Er war schon in Sydney, Peking und Paris. Jetzt reist Bruno Knöller aus Calmbach zu den Winterspielen nach Italien. Was der 74-Jährige alles erlebt hat und was er dieses Mal plant
Am 6. Februar starten die Olympischen Winterspiele in Italien. Rodellegende Felix Loch wird dann zum fünften Mal dabei sein. Diese Zahl toppt der Calmbacher Bruno Knöller locker. Denn Knöller wird in diesem Jahr bei seinen sage und schreibe 13. Olympischen Spielen teilnehmen.
Zugegeben, der Vergleich hinkt – und das sogar ziemlich heftig. Schließlich ist Felix Loch dreifacher Olympiasieger. Bruno Knöller dagegen wird zum 13. Mal als Tourist und riesiger Olympiafan dabei sein. Trotzdem ist diese Zahl äußerst erstaunlich.
Knöller war früher begeisterter Leichtathlet
Der Winter stand dabei nie so im Fokus. Zehnmal war Knöller bislang bei Sommerspielen, zweimal im Winter dabei. Das liegt wohl an seiner eigenen sportlichen Prägung. „Ich war früher kein ganz großer, aber begeisterter Leichtathlet“, sagt er und erzählt von fünf Trainings pro Woche mit Intervalltraining und Waldläufen. Immerhin bis zum Kreisvizemeister hat er es gebracht.
Knöller, der viele Jahre als SPD-Fraktionsvorsitzender im Bad Wildbader Gemeinderat saß, zieht einen Vergleich zur Politik und erklärt seine Leidenschaft für den Sport: „Im Gegensatz zur Politik gibt’s im Sport immer Ergebnisse und man weiß, wer der Sieger ist.“ Auch wenn er sich für viele Sportarten interessiert, hängt sein Herz immer noch besonders an der Leichtathletik und am Tischtennis.
Die ersten Olympischen Spiele sieht er in München
Seine ersten Spiele überhaupt besuchte der damals 21-Jährige 1972 in München. Dabei hatte er zuerst sogar Pech. „Damals gab’s eine Verlosung, ob du Karten kaufen konntest.“ Dabei kam er aber nicht zum Zug. Als dann der freie Verkauf startete, sei er morgens um 6 Uhr nach Pforzheim gefahren und habe zwei Stunden vor dem Reisebüro gewartet, bis es endlich aufgemacht habe, erinnert er sich. Dort ergatterte er dann Stehplatzkarten für die Leichtathletik sowie Tickets fürs Boxen und Radfahren. In München erlebte er als Höhepunkt dann den Olympiasieg von Heide Rosendahl.
Fortan war – und ist es bis heute – Knöller mit dem Virus Olympia infiziert. Da die nächsten Spiele 1976 in Montreal stattfanden, entschloss er sich, darauf zu verzichten und stattdessen die im selben Jahr stattfindenden Winterspiele in Innsbruck zu besuchen.
Ein beeindruckender Besuch folgte dann 1980. Da war Knöller nämlich bei den Boykottspielen in Moskau – auch wenn dort keine bundesdeutschen Athleten teilnehmen durften. Eine Entscheidung, für die er noch immer kein Verständnis hat: „Boykotte haben in der Geschichte des Sports noch nie etwas gebracht.“
Trotzdem seien die westdeutschen Olympiabesucher die zweitgrößte ausländische Touristengruppe gewesen, erzählt er. Gewohnt hat er dort in einem Studentenwohnheim. „Man konnte sich relativ frei bewegen“, sagt er. Das sei auch wichtig, damit Menschen zusammenkommen, auch in totalitären Systemen. Auch bei seinem Besuch in Peking habe er sich relativ frei gefühlt.
Mit 41 zum ersten Mal gezeltet
Die Sommerspiele in Los Angeles 1984 hat er ausgelassen, ebenso die Spiele 1988 in Seoul (Südkorea). Nach dieser langen Pause wurde es dann aber wieder Zeit für einen Doppelpack: 1992 war er dann in Barcelona und Albertville.
