Mit gesenktem Haupt sitzt der Angeklagte (Mitte) im Gerichtssaal in Freiburg. Foto: Stefanie Salzer-Deckert

In Freiburg hat am Dienstag der Prozess gegen einen jungen Algerier begonnen. Er soll im Juli 2024 einen Zahnarzt in dessen Haus getötet haben – aus Habgier. Dem 22-Jährigen droht eine lange Haftstrafe.

Zu dem brutalen Messermord, den Staatsanwältin Sabrina Haberstroh ihm vorwirft, will sich 22-jährige Angeklagte eigentlich nicht äußern. Dann sagt er aber doch einen Satz: Er habe eigentlich gehofft, dass er „solche Sachen nicht machen“ würde, so der Armutsflüchtling aus Algerien, der Mitte Juli 2024 im Stadtteil Wiehre in Freiburg einen 77 Jahre alten Freiburger Zahnarzt mit mindestens 17 Messerstichen ermordet haben soll. Habgier, Ermöglichung einer Straftat und Heimtücke wirft die Anklage ihm als Mordmerkmale vor. Dazu noch Raub mit Todesfolge. Im Falle eines Schuldspruchs dürfte eine besondere Schwere der Schuld im Raum stehen.

 

Laut Anklage brach der 22-Jährige gegen 7 Uhr durch ein Toilettenfenster in das Haus seines Opfers ein, das er mit einer Axt eingeschlagen hatte. Sein Ziel: Wertsachen klauen. Im Erdgeschoss des Hauses des Freiburger Zahnarztes wurde der Räuber aber nicht fündig. Also schnappte er sich ein besonders scharfes Küchenmesser mit über 20 Zentimeter langer Klinge und begab sich ins Obergeschoss, wo der Fernseher laut lief und der Angeklagte sich seinem unbedarften Opfer nähern konnte. Der schmächtige junge Mann stach mit so brachialer Gewalt zu, dass die Spitze der Messerklinge abbrach und in seinem Opfer stecken blieb. Der Zahnarzt verblutete, nachdem er tödlich im Bereich der Lunge, am Hals und am Herzen getroffen worden war.

Mann in Teppich eingerollt

Anschließend, so die Anklage, wickelte sein Mörder ihn in einen Teppich und versteckte die Leiche unterm Bett, duschte in aller Ruhe, beseitigte einige Spuren und nahm Schmuck, Bankkarten, Silbermünzen und elektronische Geräte aus dem Besitz des Ermordeten an sich. Gefasst wurde der Mann später in der Schweiz, wo ein Einreiseverbot gegen ihn bestand und wo er erfolglos Asyl beantragte. Dabei fiel auf, dass er mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde.

Kinder des Mordopfers treten als Nebenkläger auf

Zu Beginn des Mordprozesses, in dem die erwachsenen Kinder des Opfers als Nebenkläger auftreten, berichtete der Angeklagte mit gesenktem Haupt aus seinem Leben. Schenkt man seinem Bericht Glauben, so entsteht das Bild eines jungen Mannes ohne Perspektive im Leben und ohne Erfolg. Mit 13 will der Angeklagte von der Schule gegangen sein. Danach habe er viel auf der Straße gelebt, Alkohol und Drogen konsumiert und sich mit kleineren Jobs über Wasser gehalten. Bevor er aus Algerien mit einem Boot übers Mittelmeer flüchtete, saß er 18 Monate in U-Haft. Unschuldig, wie er betont. Als fünftes von sechs Kindern sei er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, sein Vater sei gewalttätig gewesen. Immer wieder habe er sich selbst verletzt und versucht, sich das Leben zu nehmen. Im Dezember 2023 sei er mit dem Boot nach Europa gekommen, wo er eine Odyssee durch Spanien, Frankreich, die Schweiz und Deutschland erlebt habe.

„Ich habe alles gehasst“ und „mein Leben wurde immer schlimmer“ sind Sätze, die der Angeklagte häufig verwendet. Seit seiner Festnahme sitzt er in Freiburg in U-Haft. Das Urteil soll Mitte Februar fallen.