Mit 90 Jahren steht Helmut Förnbacher unermüdlich agil auf der Bühne. Der bekannte Basler Schauspieler und Regisseur hatte gerade Premiere mit seiner neuen baseldytschen Komödie.
Helmut Förnbacher hatte in seiner Jugend zwei Berufswünsche: Schauspieler oder Tierarzt. In der Tat konnte er beides, seine Tierliebe und seine Leidenschaft für den Film, verbinden.
Im Basler Zolli hatte er den berühmten Tierwärter Carl Stemmler kennengelernt und das Privileg, dabei zu sein, wenn dieser ein Schimpansen-Baby mit der Milchflasche aufgezogen hat. Aus dieser Begegnung mit Schimpansen entwickelte er später eine Fernsehserie: „Unser Charly“, ein großer Serienerfolg fürs ZDF mit einem Schimpansen als Titelhelden. Aber da Förnbacher das Tier nicht vermenschlichen wollte, zog er sich nach einigen Folgen von der Regie zurück.
Von „Mein Charlie“ bis „Tatort“
Der Erfolg beim Film blieb ihm aber treu. So drehte der Schweizer einige „Tatort“-Folgen größtenteils mit Manfred Krug, den er sehr schätzte. Auch vor dieser Krimiserie hat er viel fürs Fernsehen gemacht, darunter eine Reihe in Südafrika.
Kürzlich ist Helmut Förnbacher 90 geworden – und hält als unermüdlich kreativer Theater- und Filmemacher weiterhin nichts von Ruhestand. Bei Veranstaltungen blickt er öffentlich auf sein erfülltes Leben und Schaffen als Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Theaterleiter zurück. Zu seinem runden Geburtstag lief im Kino Küchlin drei Mal vor vollem Saal sein legendärer erster eigener Spielfilm „Sommersprossen“, der an dieser Stelle vor 57 Jahren seine Weltpremiere gefeiert hatte. Das Publikum feierte ihn mit Standing Ovations.
25 Jahre lang bespielte er die Theaterhalle im Badischen Bahnhof mit seiner 1980 gegründeten Förnbacher Theater Company, in der seine Frau Kristina Nel prominente Rollen hatte und auch seine Tochter Sandra Rudin Förnbacher gelegentlich spielte und inszenierte. 2021 musste er diesen Kulturbahnhof endgültig verlassen: Weil die Deutsche Bahnbau ihre Umbaupläne realisieren wollte, wurde das Dauer-Provisorium nicht mehr verlängert.
Mehr als 100 Eigenproduktionen hat Förnbacher in der Theaterhalle herausgebracht, und was hat man in diesen Jahren nicht alles an großartigen Inszenierungen gesehen: von Shakespeare über Goethes Faust bis Dürrenmatt, neben Klassikern auch Komödien, Gegenwartsdramen und Revuen, Anspruchsvolles und Unterhaltsames. Förnbacher hat auch Schulklassen aus der ganzen Schweiz an Klassiker herangeführt. Dass das nun nicht mehr möglich ist, schmerzt ihn.
„Förnbacher goes Spalebärg“
Bisher vergeblich hat er in Basel in den letzten vier Jahren andere Spielorte für die Company gesucht. Daher ist er den Betreibern des Theaters Fauteuil am Spalenberg, Claude und Caroline Rasser, sehr dankbar, dass sie ihm anboten, bei ihnen Stücke aufzuführen. Unter dem Slogan „Förnbacher goes Spalebärg“ hat die Förnbacher-Theaterfamilie schon eine erfolgreiche Loriot-Hommage auf die Bühne gebracht, die bei den Baslern sehr gut ankam und im März wieder aufgenommen wird.
Eigens fürs „Fauteuil“ hat Förnbacher nun sein erstes Theaterstück geschrieben, die baseldytsche Komödie „Zum Dessert Mousse au Chocolat“ mit dem anspielungsreichen Untertitel „e polyamori Beziehig“. Das Stück verbindet Komödiantisches mit einem relativ ernsten Hintergrund. Angelehnt ist es an Dario Fos „Offene Zweier-Beziehung“. Förnbacher spielt einen gut situierten Basler Anwalt, in dessen langjähriger Ehe es kriselt. Mit ihm auf der Bühne stehen seine Frau Kristina Nel, selbst eine vom Fernsehen bekannte Schauspielerin, und Tochter Sandra, die als Theaterpädagogin und Regisseurin arbeitet.
Förnbacher genießt das Gastrecht im „Fauteuil“ und spielt dort vorwiegend Komödien, weil das, wie er selber sagt, ins Haus passt. Es ist nicht das erste Mal, dass er auf Baseldytsch schreibt. Auch für seine frühere Vorfasnachtsveranstaltung „Ridicüle“ hat er Szenen im Dialekt verfasst. Ältere Theatergänger werden sich vielleicht erinnern, dass Förnbacher vor seiner Zeit im Badischen Bahnhof im legendären „Atlantis“ schon ein eigenes Theater betrieben hatte.
„Ich liebe den Film – und genauso das Theater“
Mit 19, frisch von der Schauspielschule, dem berühmten Max Reinhardt-Seminar in Wien, bekam er seine erste Hauptrolle an der Basler Komödie, wo er später viel gespielt und inszeniert hat. Und mit 20 hat ihn der Hollywood-Regisseur Victor Vicas entdeckt und ihm eine der Hauptrollen in dem Streifen „SOS Gletscherpilot“ gegeben, weil er in Förnbacher einen „schweizerischen oder europäischen Montgomery Clift“ gesehen hat. Populär wurde Förnbacher als junger Schauspieler auch durch den „Forellenhof“, die erste Familienserie im deutschen TV.
Film und Theater: Das sind die beiden Professionen Förnbachers. Und sein ganzes Leben machte er beides, Schauspielerei und Regie, gleichermaßen gern. „Es gibt nichts Schöneres, als auf der Bühne zu stehen“, sagt er. Und das gilt auch noch mit 90.
Aufführungen im Tabourettli Basel vom 6. bis 8. März sowie 19. März. Karten: www.fauteuil.ch