Zwei bewegende Romane zeigen, wie junge Protagonisten nach dem Tod von Familienmitgliedern wieder ins Leben finden. Tiere spielen dabei keine unwichtige Rolle.
Wenn die Tage kürzer und kälter werden, kann das auf die Stimmung drücken. Mutmachbücher sind da gefragt. In den beiden hier ausgewählten müssen zwei Jungs mit dem Tod von Familienmitgliedern klarkommen. Mitzuerleben, wie sie wieder Zuversicht gewinnen, kann die Angst vor intensiven Gefühlen und schwierigen Situationen lindern. In beiden Romanen gibt es tierische Helden, die Trost spenden, ohne wie Menschen mit Fragen zu nerven. Und beide Autorinnen lassen ihre jungen Protagonisten so einfühlsam und humorvoll erzählen, dass selbst in schwerwiegenden Momenten ein Happy End möglich scheint.
Das Sterben kann als langwieriger Prozess wie ein schweres Tuch auf eine Familie herabsinken. Die niederländische Autorin Jowi Schmitz erzählt in „Ein Huhn kommt selten allein“ für Kinder ab zehn Jahren davon, wie sich Romeo infolge der Krebserkrankung seines Vaters immer mehr zurückzieht. Dann jedoch schlüpft erst das Federvieh Tock, später das neue Nachbarsmädchen Jessi zu ihm; und scheinbar Unmögliches rückt mit Hilfe der neuen Freundin in greifbare Nähe.
In das Leben von Felix tritt der Tod dagegen wie ein Schock. Der Siebzehnjährige verliert durch einen Autounfall beide Eltern und seine Schwester. „Und mir bleibt der hässliche Hund“ heißt der Jugendroman von Franziska Hörner; der Mischling Bolt, der im Kofferraum überlebte, wird nicht nur zum ständigen Begleiter, der sogar auf dem Skateboard mitfährt. Der hässliche Hund ist auch Spiegelbild von Felix Zustand. Beide leiden still, verweigern Nahrung und jedes Anzeichen von Lebensfreude. „Eigentlich tat er überhaupt gar nichts mehr. Genau wie ich“, schreibt Felix über Bolt.
Eine Konfrontationstherapie geht schief
Bei Felix kommen heftige Panikattacken dazu. Schmerz annehmen, Angst akzeptieren lautet der Rat der Therapeutin. Doch erst die Bekanntschaft mit Mo, einem anderen Angstpatienten, öffnet eine Tür. Die beiden machen Jungsdinge wie Zocken; doch als sie die schöne Marie kennenlernen, kommt eine neue Dynamik in ihre Freundschaft. Zu dritt basteln sie eine Art Konfrontationstherapie, bei der sich die Jungs ihren Ängsten stellen. Beim Abarbeiten der Liste werden Felix und Marie zum Paar, aber es kommt auch fast zu einer Katastrophe.
Romeo lernt von Jessi, wie Selbstvertrauen Berge versetzen kann – oder im konkreten Fall eine Wüste auf ein Dach zaubert. Mit der neuen Freundin, die mit zwei Jahren die Mutter verlor, kann er über die Zumutungen von Tod und Trauer sprechen und traut sich endlich wieder was. „Zentrum für Wachstum und Veränderung“ heißt bezeichnenderweise das Institut, mit dem Jessis Vater einen Neufang wagte. Romeo wächst mit Jessis Hilfe über sich hinaus und will dem Vater einen letzten Wunsch erfüllen, einen Besuch in der Mojave-Wüste.
Zwischen Schmerz und Stärke
Aber wie kommt ein Sterbenskranker da hin, den schon ein Ausflug in die Maas-Ebene überfordert hat? Emotional dicht gestrickt gelingt Jowi Schmitz ein berührendes Finale, in der die Zukunft in Form von drei Küken Gestalt annimmt. „Manchmal ist egal, ob etwas geht oder nicht. Man muss es einfach versuchen“, sagt Jessis Opa. Und so können junge Leser mit Felix und Romeo auch das lernen: Es tut gut, Tränen in Fell und Federn zu weinen. Doch Hoffnung und neue Perspektiven gewinnen beide erst, indem sie ihr Schweigen brechen und ihren Schmerz mit Freunden teilen.
Buch
Jowi Schmitz: Ein Huhn kommt selten allein. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Carlsen-Verlag. 208 Seiten. 14 Euro. Ab 10 Jahren. Franziska Hörner: Und mir bleibt der hässliche Hund. Thienemann-Verlag. 256 Seiten. 14 Euro. Ab 13 Jahren