Mit diesem Kader ging der BSV in die Zweitliga-Saison 1976/77: Stehend von links: Trainer Becker, Michelberger, Haller, Wöhrlin, Wolfer, Rothe, Bartel, Roßband, Kothmann. Mittlere Reihe von links: Cyrjanin, Neumann, Seiffert, Mutibaric, Germann, Novkovic, Dambietz, Lex, Franke. Vordere Reihe von links: Schwarzwälder, Seidel, Hauser, Nauert, Mihaijlovic und Schaumann. Foto: Michael Eich

Sportlich wie vor allem finanziell war das eine Zweitliga-Jahr für den BSV eine einzige Pleite. Den Verantwortlichen passierte ein Fehler nach dem anderen. Der Verein litt noch jahrelang an den Folgen eines unglaublichen Fiaskos.

Als der BSV Schwenningen 1976 über die Aufstiegsrunde den Sprung in die 2.Bundesliga schaffte, war dies zwei Jahre nach der Fusion von VfR und SC Schwenningen ein Riesenerfolg für den neugegründeten Verein.

 

Zunächst erfüllte die Führungscrew um den Vorsitzenden Klaus Rösch, ein smarter und redegewandter FDP-Politiker, die Lizenzauflagen des DFB fast schon mustergültig, Auf dem Spielermarkt schlug man üppig zu. Franz Michelberger kam vom FC Bayern München und aus dessen Nachwuchsabteilung Mischa Mihailovic. Dieser brachte gleich seinen Vater mit, der fortan beim BSV als Berater agierte und dafür fette Prämien einstrich.

Dragan Mutibaric und Wolfgang Lex

Vom FC Schalke 04 wurde ein gewisser Dragan Mutibaric geholt, immerhin 18-facher jugoslawischer Nationaltorwart. Auch er erwies als ein großer Flop. Hinzu kamen höherklassig erfahrene Akteure wie Wolfgang Lex (Hannover 96), Herbert Seiffert (Union Royal Brüssel) und Wolfgang Roßband (FV Würzburg). Doch der scheinbar ganz große Coup gelang mit der Verpflichtung des 33-fachen deutschen Nationalspielers Helmut Haller vom FC Augsburg. Der damals 37-Jährige brach sich jedoch in einem Vorbereitungsspiel in Tuttlingen das Wadenbein und fiel lange aus.

Großes Trainer-Theater

Kurz vor dem Saisonstart folgte der nächste Paukenschlag: Aufstiegstrainer Jupp Becker musste den Platz auf der Bank räumen, da er lediglich den B-Schein besaß. Kurzerhand wurde mit dem 51-jährigen Michel Pfeiffer, der anderthalb Jahre ohne Job gewesen war und davor Alemannia Aachen trainiert hatte, drei Tage vor dem Punktspielstart ein neuer Mann geholt. Nach einem respektablen 1:1 beim Zweitliga-Debüt bei der SpVgg Bayreuth stimmten fortan zwar lange Zeit in Schwenningen die Zuschauerzahlen, allerdings die Ergebnisse nicht.

Aber zumindest ein Mal sorgte der BSV für eine faustdicke Überraschung, als gegen den Titelfavoriten VfB Stuttgart am siebten Spieltag zuhause vor 13 000 Zuschauern eine sensationelle 3:0-Führung gelang und am Ende ein 3:3 heraussprang. Ansonsten herrschte beim Kellerkind permanente Krisenstimmung.

Nachverpflichtungen sind ein Witz

Die hektisch und teuer nachverpflichteten Hermann Lindner (RW Essen) und vor allem der übergewichtige Stürmer Peter Drenks (Real Valladolid/Spanien) erwiesen sich als Fehlgriffe. Im November 1976 kehrte Jupp Becker , der inzwischen die A-Lizenz gemacht hatte, als „technischer Berater“ zurück. Pfeiffer blieb auch, so dass zwei Trainer bezahlt werden mussten. Ungeachtet leerer Kassen verpflichtete der BSV den von Bayern München an den 1. FC Saarbrücken ausgeliehenen Jürgen Marek. Den früheren Torjäger des FC Villingen bezahlte zu großen Teilen ein Schwenninger Unternehmer aus der Privatschatulle.

Finanzielles Chaos nimmt seinen Lauf

Doch zunehmend kam zum sportlichen Misserfolg das finanzielle Desaster beim Aufsteiger immer mehr ans Tageslicht. Ungedeckte Schecks für Ablösesummen und Spielergehälter, die nicht mehr gezahlt werden konnten, sorgten auch öfters für Schlagzeilen in der Bildzeitung.

Immer mehr Darsteller verließen in Schwenningen das sinkende Schiff. Das Chaos rund um den BSV wuchs. Inzwischen pfändete das Finanzamt bei Heimspielen regelmäßig die Zuschauereinnahmen in Höhe von 15 000 bis 20 000 DM.

Zu Auswärtsspielen reiste das Rumpfteam – eingezwängt in Privatautos –an. Denn Busunternehmer wollten inzwischen Vorkasse. Bei Bayern Hof gab es für den Minikader ein 1:10-Debakel. Am Ende stieg der BSV als Schlusslicht sang-und klanglos wieder aus der 2. Bundesliga ab.

Über eine Million Mark an Schulden

Innerhalb einer Saison hatte der Aufsteiger ein Minus von über 1 Million DM angehäuft. Nur durch geschickte Verhandlungen wurde die Schuldenlast über Vergleiche gedrückt. Übrig blieben 400 000 Mark an Verbindlichkeiten, unter anderem 188 000 Mark an Steuerschulden und Krankenversicherungsbeiträgen, die der Verein ratenweise über Jahre hinweg dann abstotterte. Der Stadt kostete das einjährige Zweitliga-Gastspiel des BSV auch aufgrund von Bürgschaften 300  000 Mark. Nur weil einige mutige Vereinsmitglieder das Ruder übernahmen, überlebte der BSV letztendlich, musste in den Folgejahren jedoch kleine Brötchen backen.