Globale Krisen als Herausforderungen, die deutsch-französische Freundschaft und ein geeintes Europa als Chancen: Beim Bürgerempfang ging es längst nicht nur um Freudenstadt.
Genau 19 Stunden nach Landkreis und Sparkasse hat am Samstagnachmittag auch die Stadt Freudenstadt das mittlerweile schon einige Tage alte neue Jahr mit einem Empfang eingeläutet. Theater im Kurhaus statt Schalterhalle in der Kreissparkasse, Bürger statt geladenen Gästen – ansonsten glich Vieles dem Abend zuvor: eine lange Liste an Ehrengästen – Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitiker, Vertreter aus Wirtschaft und Ämtern –, die Neujahrsansprache des Chefs der Verwaltung, umrahmt von Musikstücken, hier vorgetragen von der Stadtkapelle Freudenstadt unter der Leitung von Michael Schwarz.
Dass die Sitzplätze knapp werden, musste die Stadt nicht befürchten – im Gegensatz zum Gartenschaujahr 2025, als der Empfang am Abend in einem vollen Theater stattfand, war diesmal nur etwa die Hälfte der Stühle besetzt.
Inhaltlich knüpfte die Rede von Oberbürgermeister Adrian Sonder an dem an, was auch Landrat Andreas Junt am Abend zuvor deutlich gemacht hatte: Die Zeiten sind bewegt – international, in Europa, Deutschland und den Kommunen. Für Letztere sei es mit Blick auf die Finanzen eine „äußerst schwierige Zeit“.
Sonder zitiert Max Frisch
Aber auch Sonder warb dafür, der Krise etwas Positives abzugewinnen. Während der Landrat Franklin D. Roosevelt zitiert hatte, hielt es der Oberbürgermeister mit Max Frisch: „Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“
Am 80. Jahrestag der Zerstörung Freudenstadts im vergangenen Jahr habe man eine solche Katastrophe nachempfinden können, so Sonder, der eine emotionale Begegnung schilderte: „Es war gerade eben erst“, habe eine Zeitzeugin ihm unter Tränen gesagt, als die Glocken der Stadtkirche läuteten. Aus den Trümmern des Krieges heraus sei das Wunder von Freudenstadt entstanden, betonte Sonder.
Zurück in 2025, erinnerte der OB an die Gartenschau, die die Gemeinschaft mit Baiersbronn gestärkt habe, und würdigte nochmals die rund 1100 ehrenamtlichen Helfer. Den Rückenwind wolle die Stadt ins neue Jahr mitnehmen. Sonder nannte drei Punkte, an die er in 2026 anknüpfen will: Investitionen in notwendige Zukunftsprojekte, Fortsetzung des strikten Sparkurses und Förderung von bürgerschaftlichem und privatwirtschaftlichem Engagement.
Es wird auch schmerzhaft
Sonder betonte aber: „Wir werden auch schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen.“ Er wolle den Bürgern nicht sagen, dass alles gut werde, sondern transparent erklären, was machbar sei und was nicht. „Ich kann Ihnen die Wahrheit zumuten.“
Zu dieser Ehrlichkeit gehörte für Sonder auch, zuzugeben, dass das (Winter-)Wetter nicht zu seinen Kompetenzen zähle. „Ich werde mich zu dem Thema zeitnah nicht mehr äußern“, sorgte der OB für Gelächter im Publikum.
Freundschaft im Fokus
Worüber Sonder hingegen gerne spricht, ist die deutsch-französische Freundschaft. Deren Bedeutung würdigte auch Gaël de Maisonneuve, Generalkonsul von Frankreich in Baden-Württemberg, der nach drei Tanzaufführungen von Kindern und Jugendlichen des Tanzzentrums Hermann unter Leitung von Marcia Hermann ans Rednerpult trat.
De Maisonneuve berichtete von den vielen gemeinsamen Terminen, die jüngst in Freudenstadt stattfanden, wie die Eröffnung der Ausstellung „Adenauer – De Gaulle“ oder das Treffen der deutsch-französischen Gesellschaften in Baden-Württemberg. Seine Botschaft: „Wir können zusammenarbeiten, um eine bessere Zukunft zu bauen.“
Um die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft wusste auch Gastredner Gunther Krichbaum (CDU), der als Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt aber einen größeren Bogen spannte und zum Thema „Warum wir gerade jetzt ein starkes Europa brauchen“ die Entwicklungen in der Weltpolitik für Europa einordnete.
Passend zum Europagedanken, der sich durch den Nachmittag zog, spielte die Stadtkapelle abschließend die Europahymne „Ode an die Freunde“.