Stefanie Pilat hat sich selbst auch schon am Gärtnern versucht. Foto:  

Die Stadtbibliothek Hechingen bietet ab sofort Samen statt Bücher zum ausleihen. Das Projekt soll die gentechnikfreie Sortenvielfalt und den Artenschutz zu fördern.

Samen ausleihen, einpflanzen, ernten und das gewonnene Saatgut zurückbringen – so funktioniert das Konzept der Saatgutbibliothek.

 

Bibliotheksleiterin Stefanie Pilat erklärt, dass dieses Konzept bereits in umliegenden Bibliotheken umgesetzt wurde. Inspiriert durch einen Bekannten und in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Klimamanager Jürgen Baumer entwickelte sie das Projekt als Teil des Klimaschutzkonzepts der Stadt Hechingen. Ziel ist es dabei, gentechnikfreie Sortenvielfalt und den Artenschutz zu fördern. Besonderer Wert wird darauf gelegt, lokale Sorten bereitzustellen.

Zum Ausleihen gibt es Tomaten, Bohnen, Erbsen, Salat und Gartenmelde

Das Prinzip ist einfach: Mit einem gültigen Bibliotheksausweis kann jeder Interessierte ein Saatgut-Tütchen ausleihen – ähnlich wie ein Buch. Ein Samenpaket besteht aus zwei Tütchen: Das erste enthält die Samen zum Einpflanzen, während das zweite nach der Ernte mit neuen Samen befüllt und bis Dezember zurückgebracht wird. Die Rückgabe erfolgt in die Samenbox in der Bücherei, so dass das Saatgut im kommenden Jahr wieder genutzt werden kann. Um nicht erbetene Kreuzungen zu vermeiden, wird empfohlen, nur eine Sorte auszuleihen.

Aktuell stehen fünf verschiedene Saatgutarten zur Auswahl: Tomaten, Bohnen, Erbsen, Salat und die weniger bekannte Gartenmelde. Jeder Saatguttüte liegt eine ausführliche Anleitung zur richtigen Pflege der Pflanzen bei. Wer sich weiter informieren möchte, findet in der Bücherei zusätzlich Fachliteratur und Flyer mit weiterführenden Tipps.

Kreuzungen sollen ausgeschlossen werden

Falls nicht genügend Samen zurückgebracht werden, sorgt Pilat für Nachschub über den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. „Wir achten darauf, dass das Saatgut samenfest ist, damit es nicht zu unerwünschten Kreuzungen kommt, die ungenießbar oder giftig sein könnten“, erklärt sie. Insgesamt stehen den Interessierten etwa 500 Saatgut-Tütchen zur Verfügung.

Das Projekt ist zunächst bis 2027 geplant, doch Pilat kann sich gut vorstellen, es darüber hinaus fortzuführen, sofern die Nachfrage weiterhin so groß bleibt wie im vergangenen Jahr.

Auch leere Tütchen sollen wieder in die Bücherei zurückgebracht werden

„Interessierte sollten sich frühzeitig überlegen, welche Sorten sie ausleihen möchten, da manche Pflanzen eine längere Vorlaufzeit benötigen“, rät sie. Auch wenn Schädlinge oder andere Umwelteinflüsse die Ernte beeinträchtigen können, bittet die Bücherei darum, die leeren Tütchen dennoch zurückzubringen, damit diese für das Folgejahr wieder befüllt werden können.

Mit der Saatgutbibliothek soll nicht nur die Sortenvielfalt erhalten, sondern auch die Freude am Gärtnern gefördert und das Wissen über nachhaltige Pflanzenzucht erweitert werden.