Kriegsheimkehrer, alte Nazis, Hausierer, in Kneipen hockende Dorfbewohner, 50er Jahre – Walter Bosch aus Jungingen hat daraus einen Heimat-Krimi geschrieben, der ein schillerndes Lokalkolorit bietet.
Das passt ja: Walter Bosch ist im Killertal geboren und hat einen Krimi geschrieben, der von einem Killer handelt. „Der Fall Morgenstern“ ist sein erster Krimi. Das Buch, das er im Eigenverlag veröffentlicht hat, lässt sich über den Buchhandel kaufen. „Das hat Spaß gemacht und etwa ein Jahr gebraucht“, sagt der pensionierte Realschullehrer.
Neben dem eigentlichen Kriminalfall ist das Buch vor allem eine spannende Schilderung der 50er-Jahre in Jungingen, die er als kleiner Junge hautnah miterlebt hat. „Ich saß am Bänkle dabei, wenn Kriegsheimkehrer von ihren Erlebnissen erzählt haben. Auch die Atmosphäre in den Kneipen habe ich mitgekriegt“, berichtet er. Und das Nazi-Thema sei auch präsent gewesen.
„Mit erschlagenem Hausierer fängt der Kriminalfall an“
Auch Hechingen, Horb, Haigerloch und die Zollerburg spielen in dem Buch eine Rolle. Dort ist es der 26. September 1957, als ein Hausierer in einem Waldstück bei Altdorf erschlagen aufgefunden wird. Dass mit Altdorf eigentlich Jungingen gemeint ist, wird schnell aus den Details klar. Naheliegend, dass dann eine angebliche von der Zollerburg geklaute mittelalterliche Waffe – ein so genannter Morgenstern – als Tatwerkzeug in den Blick gerät.
Verdacht fällt bald auf alte Nazis im Ort
Es folgen weitere rätselhafte Angriffe auf Bewohner mit unterschiedlichsten Werkzeugen. Abgesehen hat es der Täter stets auf Angehörige von Bevölkerungsgruppen, die in der Nazi-Zeit verfolgten wurden. Die Kriminalpolizei vermutet bald alte Nazis als Täter. Aber davon gibt es einige. Ein durchaus spannendes Indizien-Puzzle nimmt langsam Formen an. Erzählt wird das alles in kurzen Kapiteln. Es sind oft Szenen in Wirtschaften, wo überwiegend Männer nach der Arbeit zusammensitzen. Es geht um Kriegserlebnisse und Gefangenschaft, wobei die traumatischen Details nur angedeutet werden, wie man zur Nazi-Diktatur steht und stand, aber auch um private Neckereien. Und immer rauchen alle wie die Schlote, wobei die Marken noch Reval und Overstolz heißen und auch mal ein Stumpen die Kneipe vernebelt.
In den 50er Jahren gab es noch kaum Fernseh-Geräte in den Wohnungen
Eine gesellige Zeit, die verschwunden sei, als das Fernsehen in die Privathaushalte Einzug gehalten habe, so der Autor. Zudem eine Zeit, die noch stark von Mangel und Armut geprägt war. Und eine Zeit, in der auch frühere SS-Verbrecher wieder Chancen auf gute Stellung in der Gesellschaft hatten. Aber auch eine zarte Liebesgeschichte bahnt sich an. Auch Herz muss sein. Einmal abgesehen vom Wohnort im Killertal, warum schreibt man einen Krimi? Bei einem Krimi habe man eine gewisse Erzählstruktur, meint Walter Bosch. Und für ihn sei es faszinierend gewesen, einfach nur aus Fantasie und aus Worten eine kleine Welt entstehen zu lassen. Eine, die er kannte, denn es sind die Erlebnisse seiner Kindheit in Jungingen, die Atmosphäre einer Zeit, die im engen Sinne noch nicht modern war und noch sehr ländlich. Ein Heimatbuch sei das aber nicht, „weil ich hab da nicht jeden Pfosten beschrieben, der da rumstand“. Allzu blutrünstig gehe es auch nicht zu, beruhigt er. „Eigentlich passiert nur ein Mord, die anderen überleben“, verrät er schon etwas von der Handlung.
Beim Schreiben entsteht aus Buchstaben eine eigene Welt
Wird es eine Fortsetzung geben? Walter Bosch glaubt das eher nicht. Es sei spannend gewesen, das Manuskript an viele Verlage zu schicken, auch wenn es nur Absagen gab. Manche antworteten nett, andere gar nicht.
Aber heute gibt es so genannte Eigenverlage wie „Books on Demand“, wo Bücher innerhalb kürzester Zeit erst gedruckt werden, wenn sie bestellt werden. Für zehn Euro kann das Buch gekauft werden. „Da verdiene ich natürlich nix“, sagt Walter Bosch, „aber darum ging es mir auch gar nicht“. Ihn freue es einfach, wenn er ein paar Leser mit einer schönen Geschichte eine Zeit lang unterhalten dürfe.