Als bekannt wurde, dass das Interkommunale Gewerbegebiet in Simmersfeld erweitert werden soll, bildete sich dort eine Bürgerinitiative, die zunächst mangelnde Informationspolitik kritisierte. Nun luden die Initiatoren zum Bürgerdialog nach Aichhalden in den Bürgersaal ein.
Die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen, der Einfluss auf den Verkehr, Schutz des Grundwassers und einer intakten Waldfläche, die Abhängigkeit von einem großen Arbeitgeber – das waren einige der Punkte, die beim Bürgerdialog in Aichhalden angesprochen und diskutiert wurden. Die geplanten Vorhaben hätten in der Simmersfelder Bevölkerung für Unruhe gesorgt und Gerüchte aufkommen lassen, sagte Mitinitiator Ulrich Schubert in seiner Anmoderation.
Bevor kein Entwurf auf dem Tisch liege, sehe er keine Veranlassung, an der Veranstaltung teilzunehmen, hatte sich Bürgermeister Jochen Stoll bereits in der jüngsten Gemeinderatssitzung festgelegt. Wie berichtet, will die Gemeinde ihr Gewerbegebiet Forchenbusch um fünf Hektar erweitern, während der Zweckverband Interkom seine Fläche um zehn Hektar ausdehnen möchte.
Als die mit einem Werk in Simmersfeld ansässige Firma Boysen davon erfuhr, meldete der Altensteiger Spezialist für Abgastechnik sein Interesse an einem sechs Hektar großen Areal zum eventuellen Bau eines zweiten Produktionswerkes an.
Unternehmen widerspricht
Dabei von Expansion zu sprechen, wie in Leserbriefen behauptet worden sei, bezeichnet die Geschäftsleitung bereits im Vorfeld als „fernab der Realität“. Durch eine zweite Niederlassung Tür an Tür mit BAK könnten Umstrukturierungsmaßnahmen leichter durchgeführt werden. Und die Kritik, dass große Waldflächen gerodet werden müssten, konterte das Unternehmen mit dem Hinweis, dass Kommunen in solch einem Fall verpflichtet seien, für Ausgleichsmaßnahmen im Verhältnis 1:5 zu sorgen.
Dass Simmersfeld nur maximal zehn Prozent der Gewerbesteuereinnahmen erhalte, wie ebenfalls kritisiert wird, liegt dem Betrieb zufolge nicht an Boysen, sondern an Simmersfeld: Die Gemeinde habe sich bei der Gründung des Interkom nicht mit einem höheren Anteil beteiligen wollen, weil ihr das wirtschaftliche Risiko zu hoch gewesen sei. Im Übrigen habe BAK durch seine Investitionen in Simmersfeld erst weitere Investoren angelockt.
Beim Bürgerdialog wurden diese und andere Punkte in vier Kurzvorträgen angesprochen. Dabei wurden Befürchtungen laut, dass Boysen bei der E-Mobilität Probleme bekommen und die Erweiterungsflächen brachliegen könnten. Nicht von der Hand zu weisen sei, dass der Verkehr bei einem zweiten Produktionswerk zunehmen werde und der Eingriff in einen wertvollen Wald durch minderwertige Ausgleichsflächen nicht zu kompensieren sei.
Maier: Beteiligung minimal
Außerdem wurde die Ausweisung als Industriegebiet hinterfragt und spekuliert, was das in der Praxis bedeuten kann.
Für Patrick Maier vom Bund für Umwelt und Naturschutz ist die Beteiligung der Bürger bei solchen Projekten oft nur minimal, wie die Praxis in vielen Fällen zeige. Und erst recht, wenn die Bagger rollen. Deshalb sei es wichtig und angebracht, Menschen durch eine Bürgerversammlung frühzeitig zu informieren und einzubinden.
Eine entsprechende Anfrage sei vom Simmersfelder Gemeinderat abgelehnt worden, bedauerte Schubert. Die Aussage von Bürgermeister Stoll, dass die Leute nicht wegen der guten Luft nach Simmersfeld kämen, sondern weil es dort gute Arbeitsplätze gebe, könne man durchaus auf den Prüfstand stellen.