Um an das wichtige Gut sauberes Trinkwasser zu erinnern, feierte Heiligenzimmern ein Brunnenfest. Der letzte erhaltene öffentliche Brunnen im Dorf wurde vor 150 Jahren installiert.
Öffentliche Brunnen waren vor 150 Jahren in jedem Dorf der Umgebung zu finden und waren die vorrangige Wasserquelle für Mensch und Tier. Die Dorfleute holten am Brunnen Wasser zum Kochen, Trinken und Waschen. Heutzutage, da Frischwasser aus jedem Wasserhahn im Hause sprudelt, kann man sich kaum mehr vorstellen, wie anstrengend die Wasserbeschaffung war. Auch das Vieh musste zum Saufen an den Dorfbrunnen getrieben werden.
In Heiligenzimmern gab es neben privaten Brunnen drei öffentliche im Ort: einer im Fronhof – der Hof bei Michael Bisinger und Gustav Schreiner – , ein weiterer gegenüber dem Gasthaus Rössle und der jetzt noch erhaltene in der Ortsmitte. Die Brunnen wurden durch sogenannte Deichelleitungen – durchbohrte Holzstämme – aus eigenen Quellen bespeist. Ganz in der Nähe des jetzigen Brunnens war auch das Waschhaus, in denen damals die Frauen die Wäsche mühevoll waschen mussten.
Kostbares Gut
Wie lebensnotwendig sauberes Wasser schon vor über 500 Jahren war, zeigt die Dorfordnung aus dem Jahr 1462, wie im Heimatkundlichen Lesebuch des ehemaligen Ortsvorstehers Cornelius Bisinger nachzulesen ist. Diese Dorfordnung besagte unter anderem, dass ein Bußgeld drohe für alle, die den Dorfbrunnen verwüsten. Es war also schon den Vorfahren klar, welch ein kostbares Gut sauberes Wasser ist und wie wichtig die Verantwortung für die Umwelt.
Letzter erhaltener Brunnen
Der letzte erhaltene Brunnen in Heiligenzimmern wurde 1875 gebaut und ist aus Gusseisen gefertigt. Gespeist wird er von einer Quelle unterhalb des Kindergartens, die in einer Brunnenstube im Weiherweg gefasst ist. Erst mit der Wasserleitung, die 1910 für 30 000 Reichsmark gebaut wurde, verlor der Brunnen an Bedeutung, obwohl er auch heutzutage noch gerne als Gießwasser-Spender für Gärten genutzt wird.
150. Geburtstag
Der 150.„Geburtstag“ des Brunnens und dessen Geschichte war es Ortsvorsteher Klaus May und dem Ortschaftsrat wert ein Brunnenfest zu organisieren. Mit Eröffnung durch die Böllerschützen aus Gruol und stimmungsvoller Unterhaltung durch die Stunzachtaler Musikanten wurde kräftig gefeiert.
Ein spezielles Brunnenwasser und ein deftiges Vesper mit Holzofenbrot aus der Backküche erfreuten die zahlreichen Gäste. „Nicht nur die historische Jahreszahl war für uns Anlass für dieses Fest. Wir wollten auch einen Blick zurückwerfen und zeigen, wie anstrengend die Wasserversorgung früher war und gleichzeitig auf die Gegenwart schauen und bewusst machen, welch bedeutende Ressource das Wasser ist“, erklärt der Ortsvorsteher. Durch den Klimawandel bedingte Wasserknappheit, Verschmutzung und Verschwendung und einen sinkenden Grundwasserspiegel, da mehr Wasser entnommen wird, als sich erneuern kann, sind bekanntlich Probleme, mit denen auch hierzulande zu rechnen ist. „Wie gut, dass wir im Notfall noch einen Brunnen haben“, meint May, „allerdings aktuell nicht mit Trinkwasserqualität. Als Kind habe ich trotzdem Wasser am Brunnen getrunken“, meint er schmunzelnd und freut sich, dass das Fest die Wasserdebatte thematisiert hat.