Die stellvertretende Leiterin der Kanderner Bücherei, Sarah Schulte, und Bürgermeisterin Simone Penner in der sanierten Einrichtung mit zahlreichen Besuchern Foto: Gudrun Gehr

Die Kanderner Bücherei ist nach der Sanierung wieder geöffnet. Zudem gibt es ein neues Angebot: eine Saatgut-Ausleihe.

Ganz besonders freute sich Bürgermeisterin Simone Penner bei einer Info-Veranstaltung über das große Interesse an der Bibliothek und den Angeboten, die es nun neu zu entdecken gibt. Sie schmunzelte über den Besuch zahlreicher kleiner Leseratten: „Der Altersdurchschnitt ist hier deutlich gesunken. Was gibt es Spannenderes als lesen und lesen lernen?“ Die Bibliothek soll ein Treffpunkt für alle Menschen in Kandern samt Umgebung sein. Unter anderem zählt seit kurzem die „Bibliothek der Dinge“ zur Vielfalt der Angebote.

 

„Hier soll man miteinander ins Gespräch kommen und Neues entdecken“, erklärte Penner den rund 50 Gästen. Ideengeberin für den neuen Saatgut-Verleih war Ida Müller als Bibliothekarin, die sich derzeit in Elternzeit befindet. Der Dank der Bürgermeisterin galt auch Judita Kovac vom Bauamt, die sich für die Sanierung der Räume besonders eingesetzt hatte. Ein neuer Fußboden, Malerarbeiten, optimierte Elektrik samt angenehmer Beleuchtung, Schreinerarbeiten, neue Möblierung mit Sitzsäcken und bequemen Sesseln laden nun zum Schmökern ein.

Dank galt auch der stellvertretenden Leiterin der Bücherei, Sarah Schulte, und den vielen Ehrenamtlichen, die sich bei der Sanierung und Neumöblierung engagiert hatten. Auch das SAK aus Lörrach war im Einsatz beim Schleppen der schweren Regale. „Ich bin total stolz und froh, dass wir hier so tolle Räume haben, die wir mit Leben füllen können“, schwärmte Penner.

Schulte referierte über die neue Verleihmöglichkeit von Saatgut: Diese Idee finde zunehmend mehr Zuspruch. So war zu erfahren, dass der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) die Pflege eines „Kulturschatzes an vitalen und robusten Sorten unserer Kulturpflanzen“ bereits in mehr als 100 Städten umgesetzt hat.

Erbsen, Bohnen, Tomaten

Nunmehr gibt es auch in Kanderns Bücherei ein Regal, in dem die Kunden Samentütchen für Erbsen, Salat, Bohnen, Tomaten oder Gartenmelde ausleihen können. Ziel sei, einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt zu leisten. „Wir haben momentan die Saat von fünf Sorten Gemüse mit insgesamt 23 verschiedenen Unterarten vorrätig“, sagte Schulte.

Das in den Tütchen befindliche Saatgut kann ab sofort angepflanzt werden, und die getrockneten Samenstände sollen im zweiten Tütchen nach Monaten sorgfältig beschriftet wieder zurückgebracht werden. Schulte schmunzelte: „Wir können Ihnen allerdings keine Garantiezusagen oder Ausfallgebühren gewähren.“

Saatgut-Vielfalt ist schützenswert

Ein Doku-Trailer wurde zur Einführung der Ausleihe vorgeführt. Darin wurde dargestellt, wie gefährdet und schützenswert die Saatgut-Vielfalt, auch im globalisierten Bereich, sei.

Im Regal befinden sich künftig alte, wertvolle Sorten mit detaillierten Pflanzanweisungen wie die (spinatähnliche) „Gelbe Spargelmelde“, die Gartenbohnen „Anellino Giallo“ oder „Rutteler Pulbohne“ oder die Tomatensorte „Mexikanischer Honig“ und „Golden Currant“. Außerdem wurden Fachbücher zum Verleih bereitgestellt.

Fachbücher zu Saatgut

Rüdiger Stegemann vom BUND vertiefte in einem Kurzreferat das Thema und gab einige Literaturhinweise. Auch stellte er sich den Fragen der Gäste, beispielsweise zur Sortenreinheit des Saatguts. Die Reinheit könne man nicht garantieren, es könne jedoch jeder Einzelne viel dazu beitragen, dass sich die Saaten nicht vermischen. Andernfalls könne auch eine „evolutionäre Dynamik“ entstehen, die möglicherweise einem positiven Pflanzenaufwuchs innerhalb der Klimaerwärmung diene.

Einen unerwarteten Besuch erhielt die Info-Vorstellung in der Bibliothek: Auch die Landtagskandidatin der Grünen, Anna Deparnay-Grunenberg, war nach einer Werbeveranstaltung auf dem Blumenplatz zu einem Blitzbesuch gekommen und sprach einige Worte. „Diese alten Sorten wieder anzupflanzen, bedeutet, dass wir uns wieder mit unserem Boden und unserer Landschaft verwurzeln“, sagte sie. „Ich freue mich, hier Teil dieser kleinen Mini-Revolution geworden zu sein. Verbreiten Sie diesen Spirit von hier weiter“, lautete ihr Appell.