstadt Bedarf an einer Krabbelgruppe besteht, will die katholische Kirchengemeinde eine solche auch ins Leben rufen. Eine Aufgabe von Alich, der neuen Beauftragten für Bürgerengagement: Interessierte zusammenbringen, die solche Projekte voranbringen wollen.

Hundedienst gegen Einsamkeit

Die Sozialstation beteiligt sich mit einem Generationentreffpunkt auf Kastell. „Die Blühstauden, die dort oben gepflanzt sind, müssen regelmäßig von Beikräutern entfernt werden“, nennt Händel ein praktisches Betätigungsfeld, das Jung und Alt zusammenführen könnte. Das Bürgerengagement der Stadt richtet sich mit einem digitalen Beratungsangebot an Senioren, bei dem es rund ums Smartphone und Tablet geht.

„Wie lege ich mir ein Google-Konto an, oder wie funktioniert Whatsapp?“, umreißt Alich mögliche Fragestellungen, die älteren Menschen die Teilhabe am digitalen Leben erleichtern sollen. Auch soll ein Hundebesuchsdienst gegen Einsamkeit eingerichtet werden. Denn immer mehr Menschen litten an Einsamkeit.

„Markt der Möglichkeiten“

„Tiere sind eine gute Möglichkeit, um in Kontakt zu kommen“, bilanziert Händel. Der Plan: Man könne einfach seine Kollegin Alich kontaktieren, die sich dann um einen fachkundigen Hundebesuch kümmert. Ein weiteres Projekt, das angestoßen werden soll: ein Tisch der Altersarmut. „Es gibt immer mehr versteckte Armut – auch bei uns“, erläutert er. Viele Betroffene schwiegen aus Scham über ihre finanzielle Lage, wenn das Geld einfach nicht zum Leben reiche. „Da braucht es eine gemeinsame Aktion, wie man die Situation armer Menschen in Sulz verbessern kann“; hält Händel fest.

Und wie geht es jetzt weiter? „Wir laden alle Projektpartner zu einem gemeinsamen Austausch ein“, skizziert er das weitere Vorgehen. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ könne dann jeder sein jeweiliges Projekt vorstellen und auch Kontakte zu weiteren Interessierten knüpfen. Ein Steckbrief, der die entsprechenden Maßnahmen beschreibt, existiert bereits.

1,3 Millionen Euro vom Land

Händel ist sichtlich stolz, was sich da in der Kernstadt und ihren Teilorten getan hat. „Das ist ein starkes Programm“, findet er. Und: „Gut, dass wir jetzt zu zweit sind“, ist er über die tatkräftige Hilfe von Alich dankbar. Denn schließlich gebe es in den kommenden Jahren dank der Förderung des Ministeriums nun viel zu tun.

Mit dem Programm „Quartiersimpulse“ unterstützt das Land Baden-Württemberg 16 Städte, Gemeinden und Landkreise mit insgesamt rund 1,3 Millionen Euro.