Er habe ja nichts zu sagen bei der Stadt, kommentiert er bescheiden. Aber seinen Namen liest man öfter in der Zeitung als den des Bürgermeisters. Wer ist dieser Hans-Ulrich Händel, der Sulzer Beauftragte für Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement?
Es ist schon einige Jahre her, da lag Sulz nur auf dem Weg zur Arbeit von Hans-Ulrich Händel. „Damals war die Stadt für mich eine graue Maus“, bekennt er heute freimütig. Wir stehen in der vormittäglichen Stille der Ruine Albeck und blicken hinunter ins Tal auf die Stadt. Eine strahlende Herbstsonne verleiht ihr einen goldenen Schimmer. Und dazu passend sagt Händel: „Heute hat sich meine Meinung über Sulz komplett geändert.“
Die Erfolge Seit bereits sieben Jahren agiert Hans-Ulrich Händel für die Stadt Sulz als Beauftragter für Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement. „Ich habe ja nicht viel zu sagen im Rathaus“, kommentiert er bescheiden. Fakt ist allerdings: Sein Name steht mindestens so oft in der Zeitung wie der des Bürgermeisters. Wenn nicht öfter.
An der Anpflanzung von Streuobstbäumen war Händel etwa beteiligt und an der Entwicklung des populären „3-Täler-Safts“. Er hat Zukunftsworkshops in den Stadtteilen initiiert, bei der Entwicklung der „Staudenpflanz-Aktion“ geholfen, die „Tischgespräche“ in diesem Jahr angeleiert und dem neuen Klimarat auf die Sprünge geholfen. Und seit seinem Antritt in Sulz haben er und seine Mitstreiter annähernd 300 000 Euro Fördermittel ergattert.
Händel hat im Hintergrund Strippen gezogen, damit Sulz 2022 zur „Fairtrade-Stadt“ wurde. Und dass die Stadt zu den bundesweit sechs Gemeinden gezählt hat, die beim Programm „Deutschland besser machen“ eine Zusage erhalten haben, geht ebenfalls auf ihn zurück. Auch als Ansprechpartner für die Sulzer Bürger-Energiegenossenschaft „3-Täler-Energie“ fungiert er neuerdings. Alles aufzuzählen ist unmöglich. Klingelt sein Handy nicht ziemlich oft? „Och, ich rede ja gern mit Leuten“, sagt er ein bisschen schmunzelnd.
Der Anfang Das alles macht Hans-Ulrich Händel aus einer 60-Prozent-Stelle. Dem heute 64-Jährigen hätte das wahrscheinlich niemand zugetraut, der ihn in den 1970er Jahren als 16-jährigen Schulabbrecher kannte. Er habe damals den Sinn des Lernens nicht recht nachvollziehen können, berichtet er etwas zurückhaltend. Seinen Eltern im heimischen Fellbach bei Stuttgart dürften die Eskapaden des jungen Uli nicht ganz unbedenklich erschienen sein, der damals durch lange Haare, Flickenjeans und eine ausgeprägte Hippie-Affinität auffiel.
Zurück von einer Reise nach Indien bekam der junge Hans-Ulrich aber schnell die Kurve vom Aussteiger zum Einsteiger. Ein Praktikum zeigte ihm seine berufliche Neigung: „Alte Menschen fand ich interessant“, erklärt er heute. „Ihre ruhige Art, die Dinge zu beurteilen, das hat mich fasziniert.“ Die Konsequenz war, eine Ausbildung als Altenpfleger zu beginnen. Uli Händel schrieb anders als in der Schule nicht nur gute Noten. Der Beruf wurde auch Berufung – zunächst.
Die Karriere Zügig ging es aufwärts auf der Erfolgsleiter. Händel übernahm bald ein kleines Alten- und Pflegeheim in Dietingen als Haus- und Pflegedienstleiter und bekam dort schnell auch die wirtschaftliche Leitung übertragen.
In einem deutlich größeren Altenheim in Oberndorf wurde er einige Jahre später ebenfalls Leiter. Und als sei das kein ausfüllendes Programm, absolvierte er ein berufsbegleitendes Studium der Diakoniewissenschaften. Die Uni in Heidelberg ließ ihn zu, obwohl er kein Abitur hatte. Mit dem Uni-Abschluss in der Tasche wurde er 2010 Regionalleiter für Stuttgart-Fildern bei der Samariter-Stiftung – und damit für fünf oder sechs Einrichtungen zuständig, wo er sich um Neubau, Sanierung, Umstrukturierung und die Zukunftsentwicklung kümmerte.
Der Einbruch Alles gut? Einige Jahre später kam der Knick. 2015 diagnostizierte Hans-Ulrich Händel sich selbst ein Erschöpfungssyndrom und machte sich klar: „Mit der Altenpflege war’s das für mich.“ Im Rathaus der Stadt Sulz legte man ihm die Stelle als Bürgerbeauftragter nahe. Das sei nur am Anfang ein bisschen schwierig gewesen, erinnert sich Händel heute. „Die vielen engagierten Bürger in Sulz, die sind ein echter Schatz.“
Die Gegenwart Schwerpunkt seiner Arbeit sind heute Umwelt- und Klimaschutz. Gut so, auf diese Themen konzentriere sich auch das Engagement der Bürger.
Und ihm liegt das Thema selbst am Herzen. „Ich will eine Welt hinterlassen, in der unsere Enkel gut leben können“, sagt er. Händel hat selbst zehn Enkel von vier Kindern, fünf, wenn man noch das seiner zweiten Frau mitzählt.
Für die Enkel hat er vielleicht bald mehr Zeit, für seinen Hovawart-Rüden Joris, fürs Bogenschießen, Gärtnern. Das Ende seiner Arbeit in Sulz ist altersbedingt nämlich schon absehbar. Ehrenamtlich zu arbeiten könne er sich aber auch dann gut vorstellen. Ganz weg werde er jedenfalls nicht sein, versichert er. „Ich fühle mich Sulz verbunden.“