Das Konzept für die neue Mediathek im Schillerareal steht. Im Gemeinderat werden Ideen zum Medienangebot, der Einrichtung und den Öffnungszeiten präsentiert. Das Gremium diskutiert, wie viel Personal nötig ist.
Im Schillerareal geht es voran. Im Sommer wird das neue Bürgerzentrum samt Mediathek eingeweiht. Letztere soll aber wohl erst im Herbst ihren Betrieb aufnehmen. Denn es muss noch einiges erledigt werden. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte die Verwaltung das Betriebskonzept vor. Dieses hat sich eine Gruppe aus Bürgern, Gemeinderäten, der Verwaltung und Experten von des EKZ-Bibliotheksservice aus Reutlingen ausgedacht.
Medienangebot In der aktuellen Bücherei stehen 5600 Medieneinheiten, die 6500 Mal pro Jahr ausgeliehen werden. Für 2500 Euro pro Jahr werden neue Medien angeschafft. Über 80 Prozent der Ausleihen entfallen auf den Bereich Kinderliteratur. Sachbücher hingegen sind echte Ladenhüter. Diese Erkenntnisse fließen in den Aufbau des neuen Bestands ein. 6000 Bücher sollen es künftig sein. Darunter befinden sich dann vor allem Kinderbücher und Romane. Der Sachbuchbestand wird reduziert. Hingegen können die Menschen in der Mediathek dann mehr Spiele ausleihen. Auch die Ausleihe von Online-Medien wie E-Books soll möglich sein.
Das Budget für Neubeschaffungen wächst auf 4500 Euro pro Jahr. Damit werden jährlich etwa 300 neue Medien angeschafft. Hierbei orientiert sich die Mediathek an Bestsellerlisten. Aus der bisherigen Bibliothek sollen nur die Bücher umziehen, die in einem guten Zustand sind und oft ausgeliehen werden. Etwa die Hälfte der Bücher wird so aussortiert.
Einrichtung soll Wohlfühlatmosphäre
Einrichtung Für die Mediathek stehen im neuen Gebäude 425 Quadratmeter zur Verfügung. Insgesamt bietet das Bürgerzentrum 780 Quadratmeter Fläche. Die Einrichtung der Mediathek soll einen Wohlfühlort schaffen. Im Erdgeschoss erwarten die Besucher eine kleine Sitzecke, eine Café-Theke sowie aktuelle Zeitschriften und Zeitungen.
Im ersten Obergeschoss stehen dann Bücher und viele Sitzgelegenheiten. Auch wird hier der Übergang zur Dachterrasse möglich sein. Das zweite Obergeschoss ist ähnlich aufgebaut. Allerdings kommen hier noch kleine Häuschen für Kinder zum Einsatz. Im Dachgeschoss ist ein weiterer Aufenthaltsbereich.
Insgesamt wirken die Visualisierungen offen und hell. Dadurch, dass auf großer Fläche nicht viele Bücher stehen, setzt das Konzept auf niedrige Regale. Alle Möbel und Regale sollen auf Rollen stehen. So können sie bei Bedarf schnell verrückt und die Mediathek bedarfsgerecht u100mgestaltet werden. Neben einem Bereich für Kinder sollen auch Möbel zum Einsatz kommen, die Senioren ein leichtes Hinsitzen und Aufstehen ermöglichen.
Personal und Öffnungszeiten Die Bibliotheksleitung ist mit einer halben Stelle ausgestattet. Über ein Scan-System sollen die Besucher Ausleihen und Rückgaben selbstständig tätigen. Das Personal wird nur wenige Stunden am Tag vor Ort sein. Die Öffnungszeiten der Mediathek sind deshalb aber nicht eingeschränkt. Über ein Zugangssystem bekommen Menschen mit einem Bibliotheksausweis nämlich trotzdem länger Zutritt. Viele Bibliotheken setzen auf dieses System, so Norbert Völker von EKZ. Probleme mit Vandalismus gebe es kaum. Normalerweise funktioniere die soziale Kontrolle. Wichtig sei, dass die Menschen das Haus als „ihre“ Mediathek wahrnähmen.
Reicht eine halbe Stelle?
Zielgruppe Völker schwebt ein „dritter Ort“ vor – also eine Art erweitertes Wohnzimmer. Vor allem Familien mit Kindern ständen als Zielgruppe im Fokus. Was sonst in der Mediathek so passiert? Da setzt Bürgermeister Stefan Feigl auf die Bürger. Die sollen ihre Kreativität einbringen. Die Verwaltung wolle hier nichts vorgeben. Die Menschen könnten die Räume buchen und ihre Ideen verwirklichen. Vereine könnten sich dort treffen, Vorlesegruppen entstehen.
Die Mediathek soll wie bisher die Bibliothek mit Grundschule und Kitas kooperieren, um die Kinder ans Lesen heranzuführen. „Die Innovationskraft soll aus der Bevölkerung kommen“, sagte Feigl.
Reicht halbe Stelle?
Das Konzept kam im Gemeinderat grundsätzlich gut an. Doch gerade die „Aktiv für Simmozheim“-Räte hatten Zweifel, ob eine halbe Stelle reicht. Lorenz Auwärter meinte, das sei zu wenig, um die ehrenamtlichen Aktivitäten in Mediathek und Bürgerzentrum zu koordinieren – und gegebenenfalls voranzutreiben. Man habe sehr viel Geld investiert. Jetzt am Personal zu sparen und so den Erfolg des Projekts zu riskieren, fand er falsch.
Astrid Winekler (UW) hatte da weniger Bedenken. Es gebe viele „kreative Köpfe“ im Ort. Außerdem erinnerte sie Auwärter an seine eigene Warnung aus den Haushaltsverhandlungen, nicht noch höhere laufende Kosten durch mehr Personal zu generieren. Winkeler schlug vor, zu schauen, ob das Konzept funktioniere. Falls nicht, könne der Gemeinderat immer noch nachsteuern – und das Personal aufstocken. Darauf einigte sich das Gremium schließlich.
Kosten Etwa 5,6 Millionen Euro hat die Gemeinde für das Gesamtprojekt – inklusive Bau – eingeplant. Für die Ausstattung entstehen einmalige Kosten von etwa 280 000 Euro. Für die Möbel kommen nochmals 140 000 Euro dazu. Dadurch erhöhen sich die Gesamtkosten um etwa 82 000 Euro. Die künftigen laufenden Kosten beziffert die Verwaltung auf knapp 62 000 Euro. Mehr als die Hälfte entfällt auf das Personal. Diese Ausgaben belasten künftig jährlich den Ergebnishaushalt.