An dieser Stelle soll eine Brücke entstehen. Einige Projektgegner sind zwar für die Brücke, aber nur für Fußgänger und Radfahrer. Foto: Eyckeler

Nicht alle Bürger in Engstlatt teilen die Sichtweise der Verwaltung, dass die Brücke Hürsten in der geplanten Form benötigt wird. Ganz im Gegenteil, sie sehen eine Gefahr für Schüler.

Der Balinger Gemeinderat wird am Dienstag über den Bebauungsplan und örtliche Bauvorschriften für die geplante Brücke Hürsten im Ortsteil Engstlatt entscheiden. Während die Verwaltungsseite immer wieder die Dringlichkeit des Projekts betonte, gab und gibt es Bewohner, die sich klar gegen die Brücke in der geplanten Form positionieren. Mit zwei davon haben wir in dieser Woche gesprochen.

 

„Wir haben ja an sich nichts gegen eine Brücke an dieser Stelle“, macht Thorsten Kilb aus Engstlatt im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich. Aber die Dimension des geplanten Bauwerks sowie der Ablauf der Planung gehen ihm und seinen Mitstreitern gehörig gegen den Strich.

Kilb: Weg wird für Schüler gefährlicher

Thomas Schmidt ist einer der Mitstreiter und ergänzt: „Einer Brücke für Radfahrer und Fußgänger stimmen wir voll und ganz zu und halten diese auch für vernünftig, um Schülern aus dem neuen Wohngebiet einen schnellen Weg zur Schule auf der anderen Seite zu ermöglichen.“

Die beiden und einige andere sprechen sich aber klar gegen eine Brücke aus, die auch für Autos und weiteren Lastenverkehr ausgelegt ist. „Das hat zur Konsequenz, dass der Verkehr logischerweise zunimmt und der Weg für die Schüler gefährlicher wird“, prognostiziert Kilb.

Sie verweisen auf die unweit gelegene Unterführung, die zwar marode sei, aber in der Vergangenheit ihrer Ansicht nach hätte gerichtet werden können sowie auf den Bahnübergang in der Meisterstraße, die als Querung für den motorisierten Verkehr ausreichen würden.

Vorwürfe in Richtung Regierungspräsidium

Hinzu lief nach Ansicht von Kilb, Schmidt und Co. während der Planung längst nicht alles konform ab. In einem Schreiben, das die Gegner in dieser Woche an die Verwaltungsspitze sowie an die Fraktionsvorsitzenden geschickt haben, äußern sie klare Kritikpunkte und plädieren dafür, die Abstimmung vorerst zu vertagen.

So wird den entscheidungsrelevanten Behörden wie etwa dem Regierungspräsidium Tübingen vorgeworfen, dass unter anderem artenschutzrechtliche Prüfungen auf überwiegend veralteten Daten basieren würden.

Weiter heißt es, dass „wichtige Unterlagen wie Umsiedlungsprotokolle, Fotobelege und Bautagebücher der ökologischen Baubegleitung trotz mehrfacher Nachfrage nicht vorgelegt“ wurden.

Kritik im Umgang mit geschützten Tieren

So lange die aus Gegnersicht noch laufende Fachaufsichtsbeschwerde nicht vollständig geklärt ist, dürfe es zu keiner Abstimmung kommen. Das RP wiederum schreibt uns auf Nachfrage, dass diese Beschwerde bereits abschließend geprüft wurde und demnach vom Tisch ist – mit dem Verweis, dass keine Verstöße festgestellt werden konnten.

Als besonders skandalös beschreiben die Gegner auch den Umgang mit der streng geschützten Schlingnatter im betroffenen Bereich. Ein aufgestellter Reptilienschutzzaun wirke da wie eine reine Beruhigungstaktik, meint Kilb und wirft der Stadt hier schwere Versäumnisse vor.

Die Stadt Balingen sieht es anders: Seitens der Unteren Naturschutzbehörde wurde, so die Stadt, eine ökologische Baubegleitung gefordert, welche entsprechende Vermeidungs- und Vergrämungsmaßnahmen plant und umsetzt. Dieses Vorgehen und die Umsetzung der Maßnahmen wurde laut Angaben von Stadtsprecher Dennis Schmidt mit der Unteren Naturschutzbehörde intensiv abgestimmt.

Gemeinderat entscheidet am kommenden Dienstag

Unsere Redaktion hat zudem beim Nabu angefragt, zu welcher Einschätzung der Naturschutzbund kommt. Eine Sprecher des Nabu-Kreisverbands Zollernalb teilte uns mit, dass das Vorkommen der Schlingnatter nicht unplausibel sei, da man im gesamten Verfahren aber nicht involviert war, könne man nicht beurteilen, ob ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz vorliege oder nicht.

Diese Gemengelage dürfte am kommenden Dienstag im Gemeinderat womöglich zu einer spannenden Debatte führen, deren Ausgang nur schwer vorauszusagen ist.