Um die Gemeinde weiterzuentwickeln, hat die Verwaltung ihre Bürger befragt. Nun stellte sie die Ergebnisse vor – und sammelte gleich erste Ideen für die Zukunft.
Aktuell sind Verwaltung und Gemeinderat dabei, ein Entwicklungskonzept zu erarbeiten. Das Projekt läuft unter dem Namen „Oberreichenbach 2040“. Die Zielrichtung ist also klar: Die Leitlinien für die nächsten Jahrzehnte festlegen. Dabei sollen die Bürger ganz direkt mitwirken. Über die Sommermonate hatten alle Oberreichenbacher, die 16 Jahre und älter, sind die Möglichkeit, bei einer umfassenden Befragung mitzumachen. 881 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück. Damit haben etwa 37 Prozent der Befragten teilgenommen.
Ungeschminkt
Die Ergebnisse seien eine „ungeschminkte“ Bestandsaufnahme, sagte Bürgermeister Johannes Schaible am Dienstagabend in der Sport- und Mehrzweckhalle Würzbach vor etwa 120 Bürgern. Dort stellte das Büro Reschl, welches die Umfrage umgesetzt hatte, die Auswertung vor. Diese diene als Grundlage für das Entwicklungskonzept, so Schaible. „Was läuft gut? Was läuft schlecht? Wo soll die Reise hingehen?“ – diese Fragen wolle man beantworten und dabei die Bürger beteiligen, so der Bürgermeister.
Überwiegend zufrieden
Das Positive vorweg: Mehr als 90 Prozent der Befragten sind mit der Lebensqualität in Oberreichenbach zufrieden. Und zwar unabhängig davon, wie alt sie sind, in welchem Ortsteil sie wohnen und wie lange sie schon in der Gemeinde leben. Gelobt werden vor allem die schöne Natur und ruhige Lage, der Zusammenhalt sowie das Vereinsleben. Auch von den Kirchen fühlen sich die Oberreichenbacher gut versorgt. Und die Verwaltung bewerten etwa 90 Prozent als gut. Ebenso ist eine große Mehrheit mit Grundschulen und Kindergärten zufrieden. Wobei in beiden Bereichen fehlende Betreuungsangebote außerhalb der Kernzeiten bemängelt werden.
Verkehr, Freizeit und Versorgung
Mit der Verkehrssituation sind viele Oberreichenbacher unzufrieden. Sie fordern mehr Geschwindigkeitskontrollen, mehr Verkehrsberuhigung, mehr Tempo-30-Zonen. Und auch ein besseres ÖPNV-Angebot wünschen sie sich. Mehr Bauplätze und vor allem mehr Mietwohnungen in unterschiedlichen Preisklassen stehen ebenso auf der Wunschliste.
Zudem fällt auf, dass vor allem Angebote für junge und alte Menschen fehlen. Die Jugendlichen hätten gern Treffpunkte in den Ortsteilen, vielleicht sogar ein Jugendhaus. Die Umfrage zeigt auch, dass sie Alternativen zu den kirchlichen Angeboten favorisieren.
Senioren bemängeln eine teils fehlende Versorgung, zum Beispiel durch eine Tagespflege. Und auch die Älteren hätten gerne einen Treffpunkt, wie ein Café oder ein Restaurant. Damit sind sie nicht alleine. Knapp 85 Prozent der Befragten sehen die gastronomische Lage in der Gemeinde als schlecht an. Insgesamt schneidet Oberreichenbach bei seinen Bürgern in den Bereichen Kultur und Freizeit eher schlecht ab.
Dieses Thema ist auf Rang eins
Und auch wenn der Dorfmarkt gelobt wird: Viele vermissen ausreichende Einkaufsmöglichkeiten in den Orten. Diese Forderung liegt sogar auf Rang eins. Darauf folgt die ärztliche Versorgung. Mit der aktuellen Lage sind 90 Prozent unzufrieden. Als drittwichtigstes Anliegen nennen die Befragten die digitale Infrastruktur. Hier dürfen sich die Oberreichenbacher aber freuen. In etwa zwei Jahren soll auch der letzte Teilort ans Glasfasernetz angeschlossen sein, so Bürgermeister Schaible.
Wie geht es weiter?
Bereits am Dienstag konnten die Bürger diskutieren und erste Ideen gleich auf Plakaten festhalten. Manche brachten an, Baulücken und alte Gebäude in Wohnraum umzuwandeln. Andere hatte die Idee, die Tatsache zu nutzen, dass in der Gemeinde viele Ärzte wohnten, die aber in den Kliniken in Hirsau oder Schömberg arbeiteten. Vielleicht könne man die ja auch zur Arbeit nach Oberreichenbach lotsen, so die Idee.
Damit ist die Bürgerbeteiligung aber noch nicht vorbei. Bis zum 30. November können sich die Bürger die Ergebnisse der Befragung im Rathaus anschauen und weitere Ideen abgeben. Beides geht auch online unter oberreichenbach.gemeinde-entwickeln.de. Anschließend erarbeitet das Büro Reschl ein Handlungsprogramm mit Finanzierungsübersicht. Dieses berät und beschließt der Gemeinderat dann. Und im kommenden Sommer will die Gemeinde ihr Entwicklungskonzept offiziell vorstellen.