Sowohl Benjamin Bonk (rechts) als auch Sebastian haben ihren Posten als Geschäftsführer aufgegeben. Das ist das Ende der Brothandwerker (Archiv-Foto). Foto: Schwind

Der Abschied der Kundschaft von den Sulzer Brothandwerkern ist mitunter emotional. Sebastian Gaux erklärt, was ihn zur Aufgabe des Unternehmens bewog und welche Rolle eine Auflistung mit Pro- und Contra-Argumenten spielte.

„Unsere Kunden waren alle sehr traurig“, blickt Sebastian Gaux auf den letzten Tag der „Brothandwerker“ zurück.

 

„Sie haben gerne bei uns Brot gekauft“, beschreibt der Geschäftsführer die vergangenen vier Jahre.

Vom Kochtopf zur Teigschüssel

Zahlreiche Menschen hätten sich, nachdem bekannt wurde, dass auch die zwei letzten Filialen in Sulz und Aistaig geschlossen werden würden, bei ihm bedankt – einige brachten sogar noch Geschenke mit.

„Mir ist es schwer gefallen“, gesteht Gaux. Gemeinsam mit Benjamin Bonk hatte er sich 2021 selbstständig gemacht – die gelernte Köche wurden Bäcker und gründeten die „Brothandwerker“.

Viele Filialen machen auf

Es folgten 2022 die Eröffnung eines Ladengeschäfts in der Sulzer Sonnenstraße 3, die Wiederbelebung einer leerstehenden Filiale in Hochmössingen sowie 2023 der Einzug in das Ladengeschäft der insolvent gegangenen Landbäckerei Geiger in Aistaig.

Im Juni 2024 eröffnete eine weitere Filiale im Gebäude der ehemaligen Bäckerei Walz in Vöhringen.

Ein ambitionierter Insolvenzplan

Dann die Hiobsbotschaft: Gaux und Bonk meldeten am 22. August Insolvenz an. Grund waren die hohen Energie- und Rohstoffpreise, aber auch Baumängel an der Sulzer Produktionshalle.

Doch beide wollten kämpfen. Gemeinsam mit einem Insolvenzverwalter plante man, die Backfilialen in Produktionsstandorte umzugestalten. „Die Läden sind weiterhin geöffnet“, lautete die Botschaft.

Die Standorte schließen

Doch dem war nicht so. Anfang November teilten sie mit, dass die Filialen in Vöhringen und Hochmössingen dauerhaft geschlossen bleiben würden. Der letzte Arbeitstag am Sulzer und Aistaiger Standort war dann der 30. November.

Doch wie kam es dazu – trotz der positiv klingenden Sanierungspläne für die Zukunft?

Mehr Contra als Pro

„Benjamin Bonk ist als Geschäftsführer ausgetreten“, erklärt Gaux. Somit hätte er als alleinig verbleibender Geschäftsführer neben der Verantwortung auch die ausstehenden Tilgungen der Bankkredite übernehmen müssen.

„Das wollte ich nicht“, lautet sein Entschluss. Er habe lange über diesen Schritt nachgedacht und eine Pro- und Contra-Liste erstellt. „Am Ende stand mehr auf der Contra-Seite“, fasst er zusammen.

Bäcker aus Leidenschaft

Der Schritt, die Zeit der „Brothandwerker“ zu beenden, mache er mit einem heulenden und einem „nicht-weinenden Auge“, wie er sagt. Denn schließlich habe er viel Herzblut in das Projekt hineingesteckt.

„Ich bin leidenschaftlicher Bäcker“, hält er fest. Deshalb wird ihn die Zukunft vermutlich in ein Angestellten-Verhältnis zu Mehl und Teig führen.

Kommt ein neues Projekt?

Die acht Mitarbeiter wurden entlassen. Doch rechnet Gaux damit, dass sie angesichts des herrschenden Fachkräftemangels schnell etwas Neues finden. „Wir helfen natürlich bei der Vermittlung“, stellt er klar.

Ob es so ein Projekt wie die „Brothandwerker“ künftig noch einmal geben wird? „Die Kosten für Gas und zum Wareneinkauf sind sehr hoch“, beschreibt er die aktuelle schwierige wirtschaftliche Situation in Deutschland.

Doch wenn sich die allgemeine Lage wieder bessere – vielleicht könne man sich dann ein neues, allerdings auch kleineres, Konzept überlegen, blickt er nach vorne.