Das Mammobil ist auf dem Rathausplatz gut für alle sichtbar und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Foto: Stadtverwaltung Weil am Rhein/Bähr

Ob das „Mammobil“ in Weil am Rhein auf dem Rathausplatz oder auf dem Festplatz am LGS-Gelände besser aufgehoben ist, war Thema einer Debatte im Ausschuss.

In einer der vorangegangenen Ausschusssitzungen hatte Heidi Jakob-Frey unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen der Ausschussmitglieder“ angemerkt, dass der zentral gelegene Standort mitten auf dem Rathaus- und damit auch Marktplatz für Frauen ein Hemmnis darstelle, zur Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

 

Unter anderem von Patientinnen der Arztpraxis ihre Mannes Christian Frey in Haltingen sei ihr gegenüber der Wunsch geäußert worden, den Bus mit der mobilen Röntgenstation an einer unauffälligeren Stelle zu parken, etwa am LGS-Gelände, wo er früher schon einmal stand, hatte die Gemeinderätin berichtet.

So gut und wichtig das Screening zur Brustkrebs-Vorsorge sei, manche Frauen störe es, dass diese vor aller Augen in der Öffentlichkeit stattfinden soll.

Bei einer Vorsorgeuntersuchung speziell für Männer könne sie sich nicht vorstellen, dass diese in einem solchen Format und in aller Öffentlichkeit durchgeführt werde, hatte Jakob-Frey argumentiert und um eine Verlegung des Standorts gebeten.

Oberbürgermeisterin Diana Stöcker hat diese Anfrage zum Anlass genommen, sich selbst genauer zu dem Standort und dem allgemeinen Feedback dazu zu informieren.

Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass der aktuelle Standort trotz allem die meisten Pluspunkte in sich vereine und daher beizubehalten sei.

Sicherer und gut erreichbarer Standort

Mit dem Standort auf dem belebten Rathausplatz werde dem Sicherheitsempfinden der Frauen Rechnung getragen.

Das Mobil habe bis abends geöffnet, in den Wintermonaten oft schon bei Dunkelheit. Auf dem LGS-Parkplatz entfalle die soziale Kontrolle, die in der Stadtmitte am Rathaus eher gegeben sei, machte Stöcker geltend.

Beim Kaufring wie im Rathaus könnten die Frauen zudem eine Toilette vorfinden. Für die Mitarbeiterinnen des Mammobils stehe die Toilette des Rathauses mit einem digitalen Schlüssel sogar außerhalb der Rathaus-Öffnungszeiten zur Verfügung. Im Mammobil selbst gebe es keine Toilette, ebensowenig auf dem LGS-Parkplatz.

Mit dem ÖPNV gut erreichbar

Als weiteres Argument führte OB Stöcker die gute Erreichbarkeit des Mammobils am Rathausplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Die Mitarbeiterinnen kommen aus Freiburg und könnten so die Bahn für die Anfahrt nutzen.

Nicht zuletzt sei der Stadtort aus Marketing-Gründen gut gewählt. Es habe Frauen gegeben, die dadurch überhaupt erst auf das Angebot aufmerksam wurden und sich einen Termin hätten geben lassen.

„Der Standort ist sehr gut angekommen. Wir haben seitens der Teilnehmerinnen keinerlei Beschwerden erhalten und dürfen uns sogar über einen deutlichen Zuwachs an Teilnehmerinnen freuen“, zitiert die Oberbürgermeisterin Susanne Büttner, programmverantwortliche Ärztin des Mammographie Screening Südbaden und Fachärztin für Radiologie.

Lediglich die Parksituation sei am früheren Standort teilweise günstiger empfunden worden. Geäußerte Befürchtungen, Frauen könnten sich schämen oder unwohl fühlen, weil sie sichtbar die Treppen zur mobilen Praxis hinaufsteigen, hätten sich nicht bestätigt, berichtet die Ärztin laut Stöcker.

Für das Screening im mit hochwertigen Röntgensystemen ausgestatteten Mobil seien die Teilnehmerinnen sehr dankbar, berichtet Büttner. „Frauen sparen sich so die einstündige Fahrt nach Freiburg für die kurze mammographische Untersuchung.“ Sie würde gern an dem Standort festhalten.

Mehr Frauen haben sich untersuchen lassen

Im Nachgang zur Debatte im Sport-, Kultur- und Verwaltungsausschuss legte die städtische Pressestelle Zahlen vor: Mehr als 2200 Frauen besuchten demnach das Mammobil zwischen dem 12. Februar und dem 26. März dieses Jahres.

Das entspreche 46 Prozent der zuvor angeschriebenen Personen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 41 Prozent im Jahr 2024. Auch der Anteil der Erstteilnehmerinnen stieg von 26 auf 31 Prozent. „Unter Berücksichtigung der erweiterten Teilnehmerinnenzahl sind unterm Strich 300 Frauen mehr gekommen als beim letzten Mal“, fasst Peter Tontsch, Verwaltungsleiter des Mammographie-Screenings Südbaden und Diplom-Physiker, zusammen.

Weniger Todesfälle

„Die Werbewirkung ist doch großartig“, findet er. Je mehr Frauen teilnehmen, desto besser. Studien zeigen, dass unter den Frauen, die am Screening teilnahmen, die Brustkrebstodesfälle zwischen 20 und 30 Prozent zurückgingen. Je 1000 Frauen würden sechs bis acht Karzinome entdeckt.

Zum Hintergrund: Pro Tag kümmern sich vier bis sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Mammobil um rund 70 bis 80 Teilnehmerinnen.

Bei einem auffälligen Befund finden die weiteren Untersuchungen und gegebenenfalls Probenentnahmen dann in den Räumen der Screening-Praxis in Freiburg statt.

In zwei Jahren werde Weil am Rhein erneut Standort des mobilen Mammographie-Screenings sein. Dann möglicherweise auch für Frauen zwischen 45 und 49 Jahren? Der Gemeinsame Bundesausschuss prüfe derzeit, ob das Programm auf diese Altersgruppe ausgeweitet werden kann, informiert die Stadtverwaltung.

Info: Seit dem 27. März steht das Mammobil übrigens noch bis zum 6. Mai in Efringen-Kirchen (beim Sportplatz), danach bis zum 23. Mai in Grenzach-Wyhlen, ehe es vom 8. bis 24. Juni in Neuenburg und vom 25. Juni bis 14. Juli in Bad Bellingen aufgestellt wird.