Der Bürgerball erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit. Foto: Archiv der Narrenzunft

Bürgerball hatte zahlreiche Vorläufer. Noch heute ein generationenübergreifendes Highlight. 

Was im 19. Jahrhundert begann, lebt heute weiter: der Bürgerball. Zwar fand er das erste Mal 1910 statt, jedoch gab es schon lange vorher Vorläufer. Davon berichten Zunftarchivar Günter Danner und Günther Wolfs Buch "Der Tag der ist so freudenreich".

 

Oberndorf - Maskenbälle, Redouten, Scherzabende, Kappensitzungen und Tanz kamen verstärkt auf, als das Königreich Württemberg Anfang der 1800er-Jahre versuchte, die Fasnet "auszurotten". Die Straßenfasnet wurde in die Wirtschaften verlegt, Belustigungen fanden vor allem von Sonntag bis Dienstag statt.

Im 18. Jahrhundert, in dem es zahlreiche Hungersnöte gab, war der Fasnetssamstag noch als "Betteltag" bezeichnet worden, wie in Günther Wolfs Werk zu lesen ist. Damals spendeten der Stadtrat und wohlhabende Bürger an Leute, die in abgetragenen, schmutzigen "Schandle" umherzogen und als "Bettelnarren" auf der Suche nach Eiern, Speck und Brot waren.

"Schandle" galt als anrüchig

Die Kriege von 1864 bis 1866 sowie der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 dämpften nun im 19. Jahrhundert die Fasnetsfreude. 1873 fand erstmals wieder ein Ball statt.

Bis es eine Narrenzunft gab, wurde bei Einladungen zu Bällen laut Günther Wolfs Recherchen immer wieder darauf hingewiesen, dass "weder Narro mit Rollen noch Hansel noch die ekelhaften Schandle" Zutritt haben. Den Schantle schrieb man damals noch mit "d" in Anlehnung an "schandlich tun". Er galt als derb und anrüchig.

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Nachdem sich 1881 ein Narrenkomitee gegründet hatte, fand am 16. Februar 1908 der "Allgemeine Maskenball" als Vorläufer des Bürgerballs im damals neu eröffneten "Schützen"-Saal statt.

Älter ist der Turnerball. Dieser fand bereits 1887 statt. Bis heute halten können habe sich aber nur der Bürgerball, der seit 1910 jährlich stattfindet, sagt Günter Danner.

1927 ging es wieder richtig los

Von Anfang an Teil dessen sei die Maskenprämierung für die beste Verkleidung gewesen. Das gilt auch für das "Lebende Bild", bestehend aus etlichen Hansel, Narros, Schantle und dem Polizeischantle, die die Bühne füllen. Dabei stehen alle Narrentypen still auf der Bühne, wenn sich auf Kommando des Narrenpräsidenten zum ersten Mal an diesem Abend der Vorhang öffnet. Zu den Klängen des Narrenmarsches beginnt das Bild sich zu bewegen und die Narren verteilen sich, ihr "Material" auswerfend, in der gesamten Neckarhalle.

Stadtklatsch war von Anfang an einer der wichtigsten Punkte im Programm. 1926 fiel der Bürgerball aus, wurde aber durch diverse Hausbälle in den städtischen Wirtschaften ersetzt. 1927 ging es dann wieder richtig los. Im Jahr darauf feierte man 20 Jahre Narrenzunft mit dem neu kreierten Narrenmarsch.

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Ende der 1940er-Jahre wurde der Bürgerball laut Günther Wolf zeitgleich in zwei Sälen abgehalten: im "Schützen" und im "Bären". Der Elferrat, das "Lebende Bild" und die anderen Akteure mussten somit zweimal auftreten und trotz eisiger Temperaturen den Veranstaltungsort mehrmals wechseln. Und auch die Kostümierten zeigten sich zweimal.

Schon damals mehr als 400 Mitglieder

Damals hatte die Zunft bereits mehr als 400 Mitglieder, die nach Anfangsbuchstaben sortiert den Sälen zugeteilt wurden. 1949 fand ein Ball am Fasnetsfreitag und einer am Fasnetssamstag statt.

Seit 1986 strömen die Oberndorfer in die Neckarhalle. 1500 Gäste konnte die Zunft zum ersten Bürgerball an dieser neuen Lokalität begrüßen.10.000 Mark kosteten die Narrenzunft damals Dekoration und Ausstattung, so schreibt Günther Wolf. Heute beginnt der Bürgerball immer am Fasnetssamstag um 19.11 Uhr mit dem Einmarsch des Elferrats, angeführt von der Stadtkapelle und dem Zeremonienmeister.

Nach dem "Lebenden Bild" wechseln sich Tanzrunden und Vorführungen von Gruppen, Paaren und Einzelmasken ab, die bewertet und prämiert werden. Bis heute könne man stets 800 bis 1000 Zuschauer in der Neckarhalle begrüßen, berichtet Zunftarchivar Günter Danner. Der Bürgerball sei ein generationenübergreifendes Highlight der Fasnet.  An den Fasnets-Hochtagen werfen wir einen Blick zurück auf die Anfänge der Oberndorfer Fasnet.