Autor Hannes Finkbeiner bei seiner Lesung Foto: Monika Braun

Autor Hannes Finkbeiner besticht nicht nur in seinen Büchern durch seine lockere und humorvolle Art, auch bei der Premierenlesung seines aktuellen Buchs „Einer geht noch“ überzeugte er durch einen sympathisch offenen Auftritt.

Gut besetzt war der Musiksaal des Richard-von-Weizsäcker-Gymnasiums bei der Premierenlesung. Die Zuhörer erlebten dabei einen gut gelaunten Autor, der aus der Lesung einen kurzweiligen und informativen Abend machte. Schon der Titel seines Romans erinnert doch eher an einen lockeren Trinkspruch und steht damit im krassen Gegensatz zum eigentlich ernsten Inhalt.

 

Steffi Andres, Filialleiterin der Osiander-Buchhandlung in Baiersbronn, hatte die Lesung organisiert und begrüßte die Gäste. „Ich freue mich riesig, nach Corona wieder die erste Lesung in Baiersbronn zu haben“, sagte sie. Die Bewirtung hatten die Schüler des Deutsch-Leistungskurses der Oberstufe übernommen und ein einladendes Büfett vorbereitet.

„Alkohol hebt die Stimmung“, ließ die Hauptperson des Abends von der Bühne aus verlauten. Finkbeiner hatte eine Art Schnabelflasche mitgebracht, die er mit Wein füllte und durch die Reihen gehen ließ. Nicht jeder traute sich, einen Schluck aus der mit spanischem Weißwein gefüllten Karaffe zu nehmen, doch Finkbeiner hatte so gleich das Eis gebrochen. „Alkohol ist sachbezogen. In meinen Romanen wird immer viel gesoffen“, so der Autor.

Doch dann ging es erstmal ernst weiter: Opa Fidus, die Hauptfigur in Finkbeiners neuestem Roman, behauptet, bereits drei Mal gestorben zu sein und erklärt, dass der Tod überbewertet wird. Schon ist Finkbeiner mittendrin in seiner Lesung, beginnt von vorne, schwenkt dann über in das bewegte Leben von Opa Fidus, erzählt von den Anfängen einer großen Liebe, vom Zweiten Weltkrieg und endet im Barcelona der 50er-Jahre.

Einfühlsame Schilderung

Der in Schönmünzach geborene Autor hat seine Charaktere gut gewählt, einfühlsam schildert er die Facetten des Lebens und gibt auch Einblick in die familiären Probleme der Protagonisten. Humorvoll werden die Szenen verbunden, sodass der Leser das Gefühl hat, Teil der Familie zu sein.

„Ich will ganz kurz sagen, wie die Geschichte entstand“, so Finkbeiner. Bei einem Grillfest im Oberdorf in Baiersbronn habe ein Freund gesagt, sein Opa sei schon dreimal gestorben, das sei alles halb so wild. „So ist die Idee entstanden“, erklärte Finkbeiner – und schon war die nächste Szene in seiner Lesung an der Reihe.

Gekonnt moderierte er von einer Textpassage zur nächsten. Seine kurzen Leseproben unterbrach er mit lockerem Smalltalk und plauderte mit augenzwinkerndem Humor darüber, wie so ein Buch entsteht und was es alles für Probleme dabei gibt.

Aufwendige Nacharbeit

„Wer denkt, man schreibt mal ein Buch und gibt es dann ab, hat sich getäuscht. Die Nacharbeit ist erst so richtig aufwendig“, stellte der Buchautor und Journalist fest. Nicht nur das Layout, auch der Einbandtext und nicht zuletzt die Erzählperspektive seien Dinge, die es zu lösen gelte. Dass es in dem Roman eigentlich um das ernste Thema Tod geht, ist schnell vergessen angesichts der spannenden Schilderungen lustiger Alltagsszenen, kauziger Charaktereigenschaften und familiärer Konflikte der Akteure.

„Konflikte sind das Netz, aus dem alle Geschichten gestrickt sind“, so Finkbeiner, der es schaffte, in seiner Lesung nicht zu viel über den Inhalt seines Buchs zu verraten. Und er baute genug Spannung auf, um die Zuhörer an den gut gefüllten Büchertisch zu bekommen, um dann seines handsignierten Bücher zu verkaufen.

Das Buch: Hannes Finkbeiner, Einer geht noch (Fischer Verlag), ISBN: 978-3-949465-17-8, gebunden, 24 Euro