Am 30. November bestimmt der Bürger in Horb an der Urne, ob es Windkraft auf kommunalen Waldflächen geben darf. Das sagen Gegner und OB Keßler.
Konzentriert, informativ, offen. Die Info-Veranstaltung zum Für und Wider von möglicher Windkraft im kommunalen Wald in Horb in der Hohenberghalle hat die wesentlichen Argumente offengelegt.
Hermann Walz, Initiator des Bürgerbegehrens und ULH-Gemeinderat, sagt: „Das einzige Argument der Befürworter, das ich anerkenne, ist die Gier nach dem Euro. Die Aussage von Millionen Pachteinnahmen für die Stadt, die in den Raum geworfen wurde, toppt das Ganze. Mehr Science-Fiction liest man nur bei Perry Rhodan.“
Uhl schildert den Fall einer Verpachtung von Wald
Marcel Uhl, Vertrauensperson des Bürgerbegehrens: „Es geht nicht mehr um Klimaschutz oder Nachhaltigkeit – es geht ums große Geld.“ Er zitiert aus einem aktuellen Pachtvertrag für Windkraft und schildert damit das Beispiel eines Waldbesitzers, dem ein Angebot für Windkraftanlagen gemacht wurde.
Uhl: „Für 1,5 Hektar Fläche erhält er 2100 Euro Pacht im Jahr. Es wurde ihm inzwischen mehr Wald gerodet als vereinbart war. Statt Wegverbreiterun wurde eine riesige Kranfläche geschlagen – jetzt überlegt er, zu klagen.“ Laut diesem Vertrag sei eine Mindestjahrespacht von 30 000 Euro jährlich pro Windrad vorgesehen. Uhl: „Wie kommt unsere Verwaltung auf 200 000 Euro pro Windrad?“
„Westkreis wehrt sich gegen Flächen, Horb nicht“
Der Westkreis sei wesentlich windstärker und habe doppelt soviel Wald. Dennoch habe Horb doppelt so viel Vorrangfläche für Windkraft wie der Landkreis Freudenstadt. Uhl: „Andere Gemeinden haben rechtzeitig gegengesteuert. Freudenstadts OB Adrian Sonder setzt sich für eine Streichung einer Fläche bei Alpirsbach ein. Horb hat – ohne Not – alles durchgewunken.“ Wer beim Bürgerentscheid mit „Ja“ stimmt, stimme für bis zu 24 Windkraftanlagen in Horb.
Sayer: Ausmaß im Horber Wald ist schlimmer
Birgit Sayer ist die dritte Vertrauensperson. Sie sagt: „Wir wollen mit Bildern keine Ängste schüren. Es sind Industrieanlagen, 285 Meter hoch. Schauen sie sich die Flächen in Seewald-Besenfeld oder Grömbach an. Erschreckende Fakten, die dort geschaffen wurden. Bei uns wäre das Ausmaß noch schlimmer, unsere Anlagen in Horb noch höher.“
Sayer appelliert: „Glauben Sie nicht, dass die Stadt großen Einfluss auf naturverträgliche Planung und Ausbau hat. Damit lässt sich ein Gewissen nur beruhigen, bis Fakten vor Ort geschaffen sind.“
OB Michael Keßler verweist auf Haushaltssituation
Als Letzter ist Michael Keßler (CDU) – OB von Horb und Befürworter der Windkraft dran. Er sagt: „Wir führen hier keine Energie-Grundsatzdiskussion. Die Energiepolitik wird vom Bund entschieden. Wir haben als Kommune letztendlich einfach nur umzusetzen.“
Der OB weiter: „Die Haushaltssituation spielt eine Rolle. Wenn wir Windenergie begleiten, sind wir der Überzeugung, dass die Stadt profitieren darf. Einnahmen für den städtischen Haushalt sind nicht schlecht – wir haben Ausgaben und die müssen wir decken.“
Er betont, dass der Gemeinderat endgültig entscheiden werde: „Ich persönlich würde kein Vorhaben durchführen wollen gegen das Votum der Ortschaftsräte. Der Gemeinderat entscheidet. Als OB mit meiner Stimme werde ich auch ein Stück weit mein Gewicht in dem Umsetzungsverfahren einbringen.“