Deutliche Hinweise sollen die Kanuten an einer Weiterfahrt hindern. Foto: Schwind

Die Arbeiten für den Abbruch und Neubau der Neckarbrücke sind in vollem Gange. Das bringt Verkehrsbehinderungen mit sich: Betroffen sind nicht nur die Autofahrer, sondern auch Radfahrer und Kanuten. Manche Verbotsschilder werden aber schlichtweg ignoriert. 

Sulz-Fischingen/-Mühlheim - Wegen des Neubaus der Neckarbrücke und des Radweges ist die Kreisstraße K 5502 zwischen Mühlheim und Fischingen bereits seit Ende Juli in beiden Richtungen voll gesperrt. Die Sperrung betrifft auch den Radweg, für den aber eine Umleitungsstrecke über den Gemeindeverbindungsweg zwischen Fischingen und Mühlheim eingerichtet und ausgeschildert ist.

Trotzdem versuchen es Fahrradfahrer immer wieder, mit ihrem Fahrrad durch die Baustelle zu kommen. Wie Wolfgang Dausch vom Straßenbauamt Rottweil bei einem Vor-Ort-Termin demonstrierte, ist jeder Zentimeter, wo ein Schlupfloch entstehen könnte, abgeriegelt.

Rigoroses Vorgehen

Nachdem schon einmal in der Tagespresse und im Mitteilungsblatt der Stadt Sulz auf die Gefahr für die Kanu- und Bootsfahrer im Bereich der Baustelle hingewiesen und zudem neun Hinweisschilder über den Neckar gespannt wurden, fahren die Freizeitkapitäne munter weiter.

Die Firma Reif Bauunternehmung aus Rastatt hat zudem eine Ausstiegsstelle für die Kanuten geschaffen: Ein Zaun leitet die Kanufahrer an der Baustelle vorbei.

Seit einiger Zeit laufen die Arbeiten zum Einbringen der Flutrohre, die mit einer Schotterschicht bedeckt sind. Diese dienen zum einen der Baustraße und zum anderen als zusätzliche Sicherung gegen Betonteile, welche aus Naturschutzgründen bei der Sprengung der Brücke nicht in den Neckar fallen dürfen.

Durch die vielen Niederschläge in jüngster Zeit verfügt der Neckar über einen hohen Wasserstand, der die Saugwirkung vor den Flutrohren deutlich erhöht, erklärte Wolfgang Dausch vom Straßenbauamt.

Das Straßenbauamt Rottweil weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass Kanu- und Bootsbetrieb auf dem Neckar in diesem Bereich aus Richtung Sulz kommend aus Sicherheitsgründen, insbesondere während der Brückenabbrucharbeiten und der damit verbundenen Neckarverdolung, nicht möglich ist. Das Durchfahren des Baustellenbereiches ist nicht zulässig und sogar lebensgefährlich.

Das Straßenbauamt Rottweil und die Baufirma Reif kündigen an, gegen Kanu- und Bootsfahrer, die sich nicht an das Verbot halten, rigoros vorzugehen. Außerdem ist der ortsansässige Kanuverleih Weiblen angewiesen, während der Bauzeit keine Boote in Sulz einzusetzen, sondern erst ab dem Hauptstandort unter der Neckarbrücke in Fischingen.

Elektrofischer im Einsatz

Als Vorarbeit zum Einbringen der Flutrohre hat Elektrofischer Uwe Brettschneider aus Sulz im Auftrag des Regierungspräsidium Freiburg am Samstag eine elektrische Fischvergrämung im Bereich der Bauarbeiten durchgeführt. Mit Hilfe eines Elektrofanggerätes wird ein Gleichstrom oder Impulsstrom durch das Wasser geleitet, dabei schwimmen die im Stromkreis befindlichen Fische zur Anode, wo sie eingesammelt werden können.

Mit Hilfe der Elektrofischerei ist es möglich, Fischbestände so schonend wie möglich zu hegen und zu pflegen und in diesem Fall auch zu vergrämen. Brettschneider arbeitet mit bis zu 400 Volt und einer Stromstärke von acht Ampere. "In Deutschland müssen Elektrofischer eine Ausbildung samt Prüfung durchlaufen, erst dann dürfen sie unter Einhaltung der VDE-Vorschriften eine elektrische Befischung ausüben", erklärt er. Für eine elektrische Fischerei sei eine Genehmigung der Fischereibehörden nötig.

Brettschneider achtete bei seiner Arbeit genau darauf, dass der Abstand zu Nichtbeteiligten ausreichend war. Zudem stand Brettschneiders Frau mit einem Notknopf am Ufer, mit dem sie im Notfall sofort den Strom ausschalten konnte.