Bis ins Detail hatten Tanzgruppen und Akteure unglaublich viel Liebe und Ideenreichtum in ihre Auftritte beim Boller Bürgerball der Narrenzunft gesteckt. Den Spott der Bochinger Nachbarn ließ man aber nicht auf sich sitzen.
Zwei Garden mit 27 Mitgliedern, der Elferrat und die vier Narrentypen zogen mit dem Narrenmarsch vom Musikverein in die Halle ein und boten einen farbenprächtigen Anblick. „Unsere kleine Halle isch so drucket voll wie unsere Uhu-Eier“, freute sich Präsident Veit Heumann bei der Begrüßung.
Die flotten Gardetänze der Nachwuchsgarde und Zunftgarde sowie Brauchtumsvorführung und Uhutanz sorgten für beste Stimmung im Saal. Auch der Brezelsegen durfte nicht fehlen.
Telefon ins Klo gefallen
Ein Brüller war der Auftritt der Elferräte. Als die trommelnden Bauarbeiter die Deckel der Regentonnen lüfteten, tauchten ihre Kameraden mit jeweils passendem Outfit und Utensilien zur Musik auf, die von „We will rock you“ über „Only you“, „Atemlos“, „Hol das Lasso raus“, „Mir ham’s mei Kabel g’stohl’n“ und „Gangnam Style“ bis zur Titanic reichten und eine Zugabe unumgänglich machte.
Zwei Ballonfahrerinnen nahmen von oben alle Missgeschicke, Kuriositäten und Peinlichkeiten aufs Korn, die den Bollern übers Jahr passiert waren, egal ob es um Fledermäuse im Wohnzimmer, ein ausgesperrtes Huhn im Schnee oder ins Klo gefallene Telefone ging. Wird ein Paket mit der Grillzange aus dem Briefkasten geangelt, ist auch die aufmerksame Nachbarn nicht weit.
Wilder Wettlauf
Da es für Rössle und Treiber der erste Bürgerball war, legten sie sich nicht nur beim Klepfen mächtig ins Zeug. Timo Bauer berichtete aus erster Hand über die Entstehung, Erfolge und Pannen im ersten Jahr, ließ den knallharten Konditionstrainer Marcel Eisele aufs Publikum los und unterzog je drei „freiwillige“ Teilnehmer den Eignungstests im Peitschenknallen und Karottenschnappen nach wildem Wettlauf durch die Halle.
Unter sechs Vorschlägen machte „Bollivia“ vor „Bella“ in der Gunst des Publikums bei der Namensfindung das Rennen. Die Rössle-Taufe mit Bier bildete das Finale des humorvollen Auftritts.
Den „Wackelkontakt“ an ihren Lampenschirmen aus den 70ern setzten die Elferfrauen effektvoll in Szene. Die Familie Gossmann feierte „das beste Fest der Welt“ als getanzte Kissenschlacht mit gewitzten Kostümen.
Ebenfalls ein Lacher waren die außerirdischen „Yiep Yieps“ der „Lachsröllchengruppe“ in ihren wallenden Gewändern. Männer und Frauen brachten den Saal mit hervorragenden Showtänzen und ausgefeilten Choreografien zum Beben.
Nachfolgerin gefunden
Die Rennfahrer-Ladies der Zunftgarde überzeugten mit Charme und Können auf ganzer Linie. Seit 25 Jahren ist Oliver Sommer beim „Männertanz Boll“ aktiv, der einen kraftvollen, umjubelten Auftritt hinlegte.
Im Oktober feierte die Gruppe das 20. Jubiläum seiner beliebten Trainerin Regine Hengsteler mit einer Überraschungsparty. Für die Leitung der Nachwuchsgarde hatte sie nach langer Suche in Luisa Elit eine Nachfolgerin gefunden und mit ihr ein wahres „Festival“ zur Feier der Übergabe vorbereitet.
Tänzerinnen und Elferrat bedankten sich aufs Herzlichste mit Lob, Blumen und Geschenken. Der Elferrat überraschte, zum Teil in Original-Kostümen, mit einer Rückschau auf alle Tänze aus Hengstelers Ära.
„Graue Nager“ verpflichtet
Bleibt noch zu erwähnen, dass trotz wachsender Kameradschaft und identischer Ringzugehörigkeit die Elferräte aus Boll und Bochingen nicht ganz ohne Sticheleien auskamen. Am Vortag waren die Boller beim 100-Jahre-Jubiläumsball des Nachbarorts live Zeugen eines Auftritts geworden, wonach angeblich selbst die Ratten vor dem Boller Narrenmarsch flüchten.
Heumann revanchierte sich süffisant und hatte als Wiedergutmachung die „grauen Nager“ der Schantlekapelle Bochingen zum Auftritt in Boll verpflichtet. Er konterte, wenn es die Boller ins Bochinger Narrenblättle schaffen, sei das eine besondere Auszeichnung. Auch die „Elfer“ waren zum Gegenbesuch da.
Bei Party- und Stimmungshits der Bochinger Schantlekapelle sangen alle gemeinsam lauthals mit und bewiesen, dass man sich gegenseitig nichts nachzutragen hatte.