Hans Wannenmacher aus Rangendingen drechselt Brottöpfe. Die Laibe halten darin länger frisch. Wie eine solche Dose aus Zirbenholz hergestellt wird.
Die Drehbank ist eine der ältesten Maschinen. Schon die Ägypter haben diese Technik vor 3500 Jahren benutzt. Das Drechslerhandwerk ist seit 2018 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen. Denn Alltagsgegenstände aus Holz zu formen wird immer populärer.
So auch bei Hans Wannenmacher aus Rangendingen, der vor sechs Jahren dieses spannende Hobby für sich entdeckte. Vieles brachte er sich selbst bei und kaufte sich kurz nach Beginn des Drechselns eine professionelle Drechselbank.
In seiner Werkstatt in der Garage des Wohnhauses sieht es aus wie in der Schreinerei von Meister Eder und es riecht angenehm nach Holz. Fertige Schalen, Schüsseln, Vasen, Kerzenständer und Schneemänner in verschiedenen Größen, gedrechselt aus Harthölzern wie Buche, stehen im Verkaufsregal. Den Fokus hat der 81-Jährige jedoch auf Brottöpfe aus Zirbenholz gerichtet. „Das ist meine Spezialität“, sagt der Rangendinger, für den das weiche Nadelholz ein idealer Werkstoff ist.
Holz ist „schon etwas Besonderes“
Obwohl er im Hauptberuf bis zur Rente als Industrie- und Werkzeugmachermeister und Ausbilder in der Metallbearbeitung gearbeitet hat, ist der Rohstoff Holz für ihn „schon etwas Besonderes“. „Als Kind wollte ich schon immer mit dem Naturprodukt arbeiten, hatte aber nie die richtige Gelegenheit. Holz ist eine Wissenschaft für sich. Da steckt Leben und Energie drin“, so Wannenmacher.
Die Idee, noch im Alter mit dem Drechseln anzufangen, sei spontan entstanden: „Ich brauchte irgendwie noch eine spannende Tätigkeit.“ In den Werkstücken stecke viel Leidenschaft, versichert er.
Zirbenholz duftet und fühlt sich weich an. „Die Zirbe ist für mich das schönste und edelste Weichholz, das ich kenne“, erzählt Wannenmacher. Durch ihren Wuchs in einer Höhe von über 2000 Metern in Südtirol habe sie eine feine Maserung und sehr feine Jahresringe.
Zirbenholz aus Südtirol
Das abgelagerte Holz bezieht der Rangendinger Kunsthandwerker direkt vom Lieferanten. „Wenn ich Zirbenholz brauche, fahre ich mit dem Auto nach Südtirol und hole es dort bei einem Holzlieferanten ab.“ Zirbe, so Wannenmacher, haben einen lang anhaftenden, aromatisch würzigen und holzig-süßen Duft, der sich in der kleinen Werkstatt ausbreitet.
Die getrockneten Dielen seien stark genug, dass man, ohne Holzschichten aufeinander zu leimen, Brottöpfe „aus einem Guss“ produzieren könne. Gerbstoffe und Mineralien sind im Holz eingelagert und tragen sozusagen zur Verfestigung und Haltbarkeit bei – auch gegen Schimmel- und Pilzbildung und gegen Fressfeinde.
Mit einer Bandsäge schneidet Hans Wannenmacher die Rohlinge zurecht. Die Höhe der Töpfe lässt sich der Werkzeugmachermeister vom Holz diktieren, die Wandstärke nicht. Die bestimmt er selbst.
Alles muss rund laufen
An der Drechselbank muss alles rund laufen. Zuerst wird das kantige Stück im Spannfutter am Spindelstock befestigt. Dann geht es ans Zentrieren. Bis der eingespannte Rohling rund läuft, kommt die sogenannten Schruppröhre zum Einsatz. Mit diesem Werkzeug nähert er sich der Außenform an. Hierbei müsse man besonders vorsichtig sein. „Sonst hakt es und es kann gefährlich sein.“ Danach legt Wannenmacher an der Drehbank noch einen Schub zu. Verschiedene scharfe Werkzeuge kommen zum Einsatz. Besonders geachtet werden muss auf den Auflagewinkel, den Wannenmacher nach Gefühl und Erfahrung selbst bestimmt. Mit kleinem, feinem Werkzeug endet die Gestaltung der äußeren Form. „Schlicht und fein.“
Dann ist die Schüsselröhre dran. Mit ihr arbeitet er sich innen an eine Wandstärke von etwa 1,5 Zentimetern. Zuletzt wird der Deckel mit Griff auf Maß hergestellt. Den Abschluss seiner Arbeiten am Brottopf aus der Zirbe bildet dann feines Schleifpapier.
Schön sei es, wenn Späne, also schöne Löckchen, fliegen. Wannenmacher steht auf einem Teppich aus Zirbenspänen. Zum Wegwerfen seien sie zu schade, erklärt er. Seine Frau Beate fertigt aus den aromatischen Spänen Kissen an, die verkauft werden.
Einiges zu beachten
Und damit die Freude am Brottopf aus Zirbenholz samt Inhalt lange hält, gibt es ein paar Dinge zu beachten: „Man muss sie nur sauber halten, auskehren und bei Bedarf mit Essigwasser feucht auswischen.“ Für die Holzoberfläche dürfe keinesfalls Öl oder Möbelpolitur verwendet werden. „Das macht die Zirbe kaputt.“ Anfänglich zieht das Brot den angenehmen Geruch der Zirbe an. Auch das kann laut Wannenmacher superlecker schmecken.
Seine Kunstwerke verkauft der Rangendinger auf Märkten und Ausstellungen. Gerne empfängt er Interessierte auch zuhause in seiner Drechselstube.