Schrauben-Patriarch: Ampelregierung verhält sich zwar wie ein Hühnerhaufen, doch das Erreichte in Deutschland darf nicht als selbstverständlich angesehen werden.
Der als Schraubenkönig bekannte Unternehmer Reinhold Würth schließt sich den Protesten von Bürgern gegen die AfD an und rät den Beschäftigten davon ab, dieser Partei ihre Stimme zu geben. In einem Rundbrief schreibt der Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, zwischen dem „AfD-Hype“ und dem Zulauf zur NSDAP in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts gebe es keinerlei Parallelitäten. Damals habe das ganze deutsche Volk bitter unter den Forderungen des Versailler Vertrags gelitten, vor allem wegen der riesengroßen Arbeitslosigkeit.
Der Zulauf zu Adolf Hitler sei „tatsächlich die Folge einer „bittertiefen Notsituation aller Deutschen“ gewesen. Heute dagegen müsse niemand hungern oder frieren. „Die Sozialeinrichtungen des Bundes und der Länder überschütten geradezu die Bedürftigen mit Hilfsangeboten.“ Die Sparquote sei hoch, die Gesundheitsvorsorge auf europäischem Niveau, die Arbeitszeiten deutlich kürzer als in vielen anderen Ländern.
Erreichtes ist nicht selbstverständlich
Es sei eine menschliche Eigenschaft, Erreichtes als selbstverständlich anzusehen und das Erreichte gar nicht mehr zu schätzen, so Würth. „Ist es deshalb nicht wunderbar, dass unser Deutschland eine Ampelregierung aushalten kann, die in vielen Teilen wie ein Hühnerhaufen durcheinander rennt und doch trotzdem das eine oder andere positive Gesetz auf den Weg bringt?“ Nur aus Unmut über die Ampelregierung die AfD zu wählen, sei einfach zu wenig, schreibt der 88-Jährige, der das Unternehmen jahrzehntelang geführt hatte.