Gegenwind für Lars Thiemann (links) und Herfried Martens: In Brigachtal ist die Kritik am Vorhaben der Bundeswehr deutlich, einzelne Gemüter sind gereizt. In der Kirchdorfer Halle gibt es nur noch wenige freie Plätze, das Bürgerinteresse ist groß. Foto: Hahnel

Gemeinderat und Bürger stellen sich gegen Vorhaben. Weißwald und Ochsenberg wären tangiert.

Brigachtal - In Brigachtal ruft die geplante Übungsplatzerweiterung der Bundeswehr Kopfschütteln hervor. Gemeinderat und Verwaltung lehnen das Vorhaben ab, bei den Bürgern regt sich Unmut.

Die Wehr will satte 521 Hektar für die Erweiterung des Donaueschinger Standortübungsplatzes und käme damit unter anderem Überauchen sehr nahe. Weißwald und Ochsenberg wären tangiert, die Planung zieht sich in das Naturschutzgroßprojekt Baar hinein. Keine Übungsschüsse in Brigachtaler Naherholungsgebieten, keine Militärfahrzeuge, keine militärischen Bauten, das war der Tenor bei der Versammlung.

521 Hektar = 744 Fußballfelder

Das Bundesverteidigungsministerium dürfte in der Folge viel Post aus Brigachtal erhalten, sitzt rechtlich allerdings am längeren Hebel. 521 Hektar sind 744 Fußballfelder, das Thema dominierte im Gemeinderat schon die Bürgerfrageviertelstunde. Im Verlauf gaben sich Oberstleutnant Lars Thiemann und Oberst Herfried Martens das Mikrofon in die Hand und versuchten, möglichst viel Aufklärungsarbeit zu leisten, gleichentags hatte das Duo schon in Donaueschingen und Villingen-Schwenningen Station gemacht und war nun final etwas ermüdet.

Die Brigachtaler Verwaltung weiß von der Planung bereits seit Januar und hätte diese auch gern auf die Tagesordnung des Gemeinderates gesetzt, Corona machte einen Strich durch die Rechnung. "Wir befinden uns jetzt erst im Vorfeld, ich möchte dies unterstreichen. In Donaueschingen haben wir einen Bestand von 52 Hektar, das ist einfach viel zu wenig. Sollte alles wie geplant zu Ende gebracht werden können, wird auf der zusätzlichen Fläche beispielsweise nur mit Kunststoffmunition geschossen. Fehlschüsse kann keine Planung ausschließen, für diese trägt der Schütze die Verantwortung", so Lars Thiemann. Letzteres führte in den Bürgerreihen logischerweise zu Kopfschütteln, die Bundeswehr sieht Zivilisten aber nicht gefährdet. Nochmals Thiemann: "Auf den 521 Hektar würden maximal 60 Soldaten üben, wir ziehen 150 Ausbildungstage jährlich in Betracht. Während der Einheiten sichern Posten das Areal ab. Dieses wird auch nicht eingezäunt, es bleibt grundsätzlich also zugänglich."

Zahlreiche Wortmeldungen

Die Wortmeldungen am Gemeinderatsabend waren zahlreich, deshalb eine Auflistung: Ferdinand Ritzmann aus der Bürgerreihe: "Immendingen schließen und es jetzt hier versuchen. Wie kann man nur so einen Mist machen? Der neue Übungsplatz würde bis auf einen Kilometer Luftlinie an Überauchen herankommen. Ostanbindung, jetzt der Bundeswehrplan – wir in Brigachtal bekommen derzeit eine Hiobsbotschaft nach der anderen." Lothar Bucher (Bürgerinitiative Brigachtal): "Ich bin geschockt, wir müssen alles tun, um das zu verhindern. Ich habe bei der Bundeswehr gedient und noch nie einen derart nahe an die Bevölkerung heranrückenden Standortübungsplatz gesehen." Olaf Faller (Bürgerinitiative Brigachtal): "Steht hinter allem die Nato? Gibt es Druck aus den USA?" Joachim Eichkorn (CDU): "Weshalb werden mit bis zu 100 Tonnen belastbare Wege geplant? Herr Thiemann und Herr Herfried, ich wüsste gern was sie persönlich davon halten, wenn ein Übungsplatz derart nahe an die Bebauung grenzt." Josef Vogt (Pro Brigachtal): "Wir reden von 521 Hektar in intakter Natur. Passendes wie in Immendingen wird an Privatiers verkauft, nun plant man hier." Jens Löw (SPD): "Die Bundeswehr weiß schon seit 2011, dass dem Verkauf in Immendingen etwas folgen muss. Die Planung ist so sensibel wie eine Panzerfaust und ein Drama. Die 521 Hektar werden letztlich für die Bevölkerung nicht mehr nutzbar sein, man werfe einen Blick nach Grüningen. Neben der geplanten Fahrzeugbergungsanlage befindet sich eine Quelle. Schauen Sie sich nach Alternativen um!"

Und schließlcih Bürgermeister Michael Schmitt: "Es gibt weniger besiedelte Gebiete und am sowie im Schwarzwald Alternativen. Im Moment können wir nicht zustimmen."

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: