Dietlinde Elsässer erzählt aus ihrem Leben und las aus ihrem Buch „Mach nur so weiter“. Foto: Morlok

Zum Semesterauftakt hatte die VHS aus dem Kreis Freudenstadt zu einer Lesung die Schauspielerin, Theaterpädagogin und Komödiantin Dietlinde Elsässer ins Kloster eingeladen.

Die Künstlerin, die irgendwo auf der Alb (genaue Adresse verrät sie nicht) wohnt, polarisiert allein schon durch ihren Kleidungsstil. Oft kann man über so viel uneitle Geckenhaftigkeit nur schmunzeln. Für sie ist das normal. „Jeder Mensch hat sein eigenes Selbstverständnis. Meines ist anders als das von anderen“ sagte sie.

 

Am Samstag kam sie zur Vorstellung ihres Buchs „Mach nur so weiter“ in ihrem braungehaltenen Pläsier-Heiterkeitskleid mit Jagdmustern, das sie mit roten Strümpfen, knallig grüner Jacke, pinkem Überwurf, Stirnband und rotem Strickteil etwas aufpeppte. Ein Ensemble, das eine bekannte Horberin zu der Feststellung: „D‘ Fasnet isch doch schoh rom“ veranlasste.

Mark Vogt, der stellvertretende Leiter der Kreis-VHS freute sich nicht nur, dass er in einen proppenvollen Klostersaal blicken, sondern auch eine Komödiantin par excellence begrüßen durfte, die ihre Zuhörer auf eine mehr als nur interessante und sehr heitere erzählte Reise durch ihr Leben mitnahm.

Einführung durch Walle Sayer

Horbs Haus- und Hof-Lyriker Walle Sayer wollte eigentlich in das bunte Leben der Protagonisten einführen, musste jedoch schnell feststellen, dass das nicht ganz so einfach war. Als Sayer behauptete, sie sei Schriftstellerin, konterte der Stargast mit den Worten: „Ich bin Komödiantin, die das Wort nur in das Buch domestiziert hat.“ Sayers recht lyrische Einführung zerschellte immer wieder am Zwischentext der quirligen Dame, die ihr Publikum gleich von Anfang an mit der Feststellung: „Abenteuer beginnen dann, wenn Pläne aufhören“ abholte und trotz aller Unangepasstheit gestand, dass sie gerne eine Daheim-seinwollerin ist.

Sie, die in guten Zeiten oft im Kloster zu Gast war, reklamiert, dass das Engagement früherer Zeiten offensichtlich durch die Mauerritzen „nausgfloga isch“ und riet den Horbern, für die Rückeroberung ihrer Kultur auf die Straße zu gehen.

Sie erzählte von verhuzelten Äpfeln, von einer Pfarrbücherei, die sie leergelesen habe und von Liebe – nicht von Hormonen, die vergehen. Auch von den Erinnerungen an Vater, Mutter, die schon aus Prinzip ihre Einmaligkeit, ein Attribut, das ihre Tochter 1:1 übernahm, auslebte und vom ersten eigenen Zimmer. „Ein Traumland mit Wasserlachen und Treckerspuren“, nannte sie es in ihrem Buch.

Immer wenn sie was angestellt hatte – was oft vorkam – sagte ihre Mutter zu ihr: „Mach nur so weiter“. „Was eigentlich als Warnung gedacht war, das war für mich der Schucker, anders zu sein. Ein Unikum, ein Unikat“.

Mit 17 hat sie ihr verschrobenes, kleines schwäbisches Dorf, in dem alle Haustüren immer offen standen, mit all seinen liebenswerten und doch so skurrilen Menschen verlassen und ist neugierig in die weite Welt gestiefelt.

Während Walle Saier etwas zu Dietlinde Elsässers Lebensgeschichte erzählt, unterstützt sie ihn aktiv. Foto: Morlok

Die Geburtsstunde ihrer Berufung

Sie verließ damals den ersten Platz, an dem sie Möglichkeiten fand, Blödsinn zu machen, um damit den Menschen Freude zu schenken. Das war die Geburtsstunde ihrer späteren Berufung. Die Alternative wäre die Kirche gewesen. „Wenn der Pfarrer in seinem bunten Häs da vorne sein Weihrauch-Brimborium machte und auf die Leute einredete, das hätte mir auch gefallen“, gab sie zu, doch musste sie schnell feststellen, dass in der katholischen Kirche nur „Manna“ die Hauptrollen kriegen.

Das war nichts für sie. Sie, die den ewigen Wunsch hat, ein „Lausemädle“ zu sein, gründete lieber das Theater Lindenhof mit, trieb sich viele Jahre als eine aus dem „Dohlengässle“ auf den Bühnen des Schwabenlandes herum, war als Schauspielerin, aber auch als Sängerin aktiv und lebt ihr ach so eigenes, selbstbestimmtes Leben auf eine besonderen Art.

Und sie mischt sich ein. „Wählt bloß am Sonntag net die Falschen – au net aus Trotz“, ihr dringender Appell an ihre begeisterten Zuhörer, die jedes Wort, jeden Satz, ja fast jede Geste von Dietlinde Elsässer, die mit Worten Bilder malte, mit dankbarem Applaus belohnten.

Buch ist erhältlich Das Buch: „Mach nur so weiter“ (Als Dorfkind auf die Bretter, die die Welt bedeuten) ist unter ISBN: 978-3-910228-56-6 erhältlich.