Zu Besuch bei den Brothandwerkern in Sulz: Carolin Pagel freut sich, wenn Kunden die kleine Bäckerei vor Ort unterstützen. Denn hier merke man die Handarbeit, die in den Broten und Brezeln steckt. Allerdings finden nur wenige Jugendliche Zugang zu dem Beruf, der für sie eine Berufung ist.
Es ist reger Betrieb bei den Brothandwerker in der Sonnenstraße. Ein Vater kommt mit seinen Jungs, um alles wichtige für das Frühstück mitzunehmen – in diesem Fall Kornknacker und Schoko-Croissants, eine andere Kundin interessiert sich für einen Kringel mit Käse, auch eine Apfeltasche geht über die Theke.
Morgens früh raus
Gereicht wird sie von Carolin Pagel. Die 45-Jährige ist Bäckereifachverkäuferin aus Leidenschaft. Schon mit 16 Jahren hat sie sich für die Ausbildung entschieden, deren Aufgabenvielfalt ihr immer noch Freude bereitet.
Für sie heißt es, um 4.45 Uhr aufzustehen, um rechtzeitig im Laden zu sein, damit sie alles fertigmachen kann. Also die Brote einräumen und sie mit den entsprechenden Preisschildern auszeichnen, alles für den Kaffee herrichten und waten, bis die erste Kundschaft den Laden betritt.
Viele Menschen und Kulturen
„Es ist jeden Tag was Neues“, beschreibt sie die Abwechslung, die die unterschiedlichen Kunden für sie bereithalten.
Dabei entwickelten sich stets nette Gespräche. Und wenn Menschen aus anderen Ländern und Kulturen kämen, um etwas zu essen zu kaufen, komme noch etwas Schönes hinzu.
„Dann kann ich auch wieder mal die Fremdsprachen sprechen, die ich in der Schule gelernt habe“, schmunzelt sie.
Der Frühstückstreffpunkt
Berührend sei auch, wenn Kunden beim Einkauf auch ihr Herz ausschütteten. Da sein man ab und an auch Ansprechpartner für alles, schildert Pagel die Bandbreite ihres Berufes.
Dass die Atmosphäre eine gute ist, spürt man. Etwa, wenn ein älterer Mann durch die Tür kommt und einen Bekannten bei Kaffee und Brötchen am Tisch sitzen sieht.
„Wenn ich gewusst hätte, dass du hier bist, wäre ich auch zum Frühstücken hergekommen“, ruft er aus. Gibt seine Bestellung auf und setzt sich danach für ein Schwätzchen an den Tisch.
Geschmack und Haltbarkeit
Pagel findet es toll, wenn die Kunden in die kleinen Bäckereien kommen. „Das ist echtes Handwerk und nicht so Industrieware wie in manchen Supermärkten“, sagt sie.
Den Unterschied merke man vor allem beim Geschmack und der Haltbarkeit der Produkte. In diesen Bereichen könnten die kleinen Betriebe wirklich punkten.
Eine Frage des Geldes
Ihrer Einschätzung nach lege vor allem die ältere Generation noch Wert auf Qualität beim Brot. Seit einiger Zeit beobachte sie dieses Verhalten auch bei den Jüngeren.
Allerdings ist ihr auch bewusst, dass die Frage der persönlichen Ernährung auch eine direkte Frage des Einkommens ist. „Gute Lebensmittel muss man sich auch leisten können“, sagt sie.
Deutlicher Fachkräftemangel
Darauf richte auch sie ihren Fokus. „Ich kaufe lieber eine Hose weniger und hole mir stattdessen das Fleisch aus der Metzgerei und das Brot vom Bäcker“, erklärt Pagel.
Doch wie in anderen Bereichen auch, herrsche in ihrem Sektor ebenfalls ein deutlicher Fachkräftemangel. „Es gibt zwar viele Aushilfen, aber jemanden mit einer abgeschlossenen Ausbildung bekommt man kaum“, beschreibt sie die Situation.
Ab 13 Uhr ist Feierabend
Gründe sieht sie einerseits in der Bezahlung – „Das Gehalt ist nicht mit dem in der Industrie vergleichbar“– sowie den Arbeitszeiten. Auch wenn die ihrer Einschätzung nach eigentlich ein Pluspunkt sind.
„Ich habe um 13 Uhr Schluss und danach den ganzen Tag frei“, zeigt sie sich mit ihrem Arbeitsrhythmus vollumfänglich zufrieden.