Derzeit steht auf dem Schloßplatz ein pink-silberner Bus: Die Arztpraxis auf Rädern, das „Mammobil“, ist noch bis Anfang Oktober in der Zollernstadt stationiert. Frauen zwischen 50 und 70 Jahren können hier ein kostenloses Brustkrebs-Screening durchführen.
Der Andrang im „Mammobil“ auf dem Schloßplatz in Hechingen ist groß. Die pinken Stühle im Wartebereich sind bereits um 9 Uhr morgens voll belegt. Rund 6 500 Frauen aus der Region haben einen Einladung zum Mammografie-Screening in der mobilen Arztpraxis erhalten.
Wie wichtig eine frühzeitige Erkennung eines Tumors in der Brust ist, wissen Stefanie Rückle und Susanne Kolodzie, die in der Arztpraxis auf Rädern Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs durchführen. In Deutschland sterben jährlich rund 18 000 Menschen an Brustkrebs. Von tausend Frauen, die regelmäßig ein Mammografie-Screening durchführen lassen, werden im Schnitt zwei bis sechs Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt.
Wie läuft der Termin ab? Das Fahrzeug ist wie eine kleine Arztpraxis ausgestattet. Im Wartezimmer im Eingangsbereich geben die Frauen am Empfang ihre Krankenkassenkarte und einen ausgefüllten Fragebogen ab. Im Fahrzeug gibt es zwei Umkleidekabinen, wo die Frauen sich obenrum ausziehen, bevor es weiter zur Untersuchung geht.
Bei der Mammografie wird dann die Brust geröntgt. Das Screening sei zwar nicht angenehm, wenn das Brustgewebe für die Aufnahmen zwischen zwei Platten gequetscht wird – Angst vor Schmerzen müsse man aber nicht haben. Die Untersuchung geht, „je nach Gesundheitszustand und Beweglichkeit der Frau“, etwa fünf bis zehn Minuten. Insgesamt werden von jeder Brust zwei Aufnahmen gemacht.
Wer darf zur Untersuchung kommen? Alle Frauen zwischen 50 und 70 Jahren erhalten alle zwei Jahre einen Einladungsbrief zum Mammografie-Screening. Rund 50 Prozent dieser Frauen nehmen dieses Angebot auch war und lassen sich im Mobil untersuchen. Gerade im ländlichen Raum sei eine mobile Praxis für eine möglichst lückenlose Vorsorge notwendig. Für viele sei es einfacher, in das Mammobil zu kommen, als in eine entsprechende Fachpraxis.
„Leider war die Post in diesem Jahr unzuverlässig“, sagt Rückle. Einige hätten daher keinen Einladungsbrief erhalten. Die Frauen, die zwischen 50 und 70 Jahre alt sind und in Hechingen, Rangendingen, Bodenshausen, Bisingen, Jungingen oder Grosselfingen wohnhaft sind, könnten sich telefonisch bei der zentralen Stelle in Baden-Baden unter Telefon 07221/956555 melden und einen bis Anfang Oktober noch einen Termin zum Screening in Hechingen vereinbaren.
Worauf sollte man vor dem Termin achten? Vor dem Screening-Termin sollten die Frauen kein Deodorant oder Bodylotion verwenden. „Deo kann das Ergebnis verfälschen“, erklärt Kolodzie. Auch Bodylotion sollte vermieden werden, damit die Haut nicht rutschig ist und einen stabilen Halt im Mammografie-Gerät hat.
Wieso dürfen nur Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren zum Screening? Frauen in der Altersgruppe von 50 bis 70 Jahren haben laut den Fachärztinnen das höchste Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das zweijährliche Mammografie-Screening dient zur Früherkennung von Karzinomen und wird von der Krankenkasse finanziert. In naher Zukunft soll die Altersgruppe auf Frauen bis 75 Jahren erweitert werden, erzählt Rückle. Im zweiten Schritt soll die Altersgrenze in den nächsten Jahren auch um fünf Jahre herabgesetzt werden.
Was passiert nach der Untersuchung? Die vier Aufnahmen – zwei von jeder Brust – werden von mindestens zwei Ärzten unabhängig voneinander begutachtet. Rund 90 Prozent der Frauen werden im Anschluss bereits sieben bis zehn Tage nach dem Termin benachrichtigt, wenn die Untersuchung unauffällig war.
Falls es Auffälligkeiten geben sollte, werden die Aufnahmen von einem weiteren Facharzt begutachtet. Nur bei einem sehr geringen Prozentsatz stellt sich tatsächlich ein Verdacht auf einen Tumor heraus. In diesem Fall wird die Betroffene telefonisch kontaktiert und zu einem Abklärungstermin in der Praxis für Brustdiagnostik in Tübingen eingeladen. So könne das weitere Vorgehen frühzeitig besprochen werden.
Das Mammobil
Kosten
Das Mammografie-Screening-Programm ist kostenlos und wird getragen von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Verantwortliche
Die programmverantwortlichen Ärzte sind Martin Majer und Ute Krainick-Strobel von der Praxis für Brustdiagnostik Tübingen.