Wegen ihrer seltenen Bauweise steht die Brücke am Wasserkraftwerk in der Oberen Talstraße unter Denkmalschutz. Foto: Fritsch

Wann die Fußgängerbrücke beim Wasserkraftwerk in der Oberen Talstraße in Altensteig saniert und wieder freigegeben wird, steht in den Sternen. Immerhin: Die Zuständigkeiten scheinen geklärt zu sein.

Als verbindende Elemente haben Brücken hohe Symbolkraft – eins der berühmtesten Beispiele dürfte die nach dem Krieg in Bosnien wieder aufgebaute Stari Most über die Neretva in Mostar sein. Brücken wurden besungen – von der Band Karat und Peter Maffay ebenso wie von Simon and Garfunkel. Sie bildeten Kulissen für Filme („Die Brücke“, „Die Brücke am Kwai“, „Die Brücke von Remagen“, „Die Brücke von Arnheim“, „Die Brücken am Fluss“) und Fernsehserien (die deutsch-schwedisch-dänische Koproduktion „Die Brücke“ nebst amerikanischer Adaption „The Bridge“).

 

Gesperrte Brücken indes gehen ihres verbindenden Charakters verlustig und stehen nur noch herum. Und so fragte FW-Stadträtin Heidrun Holzäpfel in der jüngsten Sitzung des Altensteiger Gemeinderats, warum die Brücke am Wasserkraftwerk in der Oberen Talstraße seit Jahren gesperrt ist und wie lange dieser Zustand noch andauern soll.

Reichlich Potenzial für ein eigenes dramatisches Werk

Bürgermeister Gerhard Feeß’ Antwort enthielt reichlich Potenzial für ein eigenes dramatisches Werk. AfD-Stadtrat Uwe Thaler immerhin fühlte sich an die Sketch-Comedy-Sendung „Hannes und der Bürgermeister“ erinnert.

Die Brücke sei Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden und stehe aufgrund ihrer seltenen Bauweise – einer Stahlnietenkonstruktion – unter Denkmalschutz, erklärte der Schultes dem Gremium. Bis in die 1960er-Jahre habe auf ihr die Landesstraße L 362 in Richtung Spielberg die Nagold überquert. Nach deren Neubau an anderer Stelle habe die Brücke an Bedeutung verloren. Schließlich diente sie nur noch als Fußgängerbrücke.

Holzbeplankung der Brücke ist schadhaft

Vor mehr als vier Jahren sei entdeckt worden, dass die Holzbeplankung der Brücke schadhaft ist. Dies habe man dem Ressort Straßenbau beim Regierungspräsidium gemeldet. Die Verantwortlichen dort hätten indes die Auffassung vertreten, dass die Brücke sich seit ihrer Abstufung im Besitz der Stadt Altensteig befinde und diese mithin auch für die Sanierung zuständig sei.

Dafür gebe es jedoch keine Belege, führte Feeß weiter aus. Weder der Stadt noch dem Regierungspräsidium lägen entsprechende Dokumente vor.

Der Sanierung ist man nicht signifikant nähergekommen

Inzwischen ist sich das Land offenbar seiner Eigentümerschaft bewusst geworden – die Grundstücke, auf denen die Widerlager der Brücke stehen und damit auch die Brücke selbst befänden sich nach wie vor im Besitz des Landes, bestätigte Charlotte Erdmann, Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, auf Nachfrage.

Seit etwa zwei Jahren verhindert ein Gitter das Überqueren der Brücke. Foto: Buchner

Mit der Klärung der Besitzverhältnisse sei man einer Sanierung jedoch noch nicht signifikant näher gekommen, erklärte Bürgermeister Feeß. Für das Landesstraßennetz habe die Brücke keinerlei Bedeutung mehr, und eine Instandsetzung dürfte vor allem eines werden: teuer.

Land hat Brücke vor zwei Jahren gesperrt

Vor etwa zwei Jahren habe das Land die Brücke dann gesperrt – nachdem die Stadt Altensteig darauf hingewiesen habe, dass wegen der Schäden die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet sei.

Das Land habe seither angeboten, die Brücke der Flößerstadt nebst einem bestimmten Geldbetrag zu überlassen. Diesen Vorschlag habe man dankend abgelehnt, so Feeß, da nicht absehbar sei, was eine Sanierung kosten werde. Aus Umweltschutzgründen wäre eine aufwendige Unterkonstruktion erforderlich, die verhindert, dass beispielsweise Schleifstaub in die Nagold gelangt. Die Gegenofferte, die Brücke zu übernehmen, wenn das Land die Sanierung bezahlt, sei wiederum in Karlsruhe auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Brücke wird nicht als prioritär angesehen

Wann Fußgänger die Brücke wieder benutzen können, steht nach wie vor in den Sternen. „Da die Nagold circa 250 Meter weiter östlich gequert werden kann, wird die Brücke nicht als prioritär angesehen“, teilt Charlotte Erdmann mit. Derzeit würden „zunächst grundsätzliche denkmalschutzrechtliche Fragestellungen geklärt“.

Die schadhafte Holzbeplankung der Brücke birgt Sicherheitsrisiken. Foto: Buchner

Bürgermeister Feeß bringt derweil einen weiteren Aspekt ins Spiel: den Hochwasserschutz. Denn bei der Neuordnung des Verkehrsknotenpunkts Landesstraße 351/Landesstraße 362 am Altensteiger Ortsausgang in Richtung Simmersfeld und Erzgrube in unmittelbarer Nachbarschaft der gesperrten Brücke seien erhebliche Erdmengen aufgefüllt worden, was Auswirkungen auf die Retentionsflächen gehabt haben dürfte.

Mit zweierlei Maß gemessen?

Deshalb müsse geprüft werden, ob die Brücke bei einer Sanierung angehoben werden könne – „dort sind schon Wohnwagen hängen geblieben, die bei Hochwasser auf dem Campingplatz weggeschwemmt wurden“. Das Regierungspräsidium zieht immerhin die Möglichkeit in Betracht: „Inwiefern aus Hochwasserschutzgründen eine Vergrößerung des Abflussquerschnitts notwendig sein könnte, ist gegebenenfalls noch zu untersuchen“, schreibt Charlotte Erdmann.

In verkehrstechnischer Hinsicht sei der Umbau des Abzweigs Richtung Erzgrube hervorragend gelungen, sagt Feeß, aber er habe das Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen werde: „Wenn wir von der Stadt in Gewässernähe ohne Genehmigung ein paar Kubikmeter auffüllen, riskieren wir eine Strafe.“ Und auch bei der Erhaltung von Denkmälern sehe das Land Kommunen offenbar stärker in der Pflicht als sich selbst.

Seitens der Stadt wolle man auf einer Lösung beharren, sagt Feeß. Schon früher in dem ganzen Verfahren habe man einen Anwalt für Verwaltungsrecht eingeschaltet: „Der soll dran bleiben.“