Projektleiter Markus Riester zeigte auf, wie das Klinikum aussehen wird. Foto: Stotz

Zahlreiche Bürger sind am Mittwoch in die Frommerner Turn- und Festhalle gekommen, um sich die neuesten Infos zum geplanten Zentralklinikum anzuhören.

Universitäre Medizin auf dem Land umzusetzen ist das erklärte Ziel des künftigen Zentralklinikums. Bereits zum vierten Mal gab es am vergangenen Mittwochabend einen Bürgerdialog, bei dem die zuständigen Fachleute und die interessierte Bürgerschaft zusammenkamen.

 

Das Interesse daran war diesmal so groß, dass in der Frommerner Turn- und Festhalle weitere Stühle aufgestellt werden mussten. Kein Wunder, ist das geplante Zentralklinikum doch die zweitgrößte Infrastrukturmaßnahme, die es seit den 1970er-Jahren gibt, zumindest von der Investitionssumme her betrachtet.

Fachkräftemangel ist eine große Herausforderung

„Die Diskussion um ein Zentralklinikum ist nicht neu“, erklärte Landrat Günther-Martin Pauli. Ganz im Gegenteil spreche man bereits seit rund 50 Jahren über das Thema. Weshalb das immer dringlicher werde, erklärten anschließend der Chefarzt der Radiologie des Zollernalbklinikums Balingen Michael Bitzer und der Chefarzt der Chirurgie André Mihaljevic ausführlich.

Die größte Herausforderung ist aus Sicht von Mihaljevic der zunehmende Fachkräftemangel. So zeigte er auf, dass nach Prognosen im Jahr 2035 etwa 35,4 Prozent der Stellen in Krankenhäusern unbesetzt bleiben werden. Das bedeutet: „Es werden uns 1,8 Millionen medizinisch ausgebildete Menschen fehlen.“

Um unter anderem damit besser umgehen zu können, sei ein Zentralklinikum unabdingbar. Wie dieses genau aussehen soll, erklärte anschließend der Projektleiter Markus Riester, der bereits einige Klinikneu- und umbauten durchgeführt hat.

3D-Ansicht mithilfe einer VR-Brille

Nachdem in diesem Jahr der Baubeschluss im Kreistag gefasst worden ist, zeigte sich Riester zuversichtlich, dass die Inbetriebnahme des Klinikums 2030 erfolgen kann. Für die interessierte Bügerschaft waren in der Frommerner Halle sowohl die Baupläne, als auch ein Modell ausgestellt.

Wer mochte, konnte sich nach der Veranstaltung mit Hilfe einer VR-Brille die Räumlichkeiten und die Außenanlage genau anschauen. Neben der zweidimensionalen Möglichkeit ergab sich so erstmals auch ein dreidimensionales Bild des Klinikneubaus.

Nachdem das Podium seine Positionen erklärt hatte, bat der Landrat um Fragen aus der Zuhörerschaft. Thema war hier zunächst das geplante Verkehrskonzept rund um die B463. Da das Zentralklinikum an einer stark befahrenen Straße liegen wird, soll eine etwa acht Meter hohe Kombination aus Lärmschutzwand und Lärmschutzwall die Lärmbelastung mindern.

Es ergebe sich dann ein Lärmschutzzustand ähnlich wie der eines Mischgebietes, erklärte der Fachmann. Zum Sanierungszustand der Bundesstraße versicherte Pauli, dass die Verwaltung sämtliche notwendigen Anträge bereits gestellt habe. Jedoch seien die meisten der zu sanierenden sieben Brücken Bundes- oder Ländersache.

Die erste Brücke jedoch werde bereits derzeit im Zuge der Tunnelrenovierung auf Höhe Albstadt-Laufen saniert. Auf die Frage, wie denn der Bau so schnell durchgeführt werden solle und woher das Geld dafür komme, antwortete Pauli: „Sie können davon ausgehen, dass eine solide Finanzierung möglich ist. Wir werden die 400 Millionen Euro nicht überschreiten.“

Kreis soll 100 Prozent Gesellschafter bleiben

Man habe darauf geachtet, dass der Zollernalbkreis zu 100 Prozent Gesellschafter des Zentralklinikums bleibe. Projektleiter Riester zeigte sich äußerst optimistisch, dass die geplante Bauzeit eingehalten werden könne.

Eine Rohbauphase von 21 Monaten und eine Innenausbauphase von 41 Monaten sei seiner Erfahrung nach durchaus realistisch. Im kommenden Frühjahr wird es das nächste Bürger-Infogespräch zum Zentralklinikum geben.