Besondere Erinnerungen hat er auch an die Spiele 1996 in Atlanta: „Da habe ich das erste und einzige Mal in meinem Leben gezeltet – mit 41.“ Zudem sei das Verkehrssystem ziemlich chaotisch gewesen, inklusive Terrorwarnung in der U-Bahn.
Auf der langen Liste stehen noch einige Olympische Spiele: Sydney (2000), Athen (2004), Peking (2008), London (2012), Rio de Janeiro (2016), Paris (2024) – und jetzt eben Mailand/Cortina d’Ampezzo. So kann er mit Stolz behaupten, dass er auf allen vier Kontinenten war, auf denen bislang Olympische Spiele stattgefunden gaben.
Die Spiele in Paris haben es ihm besonders angetan
Und wo hat es ihm am besten gefallen? „Bis vor zwei Jahren habe ich gesagt Sydney.“ Und dann kam Paris, „für mich die schönsten Spiele“. Besonders gefallen hat Knöller, dass die Spiele „toll in die Stadt integriert“ worden seien, etwa die Wettkämpfe unterm Eiffelturm oder die Fechtwettbewerbe in der historischen Halle. Und er konnte gleich zwei Goldmedaillen an einem Tag bejubeln: Darja Varfolomeev in der rhythmischen Sportgymnastik und dann Yemisi Ogunleye im Kugelstoßen.
Als sein emotionalstes Erlebnis nennt er den Moment bei der Eröffnungsfeier in Atlanta, als „der von mir hochverehrte Boxer Muhammad Ali“ auftrat. Knöller fand es „großartig, dass er trotz seiner schweren Parkinsonerkrankung das olympische Feuer entzündet hat“.
Viele schöne Erinnerungen gesammelt
Aber natürlich haben sich in der Zeit viele schöne Erinnerungen angesammelt. Etwa an die „ganz tolle“ Stadt Barcelona mit vielen Emotionen. Oder an Athen, wo er mitten in der Stadt in der Wohnung eines Freundes übernachten durfte – und die vielen Gespräche, die er mit Menschen aus der ganzen Welt führen konnte. So erinnert er sich etwa daran, dass er in Peking in der U-Bahn mit ganz überzeugten Kommunisten über Tibet und anderes diskutiert habe. „Das hat der ganze Wagen gehört“, erzählt er schmunzelnd. Und wer Knöller noch aus seiner Zeit im Gemeinderat als durchaus streitbaren Mann der klaren Worte in Erinnerung hat, nimmt ihm das sofort ab.
Oft hat er auch bei Olympischen Spielen seinen Geburtstag gefeiert. Natürlich nur bei den Sommerspielen, da er am 1. August geboren wurde. Eher schlechte Erinnerungen hat er dagegen an seine Unterkunft in London. Das Zimmer sei so klein gewesen, dass er nicht mal seinen Koffer richtig untergebracht habe. Die Spiele selbst hätten dafür aber allemal entschädigt.
Er hofft auf Erfolge für Franziska Preuß
Jetzt also Italien. Da die einzelnen Wettbewerbe teilweise weit auseinander liegen, hat er sich für Antholz entschieden. Vom 10. bis zum 16. Februar geht es für ihn also nach Südtirol. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei beim Biathlon und Knöller hofft auf Erfolge für Franziska Preuß.
Zwischendrin stehen zwei Abstecher nach Cortina d’Ampezzo auf dem Plan: einmal Skeleton, einmal Rodeln. Auch da sind die deutschen Chancen in der Mixed-Staffel nicht schlecht. Und wenn es klappt, dann will er sich noch Curling-Spiel anschauen. „Da kann ich sitzen in der Halle, was für ältere Herren nicht so schlecht ist.“
Dann geht’s wieder nach Hause. Zwar ohne Medaille, aber dafür mit vielen neuen Erinnerungen im Gepäck.
Und es scheint ziemlich sicher, dass es für den 74-Jährigen noch nicht die letzten Olympischen Spiele gewesen sein werden.