Verständnis und die Sorge füreinander sind für Michael Schmitt die wichtigsten Lehren des Jahres 2020.Foto: Archiv/Kaletta Foto: Schwarzwälder Bote

Interview: Der Bürgermeister Brigachtals lässt ein besonderes, von Corona geprägtes Jahr Revue passieren

Brigachtal. Zum Ende eines besonders geschichtsträchtigen Jahres stehen uns die Bürgermeister der Region Rede und Antwort.

2020 ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmejahr – wann wurde Ihnen das so richtig bewusst?

Anfang März war die aufkommende Unsicherheit deutlich zu spüren, was da auf uns zukommt. Direkt vor Ort gab es die ersten Erkrankungen und niemand konnte richtig beantworten, wie man mit der anrollenden Pandemie umgehen soll.

Wir waren von heute auf morgen aus dem gewöhnlichen Alltag gerissen. Es galt sinnvolle und richtige Handlungsweisen zu begleiten und Sorge dafür zu tragen, dass wir hier vor Ort bestmöglich unsere Gesellschaft beieinander halten. Im Nachgang bedauere ich, dass in der ruhigeren Sommerzeit nicht intensiver an notwendigen Handlungsszenarien gearbeitet wurde. Ein ganz großes Lob spreche ich an unsere Politiker in Berlin aus. Sie haben uns Halt und Struktur gegeben. Auch wenn manche Entscheidungen gerne kritisiert werden, darf man nicht vergessen, dass 82 Millionen verschiedene Meinungen nicht zu einem fruchtbaren Ergebnis führen. Auch in einem Ausnahmejahr gibt es sie, die positiven Ausnahmen.

Welches war Ihre positivste Erfahrung in diesem Jahr?

Das Verständnis und die Sorge füreinander. Sie war im großen Umfang in der Bevölkerung von Brigachtal vorhanden und zu spüren. Rücksichtnahme auf unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, Akzeptanz für die Einschränkungen in der Geselligkeit, Gastronomie, Sport und Freizeit, die Einschränkungen der Vereine, Kirchen und vieles mehr. Ich habe wahrgenommen, dass viele bereit sind, wieder anpacken zu wollen, in der "Zeit nach Corona".

Auch war ich sehr erfreut, dass bei einigen Bürgern wieder verstärkt das Interesse aufkommt, auch außerhalb von der Vereinsarbeit ehrenamtliche Arbeit für das Gemeinwohl beizutragen. Ohne Forderungen und Bedingungen. Ich freue mich auf dieses aufkeimende verbindende Miteinander.

Ausnahme-Ereignisse verleihen dem Leben Ecken und Kanten, erzählen Sie mal: Was war das Verrückteste, Aufregendste oder Schönste, das Sie jemals gemacht haben?

Bei der Geburt unserer drei Töchter dabei zu sein.

Welche Erinnerung werden Sie – vor allen anderen – ein Leben lang gerne bewahren?

Die Hochzeit mit meiner Frau Sandra, verbunden mit dem Glücksgefühl, im Leben angekommen zu sein.

Welcher Gedanke/welches Ereignis war Ausschlag gebend dafür, dass Sie heute Bürgermeister sind?

Dazu gehören zwei Entscheidungen: Zuerst die Zustimmung meiner Frau Sandra, dass sie meine Bewerbung als Bürgermeisterkandidat mitgetragen hat, und selbstverständlich die vielen Stimmen der Bürgerinnen und Bürger von Brigachtal.

Wohin führte die bislang schönste Reise Ihres Lebens?

2012 waren meine Frau und ich in Südafrika. Ein unvergessliches Erlebnis.

Welches war das spannendste oder interessanteste Buch, das Sie je gelesen haben?

"Secret" von Rhonda Byrne.

Was ist das schönste Lied, das Sie je gehört haben?

"In the Arms of an Angel" von Sarah McLachlan

Welche Farbe gefällt Ihnen ausnehmend gut?

Blau.

Und was nehmen sie als ausnehmend schön an Ihrer Gemeinde wahr?

Das Gesamtensemble aus den Menschen, das Miteinander, die Landschaft mit der Mischung aus Brigachaue, Wäldern, Feldern, die Kompaktheit der Ortschaften sowie die Angebote und Einrichtungen vor Ort. Es ist einfach alles für ein Wohlbefinden in Brigachtal da.

Und wenn Sie ausnahmsweise einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?

Für das harmonische Miteinander wären wahre Wertschätzung untereinander und Dankbarkeit ein Mehrwert für alle. Wir sollten zu schätzen wissen, wie gut es uns an für sich geht.  Die Fragen stellte Marcel Dorer.

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