Die Landwirte geben nicht auf: Zur Sternfahrt mit Mahnfeuer am Donnerstagabend an der alten B 27 in Donaueschingen kamen die Traktoren aus allen Richtungen. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) Brigachtal hatte die Sternfahrt organisiert.
Eine Stunde lang rollten die Traktoren am Donnerstagabend an, hell beleuchtet, mit Plakaten und Hupkonzert, wobei von einigen Traktoren ein flottes Liedchen in voller Lautstärke schallte.
Der BLHV Brigachtal hatte die Sternfahrt hervorragend organisiert, an vorderster Front Landwirt Stefan Mink, Vorsitzender des Ortsverbands, unterstützt von der Landjugend Brigachtal, die Punsch anbot. Landwirt Harald Kiefer hatte seinen Grill im Transporter dabei.
Je mehr Trecker und auch andere Fahrzeuge anrollten, desto länger wurden die Schlangen bei der Landjugend und Kiefer, satte minus sieben Grad machten durstig und hungrig.
Urspünglich vorgesehener Standort zu klein
Mink hatte reagieren müssen, denn der vorgesehene Standort zwischen dem Weiherhof und dem Wasserwerk wäre zu klein gewesen, so nahm der BLHV dankend das Angebot von Stefan Bolkart an, auf seiner Wiese zu parken. Die ist riesig und dicht an der neuen B 27 gelegen.
Das Hupkonzert kam so von zwei Seiten: Von den anrollenden Treckern und den vorbei rauschenden Lastwagen, die begeistert hupten und so ihre Zustimmung für die Aktion der Landwirte zeigten.
Mahnfeuer wärmt bei minus sieben Grad
Das Mahnfeuer auf einem Hänger hatte sich inzwischen gut entwickelt, und als so ziemlich alle Traktoren geparkt hatten – laut Stefan Mink waren es rund 400 – begrüßte er die Landwirte und auch viele Besucher, die die Landwirte unterstützten, aus luftiger Höhe.
Er freue sich über das gigantische Bild, das die Bauern entlang der B 27 erzeugen, so wie in der Vergangenheit auch bei anderen Sternfahrten, erklärte er. Auch Clemens Hug vom Kreisverband Villingen zeigte sich sehr angetan, dass auch so viele ganz junge Landwirte gekommen waren. Er dankte dem Ortsverband Brigachtal.
Es habe schon Stimmen gegeben, die meinten, der Protest sei zu milde, aber: „Wir machen eine Aktionswoche, in der wir darauf hinweisen, was wir wollen, welche Ziele wir haben“, so Clemens Hug. Er habe ein Interview mit der Polizeigewerkschaft angehört, in der die friedlichen Proteste gelobt wurden, die Polizei sei nur verkehrsführend im Einsatz gewesen, dankte er allen Beteiligten.
Bernhard Bolkart, Präsident des BLHV: „Es ist immer ein beeindruckendes Bild, euch hier zu sehen. Wir hatten viele Gespräche auch mit Bürgern, die hinter euch stehen.“
Bürokratie ärgertdie Landwirte
„Man hat uns in den letzten Jahren gepiesakt und piesakt uns auch noch heute, über die furchtbare Bürokratie brauchen wir gar nicht mehr sprechen, das weiß jeder und leidet darunter“, meinte Bolkart. „Man sollte uns Bauern auch mal zutrauen, dass wir es richtig machen, wir sind fachlich gut ausgebildet“, betonte er. Es ärgere ihn maßlos, wenn manche Leute sich hinstellen und sagen: „Ihr habt doch schon einen Teilerfolg, seid doch auch mal zufrieden“.
„Wir werden am Montag eine große Demonstration in Berlin haben. Es werden allein 300 Leute von Südbaden vom BLHV dabei sein. Fünf Busse sind schon voll. Wenn sich noch jemand kurzfristig entscheiden möchte, kann er sich im Internet anmelden“, sagte er. „Wir werden als kleiner Berufsstand übermäßig belastet. Wir werden weiter kämpfen für unsere Belange, es ist die verdammte Pflicht der Politiker dafür zu sorgen, dass unsere Landschaft erhalten bleibt, da oben sind sie fern jeglicher Realität.“
Abschließend erklärte Mink, dass die Abfahrt in einer Richtung verlaufe. Wer wolle könne gerne noch bleiben und diskutieren. Im Nachgang betonte Mink gegenüber unserer Redaktion, dass er sehr zufrieden sei mit dem Verlauf der Kundgebung.