Vor acht Monaten wagte Bryan Agu den Schritt vom SC Lahr zum Karlsruher SC. Nun hat sogar der deutsche Rekordmeister großes Interesse an dem jungen Fußballer.
Es war ein glücklicher Tag im Leben von Bryan Agu, als der FC Bayern Kontakt mit ihm aufnahm. „Ich kam abends nach Hause und meine Mutter sagte: ‚Guck mal, da liegt etwas für dich auf dem Tisch‘.“ Es war ein Zettel, darauf eine Kontaktnummer vom FC Bayern München: Der Verein hat ihm die Aufnahme in seine Talent-Schmiede für Nachwuchsspieler angeboten.
„Ich habe mich wahnsinnig gefreut“, sagt Bryan im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Angebot hielt er erst für einen Scherz. Schnell ging es jedoch mit seinem Cousin, der auch als eine Art Manager für ihn fungiert, nach München, um sich alles anzuschauen – beide waren begeistert.
Dabei hat Bryans Fußballkarriere bereits vor knapp acht Monaten eine erste, rasante Wendung genommen. Im Sommer 2025 ist er vom SC Lahr in das Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC gewechselt, um dort bei den U14-Junioren zu spielen. Seither nimmt das Training noch mehr Raum in seinem Alltag ein. Bryan besucht derzeit die achte Klasse einer Realschule in Lahr. Nach dem Unterricht geht es zum Training nach Karlsruhe, abends mit dem Bus wieder zurück. Zu Hause sei er eigentlich nie vor 20 Uhr, erzählt er.
Der 13-Jährige steht vor der Frage, ob er nach München umziehen soll
Auf die Freude, dass nach dem KSC nun auch der Rekordmeister Interesse an ihm zeigt, folgten bald Zweifel. Denn damit wäre natürlich auch ein Umzug nach München verbunden. Dabei sei er ein Familienmensch, sagt Bryan. Der Umzug sei für ihn eigentlich nur vorstellbar, wenn seine nächsten Angehörigen mitkämen. Sein Vater sei jedoch beruflich in Lahr gebunden. Nur seine Mutter könnte ihn in die Bayern-Metropole begleiten – für den jungen Sportler eine Zwickmühle.
Sein Privatleben leide bereits jetzt unter dem Pendeln nach Karlsruhe. Denn auch seine Freunde in seiner Heimat seien ihm sehr wichtig, betont er. Aktuell hat er nur am Mittwoch einen trainingsfreien Nachmittag. Mehr Zeit habe er nicht, um mit seinen Kumpeln zusammen zu sein. Dennoch erfährt er viel Unterstützung für seinen Traum, betont Bryan. In seinem Freundeskreis heiße es immer wieder: „Wenn einer Profi wird, dann du.“
Dabei ist das Angebot der Bayern nicht der einzige große Erfolg in seinem jungen Leben. Denn neben dem deutschen Rekordmeister hat auch Sportartikelhersteller Adidas ein Auge auf ihn geworfen. „Nach einem Spiel des KSC hat mich ein Manager angesprochen und gefragt, was ich für Schuhe trage. Adidas, meinte ich, dachte mir aber nichts weiter dabei“, erzählt Bryan. Zwei Wochen später bekam er einen Anruf von seinem Cousin: Adidas habe nach einem Treffen mit ihm gefragt. Kurz danach bekam er Fußballschuhe zugeschickt. Bryan besuchte den Adidas-Stammsitz in Herzogenaurach und hat nun einen Vertrag mit dem Weltunternehmen.
Dynamik, Spielübersicht, Torabschluss – der junge Lahrer hat viele Stärken
Darüber, wie der FCB auf ihn aufmerksam geworden ist, rätselt der 13-Jährige übrigens bis heute. „Ich bin eigentlich nie von Talentcoaches angesprochen worden, vielleicht hat bei einem Stützpunkttraining jemandem mein Spiel gefallen.“ In der Szene spricht es sich indes schnell herum, wenn ein junger Spieler über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt.
Warum so viel Aufhebens um den jungen Fußballer aus Lahr? Weil Bryan ein riesiges Talent ist. Schon nach kurzer Zeit zeigte er in der U 14 des KSC, was er kann – seine zahlreichen Tore und Pässe eine Augenweide. Dazu attestieren ihm Fachleute eine große Spielintelligenz. Viel größer, als man sie in dem Alter erwartet. Bryan selbst sieht seine Stärken vor allem im Dribbling und bei der Passqualität.
Das Lahrer Nachwuchstalent hat auch einige Vorbilder beim Münchner Traditionsverein, vor allem jüngere Spieler. Wisdom Mike nennt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der 17-jährige Deutsch-Nigerianer wechselte im Alter von 13 Jahren in die Akademie des Fußballclubs in München. „Ich habe zwar auch ältere Vorbilder, aber seine Geschichte finde ich inspirierend, auch in Bezug auf meine eigene.“
Über das Für und Wider rund um das Angebot des FC Bayern Münchens sei zu Hause viel gesprochen worden, erzählt Bryan. Die Unterstützung seiner Eltern für seinen Traum von der Profi-Karriere stand, wie er sagt, aber nie zur Debatte. „Mein Vater meinte gleich, ich solle das Angebot annehmen, und meine Mutter sagt, dass sie mich bei allem unterstützt, so gut sie kann.“
Eine Entscheidung habe er noch nicht getroffen. Das Angebot aus Bayern werde er wahrscheinlich annehmen, wenn zuhause alles geklärt ist, erzählt Bryan – bis dahin bleibt es spannend.
Das sagt Stefan Wölfle
Stefan Wölfle, Jugendleiter beim SC Lahr, verfolgt den sportlichen Werdegang von Bryan Agu natürlich auch nach dessen Vereinswechsel mit großem Interesse. Der sei bereits 2018 in den SC Lahr eingetreten, habe bei den Bambini begonnen. „Ein echtes Eigengewächs des SC Lahr“, freut sich Wölfle im Gespräch mit der LZ. Bryan sei auf dem Fußballplatz schon immer aufgefallen, dank seiner Dynamik, Schnelligkeit und Spielübersicht – über einen guten Abschluss verfüge er auch. „Er ist torgefährlich“, betont Wölfle. Auch körperlich sei der Lahrer, der am 3. Juli 14 Jahre alt wird, für sein Alter schon weit.
Bryan sei auf mehreren Positionen einsetzbar, im zentralen Mittelfeld kann er nach Ansicht von Wölfle seine Stärken am besten ausspielen. Der Jugendleiter hebt auch den Charakter des Talents hervor – Bryan Agu sei ein sympathischer, höflicher Junge, dabei aber enorm fleißig. „Man sieht ihn auch an seinem trainingsfreien Mittwoch und in den Schulferien auf unserem Kunstrasenplatz trainieren, sei es individuell oder mit seinen Freunden“, hebt Wölfe hervor.
Nach Robert Wagner, der zurzeit bei Dynamo Dresden in der Zweiten Liga voll zu überzeugen weiß, schickt sich somit der nächste junge Lahrer an, eine Fußballkarriere zu machen. Wölfle betrachtet das als Bestätigung für die Jugendarbeit des SC Lahr, bei dem Talente von guten Trainern perfekt gefördert würden. Beim SC Lahr würden sich alle über Bryans Aufstieg freuen – gleichzeitig sei es für die Jugendspieler des Vereins ein Ansporn, dass einer von ihnen so durchstartet. Was traut der Jugendleiter Bryan Agu sportlich zu? Wölfle: „Sehr viel. Dass Bayern München ihn haben will, sagt alles.“