Gregor und Julian Thomann sind Zwillinge und beide sind angehende Lehrer. Foto: www.foto-kara.de info@foto-kara.de

Vor wenigen Tagen haben die Zwillinge Gregor und Julian Thomann ihren 32. Geburtstag gefeiert. Mit der HSG Albstadt sind die beiden Vollbluthandballer aktuell sehr erfolgreich und kämpfen um die Krone in der Württembergliga. 

Viele Gemeinsamkeiten, darunter an Nummer eins die Liebe zum Handball, lassen sich zwischen den beiden Brüdern Gregor und Julian Thomann finden. Beide sind angehende Lehrer, Gregor mit den Fächern Sport und Geschichte, Julian mit den Fächern Sport und Geografie. Bei der HSG Albstadt sind beide Leistungs- und Sympathieträger. Einen großen Unterschied gibt es aber Gregor Thomann ist Linkshänder und spielt Rechtsaußen. Sein Zwillingsbruder Julian ist Rechtshänder und spielt Rückraum Mitte. 

 

So sind die beiden zum Handball gekommen

Beide machten ihre ersten handballerischen Schritte in Albstadt.  „Unser erster Trainer war Frank Würzebesser, er schaut sich heute noch gerne unsere Spiele bei der HSG Albstadt an“, erzählt Gregor.

Früh ging es für die einstigen Talente nach Balingen. Gemeinsam spielten sie ab der E-Jugend für die JSG Balingen-Weilstetten und arbeiteten sich nach einer erfolgreichen Jugendzeit über den TV Weilstetten zum HBW Balingen-Weilstetten. Für Gregor ging es zur HSG Konstanz, zurück zum HBW und wieder nach Konstanz, ehe er sich zum Rundenstart der HSG Albstadt anschloss. Sein Bruder Julian war nach einem Kreuzbandriss zuletzt als Trainer bei den Wölfen Würzburg in der 2. Liga aktiv. Zum ersten Mal tragen sie nun das Trikot der HSG Albstadt und das mit Stolz.

Athlet sein, ist für die Brüder auch Lifestyle

„Ich bin brutal gerne Handballer, ich war brutal gerne Handballprofi“, erzählt Gregor Thomann. „Stand heute spiele ich noch so lange, bis sie mich aus der Halle raustragen müssen.“ Sein Bruder Julian schwenkt ein: „Für uns ist Athlet sein auch so ein bisschen ein Lifestyle. Wir essen ausgerichtet auf den Sport, wir versuchen gut zu schlafen. Dass macht einfach mega Spaß. Solange das körperlich passt, wollen wir auch weitermachen.“

Über die Arbeit als Trainer und die Höchstform

Spieler sein hat für Julian Thomann nach, wie vor noch Vorrang. „Ich habe 15 Jahre als Trainer gearbeitet, hauptsächlich in der Jugend, dann zwei Jahre in der 2. Bundesliga. Ich bin wahnsinnig froh über die Erfahrung und auch stolz drauf, aber jetzt muss ich mein Studium beenden und da passt Spieler sein besser. Gregor, der auch über Trainererfahrung in der Jugend verfügt, weiß: „Trainer sein kann man noch 30 Jahre, Spieler sein kann man jetzt noch. Es ist jetzt noch die Zeit Spieler zu sein. Wir sind jetzt 32 und es ist jetzt nicht mehr immer hundert Prozent Vollgas bolzen. Unser Fokus muss schon auf Regeneration liegen. Wir müssen schon ein bisschen auf unseren Körper achten, doch das klappt sehr sehr gut.“

Die Zwillinge trainieren immer noch sechs bis neunmal die Woche und gestalten ihren sportlichen Alltag professionell. „Wir versuchen athletisch zu leben und haben unseren Lifestyle darauf ausgerichtet. Auch in der Württembergliga erleben wir viele Typen, die ganz ähnlich ticken.“, so Julian.

Thomann-Zwillinge sind erfolgreich in der 5. Liga

Gregor und Julian Thomann sind ehrgeizig und wollen das Handballjahr mit dem Aufstieg in die 4. Liga beenden. Doch zunächst wollen sie jede Woche auf der Platte bestätigen, was sie auszeichnet. „Es macht bei der HSG im Training Spaß und wir sind ne richtig gute Truppe, haben einen guten Zusammenhalt. Wir haben einen hohen Anspruch an uns selber gut zu spielen und wir wollen das jede Woche zeigen“, berichtet Julian, der zwei Jahre wenig Vereinshandball gespielt hat.

„Ich habe wegen des Vollzeitjobs als Trainer wenig trainieren können und konnte für die zweite Mannschaft der Wölfe in der 4. Liga auch wenig Spiele machen, da die Termine sich überschnitten haben.“

Über Stärke, Talent und Spätentwickler

„Wir waren beide nie in einer übergreifenden Auswahl, waren beide Spätentwickler, waren immer die Kleinsten, mussten uns immer durchbeißen. Das hat uns extrem geprägt“, erzählt Gregor. „Eines meiner ersten Spiele habe ich bei den Männern in der Bezirksliga gemacht. Sechs Monate später wurde ich nachdem ich bei einem Cup mit allen Bundesliga-Nachwuchsspielern bester Torschütze war, in die Juniorennationalmannschaft berufen. Alle hatten gesagt, der ist zu klein, das reicht nicht.“

Julian Thomann sieht gerade das als späteren Vorteil. „Wir mussten uns immer gegen Stärkere und Bessere durchsetzen. Wir hatten auch immer das Glück, dass wir uns gegenseitig immer viel fordern konnten. Der ehemalige Kapitän des HBW Balingen-Weilstetten II weiß auch, dass sein Bruder sich immer noch ärgert, wenn er als Toptorschütze der Liga mal einen Treffer liegen lässt und er nicht das Optimum erreicht.

Die Sache mit dem Linkshänder und dem Rechtshänder

„Die Linkshänder sind begehrt und kommen dann auch ein, zwei Ligen höher“, scherzt Julian Thomann. Es gebe schlichtweg nicht so viele, was aber nicht schmälere, dass Gregor der bessere Handballer sei. Damals hätten im Rückraum – auf Julian Thomanns aktueller Position – nur große, schwere Jungs gespielt. Heutzutage hätte sich das gedreht, Man spiele eigentlich nur noch Isolationen mit Eins-gegen-eins. „Dafür sind kleinere, wendige Spieler brutal gefragt, nur bin ich heute nicht mehr schnell genug“, witzelt Julian Thomann.

Über das Glück tolle Trainer zu haben

„Jens Bürkle war von der C- bis zur A-Jugend unser Jugendtrainer. Unter Rolf Brack habe ich meine ersten Bundesligaspiele gemacht. Kein anderer Trainer wäre so verrückt gewesen, mich mit 70 Kilogramm und meinen 21 Jahren aufs Feld zu schicken. Beim Stand von Unentschieden in Magdeburg hat er dich einfach mal fünf Minuten reingeschmissen und du dachtest danach als junger Spieler – geil“, so Gregor.

„Wir hatten immer tolle Trainer“, sagt Julian und ergänzt „ wir sind richtig dankbar, dass wir mit so tollen Leuten wie André Doster, Markus Gaugisch oder Daniel Eblen, um nur einige zu nennen, zusammen arbeiten durften.“