Die Ortenauer müssen damit rechnen, dass Briefe und Pakete sie die Tage mit Verzögerung erreichen. Grund ist ein Warnstreik bei der Post. Auch im Lahrer Paket- und Offenburger Briefzentrum hatten Beschäftigte die Arbeit niedergelegt.
Ortenau - Bereits am Donnerstagabend hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auch in Baden-Württemberg zum Streik aufgerufen: Betroffen sind unter anderem auch die Brief- und Paketzentren in Offenburg, Lahr und Freiburg.
Im Raum Offenburg kommen Briefe und Pakete teilweise nicht an
Dabei scheint der Ortenaukreis noch glimpflich davonzukommen. "Gerade im Bereich Offenburg kann es sein, dass es zu Einbußen kommt. Wir rechnen damit, dass etwa die Hälfte der Briefe und Pakete am Freitag und den folgenden Tagen nicht ankommen werden", berichtete Verdi-Gewerkschaftssekretär Deniz Zengin im Gespräch mit unserer Redaktion. In anderen Bereichen sei die Zustellung regelrecht zusammengebrochen.
"Wir haben am Donnerstagabend im Paketzentrum Lahr mit der Nachtschicht angefangen", berichtet der Gewerkschafter. Auch die Früh- und Spätschicht am Freitag seien zum Streik aufgerufen worden – insgesamt sollte der Warnstreik 24 Stunden andauern. Zengin rechnet damit, dass Verdi rund 25 Prozent der Belegschaft in Lahr, Offenburg und Freiburg zur Teilnahme motivieren konnte – genug um die Zustellung empfindlich zu stören.
Post kann nicht sagen, wie sehr Region betroffen ist
Wie sehr der Ortenaukreis betroffen ist, konnte die Post selbst am Freitag gar nicht sagen. "Da die Beteiligung an den Streiks in den einzelnen Regionen und Standorten unterschiedlich hoch ausfällt, werden sich diese auch entsprechend unterschiedlich auswirken", erläuterte Pressesprecherin Sonja Radojicic auf Anfrage unserer Redaktion. So könne es zu Verzögerungen bei der Abholung und Auslieferung von Brief- und Paketsendungen kommen. Diese könnten womöglich erst mit einigen Tagen Verzögerung, das heißt in der ersten Hälfte der kommenden Woche ausgeliefert werden.
Bundesweit seien rund 2,3 Millionen Paketsendungen – das entspreche etwa einem Drittel der durchschnittlichen Tagesmenge – und rund 13 Millionen Briefsendungen (etwa ein Viertel der durchschnittlichen Tagesmenge) betroffen, berichtete Radojicic. Insgesamt seien bisher rund 16 700 Beschäftigte dem Streikaufruf gefolgt, das heißt rund ein Drittel der eigentlich im Dienst befindlichen Beschäftigten.
Gewerkschaft fordert 15 Prozent mehr Geld
Hintergrund des bundesweiten Warnstreiks ist der Tarifkonflikt zwischen Verdi und der Post. Bei der zweiten Verhandlungsrunde waren die beiden Parteien zu keinem Ergebnis gekommen. Verdi fordert für die rund 160 000 Tarifbeschäftigten eine Entgelterhöhung von 15 Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten.
Angesichts der Inflation fordert die Gewerkschaft eine Beteiligung am Rekordergebnis des Post-Konzerns in Höhe von acht Milliarden Euro im vergangenen Jahr. "Davon wollen wir ein Kuchenstück ab haben", betont Gewerkschaftssekretär Zengin.
Dritte Verhandlungsrunde startet am 8. und 9. Februar
Bei der Post seien 140 000 Tarifbeschäftigten in den Entgeltgruppen 1 bis 3 eingruppiert. Deren Monatsgrundentgelt betrage zwischen 2108 und 3090 Euro brutto. "Ein Kollege, der im Paketzentrum in Lahr arbeitet, schwere Pakete aufs Band hieven muss, der verdient 12,60 Euro pro Stunde", betont Zengin. Diese Tarifbeschäftigten seien im besonderen Maße von der hohen Inflation betroffen, da sie einen großen Anteil ihres Nettoeinkommens für Nahrungsmittel und Energie aufbringen müssen.
Am 8. und 9. findet die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit statt. Die Post soll ein Angebot in Aussicht gestellt haben. Zengin hielt am Freitag einen weiteren Streik bis dahin für unwahrscheinlich.