Der Morlokhof in Baiersbronn-Mitteltal unter der Regie des Hauses Bareiss ist ein Ort der Begegnung. Foto: Jochen Krumpe

Der Reisebericht „Schwarzwaldhöfe“ ist ein Beispiel für das Leben und Wohnen im Wandel der Zeit. Das Buch erzählt Geschichten von 18 Häusern – darunter vier im Kreis Freudenstadt.

Es ist ein in mehrfacher Hinsicht gewichtiges Werk: Fast 1000 Gramm bringt es auf die Waage, bietet ein größeres Format, ist ausgestattet mit einer Vielzahl stimmungsvoller Fotos und geschliffener Texte. Profis auf ihrem Gebiet haben es an die Öffentlichkeit gebracht – die Tübinger Journalistin Bärbel Schlegel und der Fotograf Jochen Krumpe aus Stuttgart.

 

18 Höfe vom Süd- bis in den Nordschwarzwald, von Murg-Niederhof bis Ebershardt, legen Zeugnis ab von Menschen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Denkmale und Baukultur nicht nur zu erhalten, sondern auch weiterzuentwickeln. Wo die beiden Besucher anklopften, öffneten sich Türen und Tore. Die Gastgeber geizten weder mit Bereitwilligkeit zu Auskünften noch mit Informationen über ihre Großprojekte. Herzblut war allenthalben der Tribut für das Gelingen, aber auch Mut zu Veränderungen und Finanzierungskonzepten, die gewiss hier und da mitunter für Kopfschmerzen sorgten.

Bärbel Schlegel und Jochen Krumpe ließen sich von Fragen leiten wie nach dem Zusammenleben von Mensch und Tier unter einem Dach oder wie sich Höfe über die Jahrhunderte hinweg veränderten. Das Duo sammelte auf seiner Tour nach eigenem Verständnis „architektonische Perlen und kulturhistorische Schätze“ und ließ sich mit „innovativen Konzepten“ vertraut machen.

Umfangreiche Hofgeschichten breitet Bärbel Schlegel in dem Kompendium aus. Sie belegen eindrucksvoll, wie tiefgründig die Autorin vorgegangen ist. Vier Höfe aus dem Kreis Freudenstadt sind vertreten: Der Bachbauernhof in Alpirsbach-Ehlenbogen, der Birkhof in 24-Höfe, der Morlokhof in Baiersbronn-Mitteltal und der Seidtenhof in Reichenbacher Höfe (Klosterreichenbach).

Umfangreiche Hofgeschichten

Das erste Interview zum Thema Schwarzwaldhöfe führte Schlegel mit dem Zimmermann und Restaurator Stefan Seidt. Das Anwesen besteht seit 1555 und zählt zu den ältesten erhaltenen Höfen der Region. Auch der Seidtenhof, so erfuhren die Besucher, ging auf ein Klosterlehen der Benediktiner aus Reichenbach zurück. Die aktuellen Eigentümer Cornelia und Mario Zimmermann bewirtschaften in der siebten Generation den Hof, der auf drei Säulen beruht: Gastronomie, Tierhaltung und Direktvermarktung.

Der Seidtenhof in Reichenbacher Höfe ist ein Biobetrieb, der auch die Zukunft im Blick hat. Foto: Jochen Krumpe

Der Morlokhof oberhalb des Weißenbachtals gilt als einer der ältesten und am besten erhaltenen Höfe der Region. Johann Georg Morlok ließ im geschichtsträchtigen Jahr 1789 dieses Anwesen bauen. Drei Generationen von Wunderheilern hätten, so Schlegel, den Hof bewohnt.

Die Geschichte des Morlokhofs wollte Hotelier Hermann Bareiss bewahren; im Jahr 2003 erwarb er die geschichtsträchtige Lokalität. Seine Absicht war es, Tradition, Historie und Gastronomie zu vereinen. So ging es zusammen mit der Architektin Sabine Rothfuß aus Mitteltal ans Renovieren. Heute gilt der preisgekrönte Hof als ein „Meisterstück“ des Denkmalschutzes, auf den Hermann, Hannes und Britta Bareiss stolz sind.

Ein „Projekt für den Unruhestand“

In den Klosterbüchern von Alpirsbach findet sich schon 1337 ein erster Vermerk zum Birkhof in 24-Höfe. Aus dem „jammervollen Anblick“, der sich Regina und Michael Mühlbayer noch Ende 2012 bot, machte die Familie nach dem Erwerb des Hofs mit viel Aufwand ein besonderes Schmuckstück. Es war ihr „Projekt für den Unruhestand“. Die Mühlbayers freuten sich, so heißt es, „jeden Tag über ihr Werk, das mit Mitteln der Denkmalpflege unterstützt wurde“.

Den Bachbauernhof in Alpirsbach-Ehlenbogen bewohnt die Familie Beilharz in der neunten Generation. Karin Beilharz ist die erste Frau, an die der Hof in seiner langen Geschichte weitergegeben wurde. Die Historie ihrer Familie geht auf das Jahr 1742 zurück.

Die Idee des Mehrgenerationenhauses wird auf dem Bachbauernhof in Alpirsbach-Ehlenbogen weiterhin gelebt. Foto: Jochen Krumpe

Vor dem Kauf durch Andreas Beilharz war er ein Lehen des Klosters Alpirsbach. Karin Beilharz entschied sich dafür, „das Alte zu bewahren und gleichzeitig Neues zu erschaffen“. Das zeigt sich auch in ihrem ausgeklügelten Praxis- und Seminarhaus aus eigener Weißtanne.

Das Buch

Bärbel Schlegel und Jochen Krumpe: Schwarzwaldhöfe – Bebilderter Reisebericht. 8 grad Verlag Freiburg 2026. Gebunden mit Lesebändchen. 240 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen. 35 Euro.

Die Buchpremiere

Die Buchpremiere
Bei der Buchpremiere am Mittwoch, 15. April, stellen Schlegel und Krumpe ihren bebilderten Erzählband im Morlokhof des Hotels Bareiss in Mitteltal vor. Beginn ist um 18.30 Uhr. Das Hotel Bareiss stellt ab 18 Uhr einen Shuttle ab der Weißenbachhalle in Mitteltal zum Morlokhof bereit. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf in der Osiander-Buchhandlung in Baiersbronn, unter osiander.reservix.de/events sowie an der Abendkasse. Der Eintritt inklusive Shuttleservice und Sektempfang kostet neun Euro.