Ministerium übernimmt großzügige Förderung / Baubeginn zur Jahresmitte geplant
Brigachtal (kal). Wenn alles glatt läuft, könnte in Brigachtal zur Jahresmitte mit dem Bau eines Glasfasernetzes begonnen werden. Dabei soll die kostengünstige neuartige Technologie "Glasfaserkabel durch den Wasserhausanschluss" zum Einsatz kommen.
Es soll schon was heißen, wenn die Gemeinderäte nach einer Bekanntgabe völlig sprachlos sind. Doch dies trat bei der ersten Sitzung des Gremiums im neuen Jahr ein. Schweigen herrschte, als Michael Reiss vom Ministerium für den ländlichen Raum mitteilte, dass das Land die Gemeinde Brigachtal als eine der ersten Kommunen im Kreisgebiet mit einem Fördersatz von 50 Prozent beim Aufbau des Glasfasernetzes unterstützen werde. Vom Ministerium werde die Unterstützung als Dank des Landes an die Kommune für ihr großes Engagement sowie die vorbildliche Planung angesehen, betonte Reiss. Die Ratsmitglieder waren völlig überrascht. Dies auch im Hinblick auf den Zeitpunkt des Baubeginns und den Zuschuss. Die frohe Kunde schlug vermutlich auch deshalb wie eine Bombe ein, weil in der Sache Breitbandversorgung in den letzten Monaten Stillstand herrschte. Dies lang daran, dass ein flächendeckendes Glasfasernetz, so wie es ursprünglich angedacht war, nach den geltenden EU-Richtlinien an dem momentanen privaten Bedarf vorbei geht. Mit einer Fachanwaltskanzlei und dem Ministerium ländlicher Raum führte die Verwaltung zwischenzeitlich Gespräche, um die rechtlichen Vorgaben der EU zu erfüllen.
Der Gemeinderat stimmte der erforderlichen Überarbeitung der Netzausbauplanung sowie der weiteren Planung auf der Grundlage der Förderrichtlinien zu.
Es nennt sich Fibre-to-the-Home (FTTH) und ist ein Verfahren, das die Verlegung von Glasfaserleitungen durch den Trinkwasseranschluss kostengünstig ermöglicht. Mit dieser Lösung entfallen Tiefbauarbeiten, die bei der Verlegung in die Wohngebäude anfallen.
Beispielrechnung: Wird das Kabel über das Grundstück im Erdreich verlegt, werden in der Regel 65 Euro pro Meter berechnet. Bei der Verlegung durch den Abwasserkanal rund 50 Euro. Mit rund fünf Euro gelingt der Anschluss mit der neuen Technologie. Das Glasfaserkabel wird dabei in den Wasseranschluss in der Straße eingeführt und kommt im Haus kurz vor der Wasseruhr wieder heraus. Um das Glasfaserkabel ins Haus zu legen, wird ein Leerrohr aus Kunststoff, genannt Microductrohr, durch die Wasserleitung verlegt. Dieses Rohr wird im Inneren der Wasserleitung wasserdicht angeschweißt. Dadurch kann die Glasfaserleitung verlegt werden.
Von Fachleuten wird dieses Technik als die einzige Möglichkeit gesehen, im ländlichen Raum das Glasfaserkabel in die Häuser zu bringen. Gerade weil in den dünner besiedelten Regionen der Aufwand und die Kosten für den Anschluss einzelner Häuser enorm hoch und für die Anbieter meist unrentabel sind. Das Projekt Fiber-to-the-Home läuft seit knapp einem Jahr in den dünn besiedelten Gemeinden Adenau und Altenahr in Rheinland-Pfalz, wo es mit Mitteln des Umweltministeriums gefördert wird.
Um mögliche Auswirkungen auf das Trinkwasser zu untersuchen, wurde gemeinsam mit dem Leiter des Hygieneinstituts der Universität Bonn und dem Vorsitzenden der Trinkwasserkommission, Martin Exner, ein umfassenden Untersuchungsprogramm festgelegt.