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Bühnenjubiläum Villinger Dieter Sirringhaus über Kleinkunst in Corona-Zeiten

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Dieter Sirringhaus steht als Puppenspieler – hier mit einer kleinen Auswahl aus seinem Fundus – seit 40 Jahre auf, beziehungsweise hinter der Bühne. Foto: Heinig

Seit 40 Jahren steht ­Dieter Sirringhaus als ­Puppenspieler und Zauberer auf der Bühne. In seinem Jubiläumsjahr hätte er so viele Aufträge gehabt wie noch nie. Sie wurden wegen Corona fast alle abgesagt – und eine Jubiläumsfeier gibt es auch nicht. Wie es ihm dabei geht, lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

VS-Villingen - Vielleicht, so die Hoffnung des bald 74-Jährigen, kann im Kulturzentrum Klosterhof in Villingen-Schwenningen ab dem 27. Dezember wenigstens eine ­Woche lang der "Winter­zauber" mit Puppenspiel, Zauberei, Zirkus und Bastelaktionen stattfinden.

Fred Bille aus Rottweil weckt sein Interesse

Fred Bille von der Rottweiler Puppenbühne – inzwischen über 90 Jahre alt – war es, der beim einstigen Stadtjugendpfleger Sirringhaus schon 1973 das Interesse am Spiel mit den Puppen weckte. Er lehrte ihn, unterschiedliche Stimmen zu modellieren, Kinder zum Lachen zu bringen und schenkte ihm einen ersten Satz Handpuppen.

Beim ersten alleine gestemmten Auftritt sei sein Lehrmeister im Publikum gesessen "und gratulierte mir anschließend", erinnert sich Dieter Sirringhaus. Er war zum Puppenspieler geworden.

Im Theaterzelt des ersten Freizeitparks der Stadt an der Obereschacher Landstraße spielte er regelmäßig vor kleinen Besuchern, wurde zunehmend von Schulen, Kindergärten, Kommunen und Einkaufszentren gebucht und reiste quer durch Deutschland: der Münchner Olympiapark, der Tierpark Hellabrunn, der SWR-Kindertanzexpress mit Freddy Quinn und später der Europapark gehörten zu den prominenten Adressen, an denen er seinen Spielkoffer aufschlug.

Nebenher erlernte er vom "Zauber-Peter" und "Frau Puppendoktor Pille", den beiden DDR-Künstlern Peter Kersten und Urte Blankenstein, die damals den Freizeitpark viele Male besuchten, auch das Zaubern.

Er gibt sein Wissen und Können weiter

Er selbst wiederum gab sein Wissen und Können an seine rechte Hand bei der Leitung des späteren Familienparks am ­Klosterhof, Jürgen Steiert, weiter, der in Sigmaringen eine Puppenbühne betreibt. Beide entwickeln heute gemeinsam neue Stücke, wobei sie auf lehrreiche und pädagogisch wertvolle Art und Weise – "ohne erhobenen Zeigefinger" – gerne auch heikle Themen anpacken.

Bespielt wurden schon die Gefahren im Straßenverkehr, gesunde Zahnpflege oder interkulturelle Gemeinsamkeiten. Neuere Stücke wie "Tims Abenteuer" beschäftigen sich mit dem Phänomen, dass an Schulen ältere Schüler die jüngere zum Klauen nötigen. In "Chiara, das Löwenmädchen" wird kindgerecht vor Pädophilen gewarnt, und gerade im Entstehen ist die Geschichte "Kasper, Greta und der kleine Eisbär Milan". Darin wird – man ahnt es schon – der Klimawandel behandelt.

Im Repertoire hat Dieter Sirrinhaus mit "Die Wunderkugel", "Kasperle bei den Indianern" oder "Bello, der Räuberschreck" aber auch Lachgeschichten, wie sie heute Erwachsene noch aus ihrer Kindheit kennen. Rund 50 Handpuppen stehen ihm dafür zur Verfügung. Neben den Kinderlieblingen Kasperle und Bello erschuf die meisten die Villinger Puppenkünstlerin Gisela Kalla. Den "Ronald Mc Donald" mit dem Sirringhaus einst seinen Jahresurlaub im Auftrag der gleichnamigen Fast-Food-Kette mit deutschlandweiten Auftritten verbrachte, hat noch seine verstorbene Frau Gaby angefertigt.

Das Kasperletheater ist nach seiner Überzeugung trotz Handys und Computer für Kinder bis zu zehn Jahren ein zeitloser Erfolgsgarant. Eine der ersten Formen des Theaterspiels überhaupt begeistert heute auch noch Fünftklässler, so seine Erfahrung. Trotzdem werde es von kommunalen Kulturämtern kaum wahrgenommen, und in immer weniger Bildungseinrichtungen gibt es einen Etat dafür.

Bei Jugendarbeit will er 2021 kürzer treten

Gleichwohl ist die Welt mit erhobenen Armen hinter einer Holzwand die seine. Und das soll sie auch noch eine ganze Weile so bleiben. Puppenspiel und Zauberei werde er betreiben, "so lange ich stehen kann", sagt er. Sein Vorbild ist sein Lehrmeister Fred Bille, der die Puppen noch mit 82 Jahren tanzen ließ.

Kürzer treten will der Bühnenjubilar ab dem nächsten Jahr nur bei der Jugendarbeit und dafür seinen Posten als Vorsitzender des Jugendförderungsvereins in jüngere Hände legen. "Und dann mache ich nur noch Kinderprogramme."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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