In Haltingen wird seit 22 Jahren eine öffentliche Bibliothek von Ehrenamtlichen am Leben gehalten. Martina Bautz ist seit dem ersten Öffnungstag dabei.
Immer montag- und freitagnachmittags öffnet die kleine Bibliothek an der Hans-Thoma-Grundschule in Haltingen ihre Pforten.
Dann stellt Martina Bautz den gelben Wimpel vor die Tür und nimmt gleich rechts am Eingang an einem Schreibtisch Platz.
Hier nimmt sie Bücher zurück, kassiert Mahngebühren und versieht Bücher, die neu von Nutzern mitgenommen werden, mit einem Datums-Stempel.
Ganz so wie früher. Einen Digitalisierungsprozess hat die von einem Förderverein betriebene Einrichtung nicht durchlaufen.
Doch die Nachfrage nach Lesestoff ist und bleibt groß. Besonders bei den jüngsten Lesern, so dass der Verein die Öffnungszeiten noch um den Mittwochvormittag erweitert hat – ausschließlich für die Grundschülern der Hans-Thoma-Schule.
Kinder sind die Mehrheit unter den Bibliotheksbesuchern
Auch am Nachmittag stellen Kinder das Gros der Bibliotheksbesucher. Geduldig stehen sie an. Eine Viertklässlerin legt einen ganzen Stapel Bücher auf den Rückgabetisch. Darunter befinden sich Sachbücher zu Wald und Tieren, ein Donald-Duck-Comic, aber auch Bilderbücher.
Diese seien sehr gefragt, bestätigt Bautz auf Nachfrage, ebenso wie „alte Reihen“, die immer wieder aufleben. Beispiele dafür sind „Das magische Baumhaus“, „Gregs Tagebuch“ oder „Mein Lotta Leben“.
Von „Gregs Tagebuch“ bis „Mein Lotta Leben“
Diese Serie habe sie auch sehr gern, bestätigt die lesebegeisterte Hanna. Beliebt seien auch Comics, führt Martina Bautz weiter aus. „Donald Duck ist wieder sehr gefragt.“ Und sie bricht eine ganz persönliche Lanze für diesen niemals endenden Trend der Bildergeschichten. Lesen sei stets wertvoll – egal in welcher Form, betont sie.
Um die 6000 Medien habe die Bücherei Haltingen im Angebot, berichtet die Bibliothekarin im Ehrenamt, die darüber hinaus als Betreuerin an der Grundschule berufstätig ist. 2003 wurde der Förderverein der Bücherei Haltingen ins Leben gerufen, als sich die Stadt Weil am Rhein vom Betrieb der Bibliothek zurückzog. Freiwillige Helfer übernahmen, unter ihnen Bautz, die sich erinnert, ihren ersten Dienst am ersten Öffnungstag absolviert zu haben. Seitdem ist sie mehr oder weniger regelmäßig dabei, allein den Freitag hat sie zehn Jahre lang betreut.
Bautz’ eigene Kinder, 29, 25 und 18 Jahre alt, sind auch mit Büchern groß geworden. Der Jüngste hat gerade Abitur gemacht. Nun gibt die engagierte Haltingerin ihre Leidenschaft fürs Lesen an andere weiter, einen kleinen, aber feinen Kreis von Unterstützern im Förderverein hinter sich wissend.
Von der Stadt gibt’s einen Zuschuss
Von der Stadt gibt es jedes Jahr einen kleinen Zuschuss für die Neuanschaffung von Büchern. Erst vor kurzem, im Juni, wurden neue Bücher angeschafft. Von „Bibi & Tina“ – Rettet den Igel“ über „Dragon Girls“ bis „Was ist was – Astronauten“ reicht die Palette bei den Kinderbüchern. Bei den Erwachsenen dominieren Thriller und Krimis.
Für einen Euro mitnehmen können Bibliotheksbesucher alles, was in einem großen Pappkarton neben dem Eingang liegt. Bautz erinnert sich an Bücherflohmärkte am Haltinger Einkaufstag, den es längst nicht mehr gibt, und bei Schulfesten.