Mit der IHK Südlicher Oberrhein hat die Stadt zu dem Event geladen. Rund 50 Personen waren mit dabei – Eigentümer ebenso wie Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung.
OB Markus Ibert betonte: „Eine zukunftsfähige Entwicklung unserer Innenstadt kann nur im engen Schulterschluss zwischen Eigentümern, Mietern und Pächtern sowie der Immobilienwirtschaft gelingen.“ Ziel war es, dass die zentralen Akteure ins Gespräch kommen, Perspektiven geteilt und Bedarfe angesprochen werden, wie die Stadt in einer Pressemitteilung berichtet.
Ein Fokus lag auf dem Sanierungsgebiet Innenstadt-Marktstraße. Stefan Löhr, Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Stadtplanung, informierte über Modernisierungs- und Umnutzungschancen durch das Sanierungsgebiet, das etwa ein Drittel der Innenstadt abdeckt. Die Resonanz auf Fördermöglichkeiten für die Sanierung von Bestandsimmobilien nimmt Fahrt auf: Es gab schon 26 Begehungen mit dem Bautechniker der STEG und der Stadt. 24 Modernisierungserhebungen liegen vor, zwei Vereinbarungen sind abgeschlossen, vier stehen kurz vor dem Abschluss. Löhr informierte über die Voraussetzungen für eine Förderung, den Ablauf der Modernisierungsmaßnahmen und der kostenfreien Modernisierungserhebung sowie über direkte oder indirekte Förderungsmöglichkeiten für private Eigentümer. Auch die Umnutzung von Ladenflächen in Nebenlagen sei ein wichtiges Thema.
Thomas Kaiser, IHK-Innenstadtberater, bilanzierte die Erhebungen in der Innenstadt aus 2025: Die rein quantitative Zahl der gewerblichen Flächen je 1000 Einwohner sei mit 6,5 durchschnittlich hoch. Die Leerstandsquote liege bei zu hohen 16 Prozent, Tendenz steigend. Die Handelsflächen machten mit 32 Prozent den größten Anteil aus – mit einer Zehn-Jahres-Prognose von minus 17 Prozent. Die Passantenfrequenzzahlen waren im Vergleich mit anderen innerstädtischen Top-Lagen gut.
Leerstandsquote war 2025 bei zu hohen 16 Prozent
Zugleich zeigten die Zahlen, dass abseits der Marktstraße ein starkes Gefälle herrsche. Kaiser berichtete über die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Umfrage unter Eigentümern und Mietern gewerblicher Immobilien in der Innenstadt: Außerhalb der Top-Lage liegen die Mietniveaus im gewerblichen Bereich demnach unter denen der privaten Wohnungsvermietungen. Deshalb lohne sich eine Umnutzung in Nebenlagen langfristig. Bei Einzelhandelsflächen seien die Mieten bereits gesunken. Insbesondere in Nebenlagen erkennen die Eigentümer die Marktveränderungen.
Anpassung benötigen hingegen Einzelhandelsflächen. Kaiser mahnte an, dass hier sowohl die unteren Mietspannen als auch die Spitzenwerte im Vergleich mit anderen Kommunen zu hoch seien. Schlecht ausgestattete Büros und Praxisflächen seien ohne Investitionen nur noch zu unterdurchschnittlichen Preisen vermietbar. Flächen mit sichtbarem Invest schnitten deutlich besser ab. Kaiser betonte, dass ein Mietpreisspiegel Transparenz schaffen und dazu beitragen könne, Leerstände gezielter zu vermarkten.
Martina Mundinger, Leiterin des Stadtmarketings, informierte über Immobilien-Veränderungen.
Hutt: Innenstadt hat Pool engagierter Bürger
Der Zehn-Jahres-Vergleich zeige, dass die Zahl der aktiven Innenstadtbetriebe um elf Prozent zurückgegangen sei. Demgegenüber sei der Anteil der inaktiven Gewerbeflächen deutlich gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren seien in erster Linie Einzelhandelsgeschäfte vom Leerstand betroffen gewesen, Dienstleistungsbetriebe blieben stabil. Im Bereich Lebensmittel habe sich in den vergangenen Jahren ein engmaschiger Ring an Betrieben um die Innenstadt gelegt.
Mundinger beschrieb die aktuellen Transformationsprozesse von der Einkaufsstadt zur Einkaufs- und Erlebnisstadt, in der der Handel weiter Leitfunktion habe. Anhand aktueller Verschiebungen und Neubelegung von Leerständen zeigte sie auf, dass sich die Innenstadt bereits heute hin zu einem Aufenthalts-, Dienstleistungs- und Begegnungsraum bewege.
Carsten Hutt, Geschäftsführer von Werk ISI in Reutlingen, berichtete von Erfahrungen und Ergebnissen der vierwöchigen Innovation-Lounge mit der „Werk-Stadt-Lahr“ und einem Jugendraum (wir berichteten). Er betonte, dass die Gründung neuer Unternehmen in der Innenstadt ein wichtiges Ziel sei. Ebenso gelte es, öffentliche Räume und Innenräume miteinander zu verknüpfen und zu gestalten. Er bilanzierte, dass die Lahrer Innenstadt ein großes Potenzial habe und ein Pool engagierter Bürger bereit sei, sich zu engagieren. Wichtig sei, dass der wirtschaftliche Aspekt bei allen Maßnahmen mitgedacht werde und sich Projekte langfristig selbst tragen müssen.
Thementische
Im Anschluss an die Veranstaltung gab es an Thementischen die Möglichkeit zum fachlichen Austausch. Dabei wurden die zuvor präsentierten Impulse diskutiert, offene Fragen geklärt und Kontakte für zukünftige Kooperationen geknüpft.